Mit der Ankündigung eines Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten am Wochenende des 26./27. Juli wurde ein drohender Handelskonflikt vorerst abgewendet. Die ursprünglich geplanten Strafzölle in Höhe von 30 Prozent auf EU-Warenimporte in die USA, die ab dem 1. August greifen sollten, sind damit vom Tisch. Stattdessen haben sich beide Seiten auf einen Zollsatz von 15 Prozent geeinigt, der bereits in der Vorwoche angedeutet wurde.
Auch wenn die Vereinbarung auf hoher politischer Ebene geschlossen wurde, bleibt sie inhaltlich recht vage. Präsident Trump zeigte sich zufrieden, und die EU-Verhandler verfolgten offenbar einen pragmatischen Ansatz: Lieber eine Einigung mit moderaten Zollsätzen in Reichweite des bisherigen Niveaus, als auf ein besseres Ergebnis zu hoffen oder gar einen offenen Zollkonflikt zu riskieren – wie es im Frühjahr zwischen den USA und China der Fall war.
Für Europa ist das Ergebnis zwar keine durchschlagende Erfolgsmeldung, aber dennoch ein klarer Schritt in die richtige Richtung – im Sinne von „es hätte schlimmer kommen können“. Denn im klassischen Sinne soll ein Handelsabkommen beiden Seiten Vorteile durch mehr Freihandel bringen. In diesem Fall handelt es sich jedoch eher um einen groben Rahmen für künftige Zollsätze, mit wenigen konkreten Details und ohne verbindliche rechtliche Absicherung.
Zoll-Einigung bringt Klarheit – Märkte atmen auf
Die positive Reaktion an den Finanzmärkten erklärt sich vor allem durch die Entspannung nach einer Phase großer Unsicherheit. Angesichts der teils drastischen Zolldrohungen von Präsident Trump war unklar, in welchem Umfang der transatlantische Handel betroffen sein würde. Nun herrscht zumindest etwas mehr Klarheit über das künftige Zollniveau – und das wird an den Märkten als Fortschritt gewertet.
Positiv zu bewerten ist, dass dieses Abkommen nach der langen Phase großer Unsicherheit seit dem Amtsantritt von Präsident Trump nun zumindest Klarheit darüber schafft, welche Zölle in Kraft bleiben. Die vereinbarten 15 Prozent Einfuhrabgabe auf Waren aus der EU stellen im Grunde eine Fortsetzung des seit April bestehenden Zollregimes dar – ein zusätzlicher Basistarif von 10 Prozent kommt zu den ohnehin geltenden rund 5 Prozent hinzu.
Die Festschreibung dieses „Status quo“ gibt Unternehmen nun eine verlässlichere Planungsgrundlage. Sie wissen besser, in welchem Umfang und für welchen Zeitraum sie mit Handelsabgaben rechnen müssen. Die zentrale Frage bleibt jedoch: Wer trägt letztlich die Kosten? Werden die Zölle an die Endverbraucher weitergegeben – etwa durch höhere Preise – oder werden Importeure und Hersteller die Belastung über geringere Margen selbst schultern müssen? Wahrscheinlich hängt das stark vom jeweiligen Produkt und der Marktmacht des Unternehmens ab. Wer über Preissetzungsmacht verfügt, wird tendenziell besser durch diese Phase kommen.
Europa gewinnt Zeit, nicht Sicherheit
Doch das Thema dürfte uns weiter begleiten: Es ist zu erwarten, dass der US-Präsident künftig erneut mit Zöllen droht oder sie tatsächlich verhängt. Zudem stehen die Untersuchungen nach Section 232 noch aus – also die Prüfung, ob bestimmte Einfuhren eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellen. Auch das juristische Verfahren zur Rechtmäßigkeit der aktuellen Zölle ist noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Monaten werden sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen vermutlich nach und nach zeigen.
Trotz dieser offenen Punkte wird das Abkommen an den Märkten überwiegend als gutes Signal gewertet. Nachdem sich die USA mit den meisten ihrer großen Handelspartner auf ähnliche Vereinbarungen verständigt haben, kehrt wieder etwas Ruhe ein. Die Finanzmärkte scheinen bereit zu sein, über das politische Grundrauschen hinwegzusehen und auf die Annahme zu setzen, dass die wirtschaftlichen Schäden durch die bestehenden Zölle begrenzt bleiben.
Für Europa bedeutet die Einigung ein Stück Planungssicherheit – und sie dürfte kaum nennenswerte negative Effekte entfalten. Denn gleichzeitig stehen fiskalische Impulse aus Deutschland bevor, ebenso wie höhere Verteidigungsausgaben in mehreren Mitgliedsstaaten. Beides dürfte das Wirtschaftswachstum in der EU stützen – mit der Aussicht, dass sich das mittelfristig auch in steigenden Unternehmensgewinnen niederschlägt.
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