GVS-Geschäftsführer Guido vom Schemm Warum Anleger ihr Geld in Russland verdoppeln können

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Der Ausbau der Goldreserven dient ebenfalls als perfektes Schutzmittel gegen Sanktionen, weil Washington Gold-Transaktionen nicht einfrieren lassen kann. Das zeigt das Beispiel Iran. Selbst bei schärfsten Strafmaßnahmen handelte Teheran weiter mit Öl, das unter anderem mit Gold bezahlt wurde. Russland begann mit den massiven Goldkäufen bereits 2014, nach der Verhängung der ersten Sanktionen seitens der USA und der EU.

Im Sommer 2018 verkaufte die Zentralbank zudem fast alle US-Staatsanleihen, wobei sie auf die niedrigste Menge seit elf Jahren reduziert wurden. Nach Angaben des US-Finanzministeriums hatte Russland im März dieses Jahres US-Anleihen im Wert von 96 Milliarden Dollar. Im Sommer waren es nur noch 14,9 Mrd. Dieses Vorgehen der russischen Zentralbank ist logisch und einfach zu erklären.

Frischer Ostrückenwind durch die „neue Seidenstraße“

Wirtschaftlich haben die Russen ein Ass im Ärmel. Nämlich das Projekt One Belt, One Road – die neue Seidenstraße. China investiert 900 Milliarden Euro in dieses Projekt. Russland will politisch und wirtschaftlich davon profitieren und befürwortet das gigantische Vorhaben. Im Kern geht es dabei um den Ausbau und die Verbesserung von Transportwegen von China nach Europa und Afrika. Hauptsächlich sollen moderne Häfen, Straßen und Bahnstrecken entstehen, um Waren zwischen Europa und Asien schneller transportieren zu können.

Chinesische Firmen investieren vor allem in Sektoren in Russland, die besonders hohe Gewinne versprechen, vor allem Energie, Rohstoffe und Logistik. Zugleich wächst zudem der russisch-chinesische Handel stark. China hat vor einigen Jahren Deutschland als wichtigsten Handelspartner Russlands abgelöst. Die russische Wirtschaft kann diese neuen Finanzimpulse gut gebrauchen und bei Geschäften mit China dürfte es im Gegensatz zum Westen keinerlei Diskussionen zu Grundsatzfragen wie etwa den Menschenrechten geben. Auch in Sachen Rohstoffhandel wendet sich Russland immer mehr gen Osten.

Russische Aktien sind günstig

Die Rezession ist überwunden. Das Bruttoinlandsprodukt wächst mittlerweile wie bereits erwähnt mit 1,8 Prozent. Von der Bewertung her sind russische Aktien aber nach wie sehr attraktiv. Der russische Leitindex weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 5,5 auf. Zum Vergleich liegt der Dax bei 12 und der S&P 500 bei 15. Laienhaft glauben zahlreiche Investoren, dass der russische Index fast nur aus Öl und Gasfirmen besteht. Diese Annahme ist aber ein Trugschluss. Besonders Unternehmen anderer Branchen in Russland sind sehr interessant. Die russische Fluggesellschaft Aeroflot belohnt seine Aktionäre mit einer Dividende in Höhe von 8 Prozent.

Viele Gesellschaften zahlen zweistellige Dividendenrenditen und das auf dem operativen Gewinn. Zudem ist der russische Leitindex noch sehr weit von seinen alten Höchstständen entfernt. Für chancenorientierte Anleger mit einem Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren bietet die russische Börse nach wie Potential von über 100 Prozent, auch wenn der RTX seit 2016 knapp 75 Prozent zulegen konnte. Na dann: za zdarowje!

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