Guido vom Schemm, Geschäftsführer bei GVS Financial Solutions in Dreieich

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Gut verzinst

Hybridanleihen als Anlagealternative

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Die EZB hat mit den letzten Entscheidungen ihren Handlungswillen und damit das Fortbestehen des Niedrigzinsniveaus untermauert. Die Suche nach gut verzinsten Anlagealternativen im Anleihesektor geht weiter und schnell stößt man bei der Suche auf Hybridanleihen.

Denn wegen ihres Eigenkapitalcharakters, der nachrangigen Stellung der Gläubiger und der theoretisch unendlichen Laufzeit erhalten Anlegern höhere Zinsen als bei herkömmlichen Schuldtiteln.

Infolge nicht nur der anhaltenden Niedrigzinsen, sondern auch der verbesserten Schuldentragfähigkeit vieler Unternehmen, sind die Zinsaufschläge zusammengeschrumpft.

Die angstgetriebene Fehlbewertung seit der Finanzkrise hat sich nahezu vollständig aufgelöst und es stellt sich die Frage, ob und wann es sich noch lohnt, für einen Zinsaufschlag Risiken für Schulden mit Eigenkapitalcharakter anzukaufen.

So rentiert beispielsweise eine siebenjährige VW-Hybridanleihe unter Zugrundelegung der ersten Kündigungsmöglichkeit mit etwa 3 Prozent. Das ist doppelt so viel, wie die erstrangige Anleihe des Konzerns und genug, um die aktuelle Inflation zu schlagen.

Da aber weder Zins- noch Rückzahlung garantiert sind, ist unter Risiko- und Ertragsgesichtspunkten für wachstumsorientierte Anleger die Investition in echtes Eigenkapital langfristig attraktiver.

Die Dividendenrendite der Vorzugsaktien liegt mit 2,5 Prozent nur geringfügig unter der Rendite der Hybridanleihe und Aktionäre werden zusätzlich über Dividendensteigerungen und Kursgewinne am Unternehmenserfolg beteiligt.

Ausgestaltungsmöglichkeiten von Hybridanleihen

Aufgrund ihres Anleihencharakters sind Hybridanleihen jedoch weniger volatil als Aktien und daher zur weniger schwankungsintensiven Renditeaufbesserung in einem Anleihedepot nach wie vor geeignet.

Doch die individuellen Ausgestaltungsmöglichkeiten von Hybridanleihen sind vielfältig und machen den Vergleich und die Auswahl geeigneter Papiere für Laien zur Herausforderung. Gemein haben die Papiere lediglich eine sehr lange oder sogar unendliche Laufzeit. Diese ist in der Regel mit Kündigungsoptionen für den Emittenten hinterlegt.

Die Zinsgestaltung reicht vom Festzinssatz über variable Kupons mit Aufschlag zum Marktzins und Kupons, die sich aus Zinsdifferenzen berechnen. Dabei kann der individuelle Kündigungs- oder Zinsanpassungstermin maßgeblich für Kursentwicklung und Rendite sein.

Schuldner können außerdem Zinszahlungen unter bestimmten Bedingungen aufschieben oder ganz ausfallen lassen, auch ist im Verlustfall die Abschreibung auf den Nennwert oder die Umwandlung in Aktien möglich.

Es gilt also eine Menge Kleingedrucktes zu lesen, bevor eine sinnvolle Investitionsentscheidung getroffen werden kann. Doch gerade in der geringen Standardisierung liegt die Chance für Investoren.

Zum einen ist es möglich, die Anlagestrategie am aktuellen Niedrigzinsumfeld und möglichen Veränderungen des Zinsniveaus auszurichten. Zum anderen können sich insbesondere in ineffizienten Märkten Chancen durch Fehleinschätzungen der Marktteilnehmer ergeben.

Ein Negativbeispiel ist Südzucker. Bereits seit längerem hat der Konzern mit Problemen zu kämpfen, dennoch schrumpfte die Rendite bis April 2014 immer weiter bevor der Kurs einbrach.

Chancen lassen sich hingegen noch bei Banken ausmachen, deren Bilanzqualität und Finanzkraft sich im Zuge der neuen Eigenkapitalregeln weiter verbessern sollten. Nicht zuletzt dürfte sich die immer geringere Anrechnung auf das Eigenkapital bis 2019 positiv auf die Rückzahlungswahrscheinlichkeit zum Kündigungstermin auswirken.

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