Das Sofa ist in Deutschland besser versichert als das Einkommen. Das zeigt die Continentale-Studie 2026, für die das Marktforschungsinstitut Heute und Morgen 1.387 Menschen ab 18 Jahren online befragt hat. 76 Prozent der Befragten haben eine Hausratversicherung, gegen den Verlust ihrer Arbeitskraft sichern sich nur 21 Prozent per Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ab. Das Muster zieht sich durch: Fast alle Befragten (98 Prozent) geben an, mindestens eine Kompositversicherung zu besitzen. Bei Altersvorsorgeprodukten sind das mit 47 Prozent nicht einmal die Hälfte.

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Alltags- vor Existenzrisiken

Am weitesten verbreitet ist laut Studie die Privathaftpflichtversicherung (81 Prozent), gefolgt von Hausrat- (76 Prozent) und Kfz-Versicherung (73 Prozent). Im Bereich Personenabsicherung, den 53 Prozent abdecken, dominiert die private Unfallversicherung mit 34 Prozent. Eine private Renten- oder Kapitallebensversicherung besitzen 29 Prozent.

Das subjektive Sicherheitsgefühl folgt demselben Muster. 73 Prozent fühlen sich gegen Schadenersatzansprüche Dritter gut oder sehr gut abgesichert. Bei der Altersvorsorge sind es nur 42 Prozent. Von den Berufstätigen sehen sich 35 Prozent für den Fall der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit gut aufgestellt. Am niedrigsten ist der Wert bei der Pflege: Nur 26 Prozent fühlen sich hier gut geschützt, gut informiert fühlen sich lediglich 30 Prozent.

Was als unverzichtbar gilt

Die Befragten sollten zudem angeben, welche ihrer eigenen Policen jeder besitzen sollte. Auch hier liegen die Sachversicherungen vorn. 77 Prozent der Haftpflicht-Besitzer halten ihre Police für unverzichtbar, bei der Kfz-Versicherung sind es 72 Prozent, bei der Hausratversicherung 63 Prozent.

Bei den 18- bis 25-Jährigen sieht die Rangliste anders aus. Hinter Haftpflicht (87 Prozent) und Kfz-Versicherung (68 Prozent) folgt hier die BU auf Platz drei: 64 Prozent der jungen BU-Besitzer halten sie für unverzichtbar. Über alle Altersgruppen liegt dieser Wert bei 55 Prozent. Die Zahl der Befragten ist in dieser Altersgruppe allerdings klein, die Studie weist 54 bis 125 Personen aus.

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Mehr Geld heißt nicht mehr Vorsorge

Auch zusätzliches Budget würde die Vorsorgelücke kaum schließen. Gefragt, welche Versicherung sie mit unerwartetem Geld zusätzlich abschließen würden, nennen die Befragten vor allem weitere Alltagsabsicherungen: Rechtsschutz (33 Prozent), Zahnzusatz (25 Prozent) und private Pflegezusatzversicherung (21 Prozent). 18 Prozent würden gar keine weitere Police abschließen.

Junge Erwachsene würden anders entscheiden. 39 Prozent der 18- bis 25-Jährigen ohne BU würden zuerst eine solche Police abschließen. Es folgen Rechtsschutz (30 Prozent) und private Renten- oder Kapitallebensversicherung (23 Prozent). Nur 7 Prozent dieser Altersgruppe würden auf zusätzlichen Schutz verzichten.

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Zwischen Absicht und tatsächlichem Schutz liegt bei den Jüngsten eine deutliche Lücke. Nur 56 Prozent der 18- bis 25-Jährigen haben eine Privathaftpflichtversicherung. Nur rund jeder Fünfte besitzt eine private Renten- oder Kapitallebensversicherung. Für das Alter gut abgesichert fühlen sich 26 Prozent, in den älteren Gruppen sind es 39 bis 52 Prozent.

Altersvorsorge: große Sorge, wenig Verzicht

Die Diskrepanz setzt sich bei der Altersvorsorge fort. 90 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, private Vorsorge werde künftig wichtiger, um Altersarmut zu vermeiden. 40 Prozent geben zugleich an, das Thema eher vor sich herzuschieben.

Eine zweite Befragung von 787 Menschen zwischen 25 und 60 Jahren im Juni zeigt die Sorgen genauer. 70 Prozent haben große oder sehr große Angst, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können (Vorjahr: 72 Prozent). Bei Frauen sind es 78 Prozent, bei Haushalten mit weniger als 2.000 Euro Nettoeinkommen 88 Prozent. Für die Vorsorge beim Konsum oder Urlaub zu sparen, sind jedoch nur 42 Prozent bereit, genauso viele wie im Vorjahr.

66 Prozent sorgen mit Aktien, ETFs oder Fonds vor

Deutlich verändert hat sich der Blick auf Kapitalmarktprodukte. 66 Prozent halten Aktien, ETFs oder Fonds für geeignet zur Altersvorsorge, im Vorjahr waren es 57 Prozent. Damit überholen sie die private Rentenversicherung (63 Prozent, unverändert). An der Spitze bleiben Immobilien mit 80 Prozent. 

Über den Arbeitgeber sorgen 37 Prozent der Berufstätigen per betrieblicher Altersvorsorge (bAV) vor. Andere Angebote sind deutlich seltener: Eine betriebliche Unfallversicherung haben 13 Prozent, eine betriebliche Krankenversicherung 11 Prozent, eine betriebliche BU 8 Prozent. Je nach Produkt wissen 14 bis 23 Prozent nicht, ob ihr Arbeitgeber so etwas überhaupt anbietet.

KI: Skepsis überwiegt, Jüngere offener

Bei Versicherungsentscheidungen vertrauen die meisten Befragten nicht auf künstliche Intelligenz. 72 Prozent halten KI-Tools oder Chatbots nicht für eine vertrauenswürdige Unterstützung hierfür, 44 Prozent haben überhaupt kein Vertrauen. Der Altersunterschied ist deutlich: Unter den 18- bis 25-Jährigen vertrauen 42 Prozent der KI, bei den über 70-Jährigen sind es 20 Prozent.

Wer einen festen Berater hat, ist zurückhaltender. In dieser Gruppe ist rund ein Viertel offen für KI, ohne persönliche Beratung sind es 33 Prozent. Wie die Befragten KI tatsächlich nutzen, wurde nicht erhoben.

Beratung und Bestand hängen zusammen

68 Prozent der Befragten haben einen festen Ansprechpartner für Versicherungsfragen, meist den Vertreter eines Versicherers. Diese Gruppe besitzt laut Studie im Schnitt etwa zwei Policen mehr als Befragte ohne Berater. Ein Altersvorsorgeprodukt haben 53 Prozent der Beratenen, aber nur 34 Prozent der Unberatenen. Bei der BU sind es 24 gegenüber 14 Prozent.

Die Continentale folgert daraus, dass Beratung einen Mehrwert bietet. Ob Beratung jedoch den größeren Versicherungsbestand verursacht oder ob sich umfassend Versicherte eher einen Berater suchen, lässt die Befragung offen.