Handelskonflikt Großes Potential bei deutschen und europäischen Aktien

Ernst Konrad, Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz, sieht eine Initialzündung für europäische Aktien | © Eyb & Wallwitz

Ernst Konrad, Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz, sieht eine Initialzündung für europäische Aktien Foto: Eyb & Wallwitz

„Während sich die Aufmerksamkeit auf die amerikanisch-chinesischen Verhandlungen konzentriert, sind die bislang gegen die Europäische Union verhängten Maßnahmen eher symbolischer Natur. Allerdings stehen Strafzölle auf Automobilexporte in Höhe von 25 Prozent im Raum, die die Wirtschaftsleistung innerhalb der EU um bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr vermindern könnten, das heißt um 0,2 Prozent“, sagt Ernst Konrad.

Für Deutschland könnte diese Belastung bei bis zu 0,6 Prozent liegen. „Bei einem erwarteten Wirtschaftswachstum von nicht einmal mehr als einem Prozent wäre ohne fiskalische Gegenmaßnahmen eine Rezession kaum zu vermeiden. Der Rückgang in den Exporterwartungen lässt jedenfalls nichts Gutes für die weitere konjunkturelle Entwicklung erwarten“, so der Investmentspezialist.

Nach zehn Jahren moderaten Aufschwungs zeigt auch die Weltkonjunktur deutliche Ermüdungserscheinungen. Der wieder stärker um sich greifende Protektionismus kommt gerade zur Unzeit. „Der Welthandel war im letzten Jahrzehnt einer der Wachstumstreiber. Verliert er seine Vorreiterrolle, werden auch die inländischen Nachfragekomponenten leiden. Selbst wenn die USA aus der ersten Runde des Handelskonflikts als Gewinner hervorgegangen sind, besteht die Gefahr, dass sie von den Verlierern – Asien und der EU – konjunkturell nach unten gezogen werden, zumal die positiven Effekte aus der Steuerreform, die für eine Verlängerung des Aufschwungs gesorgt haben, allmählich auslaufen“, erwartet Konrad.

Aber auch in den USA nehmen die positiven Gewinnrevisionen kontinuierlich ab, während sie sich in Europa von niedrigem Niveau allmählich wieder erholen. „Dies könnte die Initialzündung für europäische Aktien sein. Für Europa spricht auch ein technisches Argument: Europäische Aktienfonds leiden seit mittlerweile 50 Wochen unter Mittelabflüssen, was seit dem Ende der Finanzkrise nicht mehr vorgekommen ist. Viele Anleger haben Europa also bereits den Rücken gekehrt und scheiden als „forced seller“ aus. Laut Umfragen sind „Short-Positionen“ auf europäische Aktien außerdem die zurzeit weitaus populärste Strategie bei Hedgefonds. Deutsche und europäische Aktien haben deshalb für die nächsten Monate das größere Potential“, blickt der Fondsmanager voraus.

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