Eigentlich sollte die wachstumsfreundliche Politik der Trump-Administration die Wirtschaft in den USA und weltweit stärken. Tut sie aber nicht, denn der US-Präsident schießt fleißig Eigentoren.
Man kann es drehen, wenden – und messen – wie man will: die wirtschaftliche Erholung und Expansion der USA nach der Krise war die schwächste aller Zeiten. Von Mitte 2009 bis 2016 – also unter der Präsidentschaft von Barack Obama – wuchs die Wirtschaft durchschnittlich nur um 2,2 Prozent pro Jahr. Dies nutzte der damalige Kandidat Donald Trump in seinem Wahlkampf, und seit dem Beginn seiner Amtszeit vor 16 Monaten war es von zentraler Bedeutung für seine Politik, dieses schwache Wachstum zu übertreffen.
Entsprechend der herrschenden Meinung unter Republikanern wendete die Regierung standardmäßige angebotsseitige, auf Expansion gerichtete Taktiken an, vor allem massive Steuersenkungen sowohl für Unternehmen als auch für Privathaushalte zusammen mit einem systematischen Deregulierungsprogramm über alle Bundesbehörden hinweg. Das Rezept war klar und wenig überraschend: Die Dynamik der US-Unternehmen freisetzen.
So überrascht es auch nicht, dass die USA – und bis zu einem gewissen Maße auch die Weltwirtschaft – positiv darauf reagierten. Seit 2017 liegt das US-BIP im Durchschnitt bei (annualisiert) fast 2,8 Prozent; kaum spektakulär, aber eine deutliche Verbesserung gegenüber der Expansion unter Obama. Dieser Aufwärtstrend dürfte jedoch im zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres seinen Höhepunkt erreicht haben, als das BIP bei 4,2 Prozent beziehungsweise 3,4 Prozent lag.
In den letzten beiden Quartalen hat sich das Wachstum verlangsamt, und wir erwarten, dass sich dieser Trend bis 2019 und 2020 fortsetzen wird. Aus unserer Sicht verlangsamt sich das Wachstum in den USA in Richtung langfristiges "Potenzial" – etwas im Bereich von 1,5 bis 2 Prozent. Ein Teil des Problems ist die eigene widersprüchliche Politik der Regierung.
Widersprüche in Trumps Politik
Erstens ist klar, dass die „Hardliner“-Position von Präsident Trump in den Handelsbeziehungen mit wichtigen US-Handelspartnern wie China, Mexiko, Kanada, Japan und der EU zu mehr Unsicherheit bei den Unternehmen und weniger Kapitalinvestitionen geführt hat, als es sonst der Fall gewesen wäre. Naturgemäß scheinen CEOs weniger bereit zu sein, Großprojekte zu finanzieren, wenn gleichzeitig die Unsicherheit über ihre Lieferketten und Preissetzungskraft wächst. Haben Investitionen Schiffbruch erlitten oder sind sie auf breiter Front eingebrochen? Nein, aber der jüngste Trend bei den privaten Investitionen außerhalb des Wohnungsbereichs ist im Vergleich zu den späten Obama-Jahren praktisch unverändert. Das ist, wenn man die massiven Steuererleichterungen, von denen US-Unternehmen ab 2018 profitierten, in Betracht zieht, zumindest ein überraschendes Ergebnis.
Ein weiteres Indiz für die Unsicherheit im Geschäft kommt von den CEOs, die trotz der fiskalischen Erleichterungen weiterhin die risikolose Strategie des Aktienrückkaufs fahren statt zu investieren.