Das Ringen der Bieter dauerte genau 20 Minuten. Dann fiel um 0.54 Uhr deutscher Zeit der Hammer des Sotheby's-Auktionators. Bei 205 Millionen Dollar für das Gemälde „Elisabeth Lederer“ von Gustav Klimt (1862 bis 1918). Mit dem Aufgeld für das Auktionshaus zahlt der unbekannte Käufer 236,5 Millionen US-Dollar, knapp 205 Millionen Euro.
Es ist damit das zweitteuerste jemals versteigerte Kunstwerk. Um die „Elisabeth Lederer“ des Wiener Jugendstilkünstlers Klimt stritten am Ende zwei Telefonbieter in „kleinen“ Ein-Millionen-Schritten. Beim Zuschlag brandete Beifall in der neuen New Yorker Sotheby's-Zentrale auf.
Das Gemälde sei nun auch das teuerste je versteigerte Werk des Künstlers und das teuerste je versteigerte Werk in der Geschichte des Auktionshauses, teilte Sotheby's mit. Zahlreiche Interessenten lieferten sich den 20-minütigen Bieterwettstreit. Wer am Ende den Zuschlag bekam, ist nicht bekannt.
Rangfolge der teuersten Kunstwerke neu geordnet
Die Nummer eins bleibt der „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci, den Christie's 2017 für 450,3 Millionen an den saudischen Kronprinzen verkaufte. Das „Bildnis Elisabeth Lederer“ schob sich nun vor ein Porträt der Schauspielerin Marilyn Monroe von US-Künstler Andy Warhol, das im Frühjahr 2022 für rund 195 Millionen Dollar versteigert worden war und nun auf Platz drei der Rangliste rutschte.
Das zwischen 1914 und 1916 angefertigte Bild von Klimt zeigt die Tochter eines Industriellen-Ehepaars, das den Künstler immer wieder unterstützte. Der bisherige Auktionsrekord für ein Klimt-Werk lag bei 108,8 Millionen Dollar und wurde 2023 in London erzielt. Klimt gehörte zu den wichtigsten Vertretern des Wiener Jugendstils.
Die Geschichte des Gemäldes
Das Werk war Teil der Sammlung des im Sommer gestorbenen Milliardärs Leonard A. Lauder, aus der das Auktionshaus im Rahmen der traditionellen Herbstauktionen auch noch zahlreiche weitere Stücke für insgesamt 527,5 Millionen Dollar versteigerte.
Verkäufer sind die Erben des im Juni verstorbenen US-Milliardärs Lauder, der das Bild vor 40 Jahren erworben hatte. Es gehörte zunächst nach seiner Vollendung der Familie Lederer, wurde 1939 von den Nazi-Kunsträubern beschlagnahmt und nach Kriegsende der Familie Lederer zurückgegeben. Von dort gelangte es später in den Kunsthandel.
Cattelan-Toilette für 12 Millionen
Für Aufsehen sorgte auch ein anderes Objekt des Abends: eine voll funktionsfähige Toilette aus 18-karätigem Gold des italienischen Provokationskünstlers Maurizio Cattelan. Titel: „America“. Sie wurde für 12,1 Millionen Dollar verkauft.
Cattelans Kommentar zu seinem Werk: „Egal, ob du ein 200-Dollar-Menü oder einen 2-Dollar-Hotdog isst – am Ende landest du auf der Toilette.“
Von der goldenen Toilette hatte Cattelan 2016 zwei Versionen angefertigt: Eine davon war im Guggenheim Museum in New York ausgestellt und später an das Geburtshaus Winston Churchills in Großbritannien ausgeliehen worden, aus dem sie 2019 gestohlen wurde und seither verschwunden bleibt.
Die nun versteigerte zweite Version war 2017 an einen Privatsammler verkauft worden – US-Medien zufolge an den Milliardär Steve Cohen, dem unter anderem das Baseballteam New York Mets gehört. Nun habe „eine berühmte amerikanische Marke“ bei der Auktion den Zuschlag erhalten, hieß es vom Auktionshaus.
Cattelan ist für seine skurrilen Skulpturen bekannt. Im vergangenen Jahr wurde eine von ihm mit Klebeband an der Wand befestigte Banane in New York für 6,2 Millionen Dollar versteigert.
Erste Auktion im neuen Sotheby's-Domizil
Es war die erste Auktion des Unternehmens in seinem neuen Hauptquartier: dem von Star-Architekt Marcel Breuer (1902-1981) brutalistisch gebauten früheren Whitney Museum an der noblen Upper East Side von Manhattan, das zuletzt zeitweise vom Metropolitan und vom Frick Museum bespielt wurde.
Die traditionellen Herbstversteigerungen dauern auch an den anderen großen Auktionshäusern in New York noch die ganze Woche an.
