Manfred Piontke

Manfred Piontke

Halbjahresbilanz: „Am Jahresende sollte der Dax bei etwa 5.600 Punkten stehen“

//

Piontke gründete zusammen mit Martin Wirth die Vermögensverwaltung Frankfurt Performance Management AG (FPM). Der von den beiden Aktienanalysten verwaltete Stockpicker Germany All Cap Fonds hat seit Anfang des Jahres eine Performance von rund 19 Prozent erzielt. DAS INVESTMENT.com: Das halbe Börsenjahr ist um: Welche Bilanz würden Sie für den deutschen Aktienmarkt ziehen? Manfred Piontke: Auf den ersten Blick scheint nicht viel passiert zu sein, da der aktuelle Dax-Stand nahezu exakt auf Jahresanfangsniveau liegt. Der Dax ist in den letzten sechs Monaten zuerst von 4.600 auf 3.600 gefallen, um danach auf Spitzenwerte von bis zu 5.200 Punkten zu klettern. Die hohe Volatilität, besonders was die Kurse einzelner Aktien betrifft, zeigt, wie unsicher die Marktteilnehmer in ihren Bewertungen über Aktien sind. DAS INVESTMENT.com: Zum Beispiel? Piontke: Ein Extrembeispiel ist die Deutsche Bank-Aktie: Von 16 Euro Anfang Januar kletterte die Aktie innerhalb von 3 Monaten auf fast 50 Euro. Solche Schwankungen hat man nicht allzu oft. DAS INVESTMENT.com: Das hört sich nicht gerade nach einem anlegerfreundlichen Marktumfeld an. Piontke: Ganz im Gegenteil: Als Analyst fühle ich mich in einem solchen Umfeld sehr wohl. Es ist spannend, anhand von Fundamentaldaten herauszufinden, was zum Beispiel eine Deutsche Bank-Aktie tatsächlich wert ist. Guten Analysten eröffnen sich in einem volatilen Marktumfeld sehr gute Performancechancen. Aber natürlich sind derart hohe Volatilitäten auch nervenaufreibend. Schließlich kann man innerhalb eines Tages die gesamte Jahresperformance erwirtschaften oder aber auch vernichten. DAS INVESTMENT.com: Seit Jahresanfang hat Ihr Fonds als Bester innerhalb seiner Klasse abgeschnitten. Woran lag das? Piontke: An der richtigen Aktienauswahl. DAS INVESTMENT.com: Und genauer? Piontke: Wir lieben Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen. Wir suchen uns Firmen aus, die in ihrer Branche entweder Marktführer sind oder als Innovatoren gelten. Das verspricht eine überdurchschnittliche Rentabilität und eine gewisse Krisenfestigkeit. In Firmen mit zyklischen Komponenten wie beispielsweise Stahlunternehmen  investieren wir nur, wenn sie deutlich unterbewertet sind. So zählen neben den innovativen IT-Unternehmen Software AG und Wirecard AG auch die derzeit dramatisch unterbewerteten Aareal Bank und Deutsche Bank zu unseren Performancetreiber. DAS INVESTMENT.com: Wie lautet Ihre Prognose hinsichtlich des deutschen Aktienmarktes in der zweiten Jahreshälfte? Piontke: Es werden zwar keine Bäume in den Himmel wachsen. Aber die teilweise leicht verbesserten Konjunkturdaten lassen allmählich die Hoffnung auf eine Wende aufkeimen. Außerdem sind gute alternative Investmentmöglichkeiten zurzeit Mangelware. Das alles wird die großen Marktteilnehmer wie Versicherungen und Pensionsfonds wieder zurück an den Markt treiben. Derzeit ist das Handelsvolumen zwar noch recht gering; mit einer Stabilisierung der Rahmenbedingungen dürfte jedoch auch eine Zunahme des Handelsumsatzes einhergehen. DAS INVESTMENT.com: Und wie geht es mit dem Dax weiter? Piontke: Ich rechne mit einer Steigerung von 15 bis 20 Prozent. Am Jahresende sollte der Dax bei etwa 5.600 Punkten stehen.

Mehr zum Thema
Markus Zschaber: „Es ist alles aufgeweicht“ Frohes Neues: Dax auf Stand vom 1. Januar Schneller raus: Deutsche Börse baut Indizes mit Reißleine