Gute Nachricht von Martin Hüfner „Anleger haben Chance auf eine Jahresend-Rally in Deutschland“

Die Konjunktur in Deutschland hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als erwartet abgeschwächt. Die annualisierte Wachstumsrate verringerte sich von über 4 Prozent Anfang 2017 auf zuletzt geschätzt kaum mehr als Null (siehe Grafik unten). Fast jedes Quartal nahm die Dynamik ab. Wenn sich das so fortsetzen würde, hätten wir nächstes Jahr eine Rezession. Müssen wir uns darauf einstellen?

Nein, mit dem Abschwung ist es in Deutschland jetzt erst einmal vorbei. Es geht wieder aufwärts. Die Entwicklung vollzieht sich allerdings nicht gradlinig, sondern unter großen Schwankungen. Es mutet fast wie eine Achterbahn an. Nachdem es zuerst kräftig nach unten gegangen ist, geht es jetzt ebenso stark nach oben.

Martin Hüfner, Assenagon Asset Management

Im Laufe des kommenden Jahres normalisiert sich die Dynamik und die Zuwachsrate verlangsamt sich wieder. Insgesamt wird das Wachstum 2019 etwas, aber nicht viel höher sein als 2018. Die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute gehen in ihrer Gemeinschaftsprognose von einer Zunahme des realen BIPs im kommenden Jahr von 1,9 Prozent aus (2018: 1,7 Prozent). Das erscheint nicht unrealistisch.

Stillstand beim Wachstum

Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Der „Turning Point“, von dem an es wieder nach oben geht, dürfte Ende September gewesen sein. Das dritte Quartal 2018 dürfte eines der schlechtesten der letzten Zeit gewesen sein. Das Wachstum ist vermutlich völlig zum Stillstand gekommen.

Das lag vor allem an der Automobilindustrie. Sie wurde durch die Einführung des WLTP-Zulassungsverfahrens zum 1. September besonders belastet. Es kam zu zeitweiligen Produktions- und Lieferstopps. Manch einer erinnert sich an Fotos mit Massen von Autos auf der grünen Wiese, die auf Abholung warteten.

Wirkung wie Abwrackprämie

Im vierten Quartal wird sich das ändern. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum wird dramatisch nach oben gehen. Ursache ist wieder die Autoindustrie, die jetzt von den „Diesel-Beschlüssen“ der Regierung profitiert. Die Prämien für die Rückgabe von alten Diesel-Pkws wirken – nach derzeitiger Beschlusslage der Regierung – wie eine Abwrackprämie.

Achterbahn der Konjunktur

Reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschland Quelle: Gemeinschaftsgutachten; Grafik: Assenagon

Sie erhöhen den Absatz an Neufahrzeugen und sind damit eine Art Konjunkturprogramm für die Unternehmen. Die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland rechnen mit einem Wachstum des realen BIPs im vierten Quartal von annualisiert 2,5 Prozent. Wenn es aus Angst vor Zöllen zu vorgezogenen vermehrten Ausfuhren in die USA kommen sollte, könnte der Zuwachs sogar noch höher ausfallen.

Das hohe Wachstum geht Anfang des neuen Jahres weiter, dann aber aus einem anderen Grund. Dann kommen nämlich all die finanzpolitischen Wohltaten zum Tragen, die die große Koalition beschlossen hat. Das sind unter anderem die Erweiterung der Mütterrente, die Senkung des Beitrages zur Arbeitslosenversicherung, die Anhebung des Grundfreibetrages bei der Einkommensteuer und die Erhöhung des Kindergeldes. Auch die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung entlastet die Arbeitnehmer.