Gute Argumente von 3 Anlageprofis Warum deutsche Aktien weiter ein Investment wert sind

Wie haben sich deutsche Aktien in der Corona-Krise geschlagen – und ist Deutschland angesichts so blühender Konkurrenzmärkte wie den USA oder China weiterhin ein Investment wert?

Über diese Fragen diskutierten auf Einladung des Analysehauses Scope jüngst die drei Aktienprofis Henning Gebhardt (ehemals DWS und Berenberg), Matthias Born (Berenberg) und Christoph Berger (Allianz Global Investors).

Einig war man sich darin, dass es bei Weitem keinen Grund gibt, sich als Investor von Europa und speziell dem deutschen Markt fernzuhalten. Trotz des Markteinbruchs von Februar und März 2020 habe das laufende Jahr mit der anschließenden Erholungsrally insgesamt ein „zufriedenstellendes Zwischenergebnis“ beschert, findet Christoph Berger, Leiter des Teams Deutsche Aktien bei Allianz GI.

Speziell der Dax habe dabei von einer günstigen Sektoren-Verteilung profitiert: „In der Krise haben europaweit Energie und Banken am schlechtesten abgeschnitten“, resümiert Berger. Diese Sektoren seien in den 30 Dax-Titel jedoch vergleichsweise schwach vertreten. „Top-Gewichte im Dax sind vor allem Qualitätsunternehmen mit sehr defensiven Profilen“, so Berger. Beispiele seien der Software-Spezialist SAP und der Industriezulieferer Linde.

Es lohne sich hierzulande jedoch auch, jenseits des Dax auf die mittleren Werte zu schauen, empfiehlt Matthias Born, Investmentchef Aktien bei der Hamburger Berenberg Bank. Seine Begründung: „Das Wachstum im Large-Cap-Sektor ist begrenzter als bei kleineren Firmen.“ Interessante Wachstumswerte findet der Investmentprofi nicht allein bei Tech-Titeln, sondern auch in den Sektoren Industriegüter, Chemie und Konsum. Borns Tipp: Je kleiner das Investment-Universum, desto mehr sollten Anleger die Nebenwerte in den Blick nehmen.

Auch das Thema Nachhaltigkeit und hier speziell das Problem der Governance nahmen die drei Anlageprofis in den Blick. Angesprochen auf die umfangreichen Verfehlungen beim Wirecard-Konzern meint Henning Gebhardt: Einen Eindruck über das Gebaren von Unternehmen – ob etwa ein Aufsichtsrat unabhängig agiere oder ob ein Prüfungsausschuss vorhanden sei, lasse sich noch relativ leicht aus dem Geschäftsbericht eines Unternehmens ermitteln. Der ehemals für die DWS und Berenberg tätige Anlageprofi gibt allerdings zu bedenken: „Die Geschäftsmodelle werden heute zunehmend komplexer.“ Alle Facetten der Unternehmenstätigkeit aus dem sprichwörtlich Kleingedruckten herauszulesen, stelle auch für Fondsmanager eine wachsende Herausforderung dar.

Sehen Sie das Gespräch in voller Länge (56 Minuten) im Video.

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