Der Betrieb von Gebäuden ist laut Bundesumweltamt allein in Deutschland für 35 Prozent des Energieverbrauchs und 30 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Bundesregierung und Europäische Union wollen mit verschiedenen Maßnahmen gegensteuern. So hat das EU-Parlament kürzlich für eine Sanierungspflicht gestimmt. Wird der Plan umgesetzt, müssten alle Wohngebäude bis zum Jahr 2030 Energieeffizienzklasse E sowie bis 2033 Effizienzklasse D erreichen.

Viele Details sind noch offen, fest steht aber bereits: Kommen die Regeln, müssten viele Haus- und Wohnungseigentümer sanieren. In Deutschland könnten nach Schätzungen der Verbraucherzentralen 4,5 Millionen Häuser betroffen sein. Die Förderbank KfW rechnet damit, dass der klimaneutrale Umbau von Wohnimmobilien hierzulande 254 Milliarden Euro kosten könnte.

Stuttgart und Hamburg sind die Schlusslichter unter den Großstädten

In welchen Großstädten besonders viele Immobilien unter eine solche Sanierungspflicht fallen würden, hat das Maklerunternehmen Von Poll Immobilien analysiert. Datengrundlage waren die über die Immobilienfirma angebotenen Häuser und Wohnungen im ersten Quartal 2023. Das Ergebnis: Besonders viele Immobilien müssten in Stuttgart und Hamburg saniert werden. Schlecht schneidet zudem das Umland der Hansestadt ab: Dort würde eine Sanierungspflicht etwa 18 Prozent der Immobilien betreffen.

Zwischen den Städten und dem Umland gibt es teils erhebliche Unterschiede, zeigt die Analyse. So liegt Düsseldorf bei den Energieklassen der aktuellen Immobilienangebote auf Platz zwei. Das Umland erreicht dagegen nur den drittletzten Rang – dort stünden bei 11 Prozent der Wohnhäuser bis 2030 Sanierungen an. Auf den größten Anteil von Immobilien mit hoher Energieeffizienz kommt Leipzig mit knapp 97 Prozent. Im Umland sind es noch 91 Prozent.

Thema Energieffizienz verunsichert Käufer

Bei Kaufinteressenten sorgt das Thema Energieeffizienz für Unsicherheit, sagt Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter bei Von Poll Immobilien: „Die neuen Anforderungen und Sanierungspflichten bei Gebäuden beschäftigen die Kaufinteressenten zunehmend und verlängern die Vermittlung von Immobilien.“ Der Beratungsbedarf sei stark gestiegen, etwa zu Heizsystemen und Zuschüssen bei Sanierungen.

Energieausweise und Energiewerte von Bestandshäusern hätten Käufer in der Vergangenheit oft kaum interessiert, so Ritter. Das ändere sich nun. So würden Kaufinteressenten entsprechende Informationen als Argumente für Preisverhandlungen nutzen. „Gerade bei sanierungsbedürftigen Häusern mit großen Grundstücken in B- und C-Lagen fallen die Preise teilweise zwischen 10 Prozent und 30 Prozent“, sagt der Experte. Auch Banken schauten bei Energieausweisen nun genauer hin.

„Ältere Bestandsbauten mit einer geringen Energieeffizienz haben es zunehmend schwerer – vor allem wenn die Energiepolitik weiter anzieht“, so Ritter. Der Makler beobachte eine rückläufige Nachfrage in diesem Segment, auch weil die Kosten für Sanierungen wegen gestiegener Handwerkerpreise und Lieferkettenproblematiken schwer kalkulierbar seien: „Es gibt viele Unsicherheiten.“