Gütesiegel für nachhaltige Investments: „Bitte keine Moraldiskussion“
Alle Rohstoffproduzenten stehen auf der Tabuliste, weil wir davon ausgehen können, dass noch in fast allen Minen und Schürfgebieten weltweit Menschen- und Arbeitsrechte in Frage gestellt werden. Doch wenn die Rohstoffe tabu sind, wie können denn dann die daraus gefertigten Endprodukte ethisch korrekt sein? Je länger die Wunschliste für Ausschlüsse und Anlageverbote, je enger die Auslegung der Kriterien, desto kleiner werden die Investitionsmöglichkeiten für Anleger. Am Ende blieben dann nur noch wenige dunkelgrüne Geldanlageprodukte übrig, die für eine handvoll Idealisten interessant sein mögen. Die breite Masse der Anleger können solche Produkte nicht bedienen. Warum muss es denn auch „dunkelgrün“ sein? Auch „hellgrüne“ Geldanlagen können einen interessanten Hebel zur Umsetzung von gesellschaftlichen Zielen bieten, etwa indem diese das Instrument der Stimmrechtsnutzung einsetzen. So kann auf Hauptversammlungen der Finger in die ökologischen oder sozialen Wunden des Unternehmens gelegt werden und durch Bündelung vieler gleichgesinnter Stimmen lässt sich sogar die Entlastung von verantwortungslosen Vorständen verhindern. Die dunkelgrünen Fondsmanager könnten die gleiche Aktiengesellschaft nur mit Missachtung strafen, nicht aber derart massiv die Geschäftspolitik einzelner Unternehmen beeinflussen. Je mehr Geld in den Bereich der nachhaltigen Investments fließt, desto größer kann der Einfluss auf die Unternehmen werden. Ein Siegel für nachhaltige Fonds ist daher grundsätzlich begrüßenswert, wenn es nicht versucht, zwischen hell- und dunkelgrün zu polarisieren. Es würde genügen, dem Anleger transparent aufzuzeigen, welche nachhaltigen Ziele der Produktanbieter verfolgt und welche Methoden er nutzt. So kann jeder Anleger für sich entscheiden, ob er lieber konventionell investieren will, oder ein nachhaltigeres Produkt bevorzugt. Eine einheitliche Berichterstattung beispielsweise mit der neuen FNG Matrix kann so als Grundlage für ein Nachhaltigkeitssiegel dienen, welches transparent die Vielfalt der Möglichkeiten nachhaltigen Investierens deutlich macht und fördert. Andreas Korth leitet das Good Growth Institut für globale Vermögensentwicklung und berät den BN&P Good Growth Fund (WKN: HAFX2F) bei der Auswahl von sozialen Investments. Der BN&P Good Growth Fund ist ein ethischer Mischfonds mit einem starken Schwerpunkt im Bereich Mikrofinanz. Als Vermögensverwalter und Finanzplaner berät Andreas Korth mit seinem Unternehmen WerteWachstum Hartl, Korth & Co. auch eigene Kunden im privaten und institutionellen Bereich.
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