Gut abgesichert

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(Quelle: DAS INVESTMENT) „Lebensbedrohlich“ sei die Lage derzeit, lamentierte jüngst Airbus-Chef Thomas Enders. Auch Opel-Vorstand Hans Demant sagte kürzlich auf einer Automobilkonferenz in Frankfurt, im Unternehmen mache man sich momentan „richtig Sorgen“. Der Grund für das Wehklagen deutscher Exportunternehmen: Der Wechselkurs des Euro zum Dollar stieg Ende November 2007 auf ein Allzeithoch und kratzte an der Marke von 1,50. Ein kritischer Stand, sind viele Ökonomen überzeugt. „Deutsche Exportunternehmen haben derzeit vor allem auf Märkten, auf denen der Wettbewerb über den Preis ausgetragen wird, Nachteile“, sagt Axel Nitschke, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Warum? Firmen, die ihre Waren in Europa produzieren und in den USA verkaufen, müssen durch einen starken Euro Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen. Verkauft Porsche in den USA einen Wagen zum Preis von 50.000 Dollar, erhält das Unternehmen bei einem Wechselkurs von einem Dollar pro Euro genau 50.000 Euro. Steigt der Kurs aber auf 1,05 Dollar je Euro, müsste Porsche den Verkaufspreis in den Staaten auf 52.250 Dollar anheben, um weiterhin 50.000 Euro zu erlösen. Oder das Unternehmen gibt sich mit weniger Geld zufrieden, um den amerikanischen Konsumenten bei der Stange zu halten.

Da der Eurokurs schon seit Jahren kontinuierlich steigt, haben sich viele deutsche Unternehmen gegen das Wechselkursrisiko abgesichert. Bei dem sogenannten Hedging erwerben die Unternehmen die Option, Dollar zu einem festgelegten Kurs eintauschen zu können. Porsche-Finanzchef Holger Härter versichert, das Unternehmen sei bis 2013 zu 100 Prozent gegen Schwankungen des Dollarkurses abgesichert. Bei der Lufthansa kann jeder zweite eingenommene Dollar unabhängig vom aktuellen Kurs getauscht werden.

BMW hat sich bis zum Jahr 2011 nicht nur gegen ungünstige Kursbewegungen der amerikanischen Währung abgesichert, sondern gegen die aller wichtigen Währungen. Außerdem setzen die Münchner auf eine Art natürliches Hedging: Zum Teil liegen die Produktionsstätten für Autos, die in den USA verkauft werden sollen, in den Vereinigten Staaten. Eine Strategie, über die momentan auch andere deutsche Unternehmen wie Opel und Airbus laut nachdenken.

Trotz aller Absicherung bleiben die Auswirkungen des starken Euro spürbar. So sieht das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut für 2008 zwar weiterhin ein Wachstum der Ausfuhren voraus, allerdings rechnen die Experten mit einer Abschwächung des Plus im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt. Und wie sieht es mit dem Euro aus? Kurzfristig erwarten die Analysten der Deutschen Bank, dass der Euro sich wieder verteuert und auf die 1,50-Dollar-Marke zusteuert. Außerdem geht Klaus Martini, Chefanlagestratege der Bank für Privatkunden, 2008 von aggressiven Zinssenkungen der US-Notenbank aus. Derzeit steht der US-Leitzins bei 4,25 Prozent, im Laufe dieses Jahres werde er aber in Richtung 3 Prozent sinken. Damit stehen die Zeichen für den Eurokurs weiter auf Wachstum.