Gute Banken, schlechte Banken

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(Quelle: DAS INVESTMENT) Der Schuster war nicht bei seinem Leisten geblieben. Anders ist es schwer zu erklären, dass sich die Deutsche Industriebank (IKB) von ihrem Kerngeschäft mit Mittelstandskrediten entfernt hatte und über eine Konzerntochter mit minderwertigen US-Baukrediten, den Subprime-Krediten, handelte. Die Quittung: Das Institut musste im Sommer rund eine Milliarde Euro abschreiben und mit einer Finanzspritze von über 8 Milliarden Euro am Leben gehalten werden. Das Institut rechnet mit einem Konzernverlust für 2007 von 700 Millionen Euro und steht inzwischen zum Verkauf.

Auch andere deutsche Banken schrieben Millionen-Beträge wegen Subprime-Anlagen ab; einige erlitten wie die IKB im dritten Quartal Verluste. Anleger wurden nervös und ließen die Aktienkurse einbrechen. Die Aktie der Deutschen Bank verlor in der zweiten Jahreshälfte 2007 bis Mitte Dezember rund 18 Prozent, das Commerzbank-Papier sogar über 26 Prozent. Der Leitindex für deutsche Aktien, der Dax, hingegen legte in derselben Zeit sogar einige Prozentpunkte zu und kratzte im Dezember 2007 erneut an seinem Schlusskurs-Allzeithoch von  8.105 Punkten.

Das zeigt einerseits, wie groß die Angst ist, dass die deutschen Banken noch einige Subprime-Leichen im Keller liegen haben könnten. Andererseits wird deutlich, welches Erholungspotenzial die deutschen Finanztitel haben, wenn die Subprime-Sache ausgestanden sein sollte. William De Vijlder, Investment-Chef bei der Fondsgesellschaft Fortis Investments, zählt Finanzaktien zu den großen Kandidaten für ein Comeback. Chefvolkswirt Carsten Klude von M.M. Warburg & Co. bleibt dagegen vorsichtig: „Zwar sind Banken und Versicherungstitel schon jetzt augenscheinlich günstig bewertet, doch sind die Unsicherheiten hinsichtlich drohender weiterer Abschreibungen zu groß, um jetzt in diese Titel zu investieren.“ Die meisten Analysten teilen Kludes Meinung. Keine schlechte Ausgangsposition für Mutige, denn sobald das große Umdenken einsetzt, ziehen die Kurse an.

Die Aktienkurse der restlichen Mitglieder des Dax sind schon stark gelaufen. Von Jahresanfang 2007 bis Mitte Dezember legte der Dax um knapp 20 Prozent zu. Dazu stiegen auch die Unternehmensgewinne – außer denen der Banken – im Schnitt um zweistellige Prozentsätze an. Für das Jahr 2008 erwarten Aktienanalysten einen Zuwachs von weiteren 13 Prozent. Das würde ein Dax-Plus von ebenfalls 13 Prozent bringen, wenn die Aktienbewertungen gleich blieben. Und die sind im historischen Vergleich noch immer sehr niedrig.

Probleme lauern jedoch anderswo: Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2007 um 2,4 Prozent und 2008 nur noch um 2 Prozent wächst. 2006 lag die Wachstumsrate noch bei 2,9 Prozent. Bei der Deka Bank rechnet man sogar nur noch mit 1,7 Prozent für 2008. Eine schwächere Konjunktur könnte wiederum Umsatzprobleme bei den Unternehmen verursachen und die Gewinne drücken. Diese schlechten Nachrichten würden dann zu Turbulenzen an den Aktienmärkten führen. Ein Szenario, das viele Marktbeobachter für wahrscheinlich halten.