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Eine Schiffsladung mit Sojabohnen wird im Hafen von Nantong in der chinesischen Provinz Jiangsu gelöscht. Die Importe von Sojabohnen aus den USA, einst Chinas größtem Lieferanten, sind seit Beginn des Handelsstreits massiv gesunken. | © Getty Images

Handelsstreit Der Kampf um die wirtschaftliche Spitzenposition

Frank Ulbricht, Vorstand der Bank für Vermögen

China arbeitet darauf hin, zukünftig in zehn Bereichen mit Unternehmen vertreten sein, die zu den Weltmarktführern zählen. Dazu gehören beispielwiese Branchen wie Informations- und Kommunikationstechnologie, Robotik, Biomedizin, Elektrizitätswirtschaft, Elektromobilität, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Maschinen für die Landwirtschaft. Das stößt bei Amerikanern und Europäern auf Widerstand. Denn zu den Weltmarktführern zählen heute Unternehmen aus den USA und Europa. Aus Sicht der USA kommt hinzu, dass es große Handelsdefizite gegenüber Europa und China aufweist, die US-Präsident Trump, der sich im Wahlkampf befindet, als hinderlich für mehr US-Wirtschaftswachstum und eine noch bessere Lage am US-Arbeitsmarkt empfindet.

Trump hat im März 2018 entschieden, die Vormachtstellung der USA mit einem sog. Handelskrieg („Trade War“) zu festigen und zu erweitern. Er ist der Überzeugung, dass der Handelskrieg für die USA „easy to win“ – leicht zu gewinnen – sei. Neben China und Europa hat er im weiteren Verlauf Mexico, Kanada, Japan, Indien und weitere Staaten als Gegner identifiziert. Zölle und Handelsrestriktionen sollen die Importe von Produkten aus anderen Ländern in die USA bremsen und die heimischen Unternehmen schützen. Gleichzeitig zielt Trump darauf ab, die gegnerischen Länder dazu zu bringen, ihre Rahmenbedingungen so zu ändern, dass die USA mehr Waren dorthin exportieren können.

Trump erhöht den Druck auf die Fed

Bislang verfolgen alle Beteiligten im Handelskrieg die Strategie, neben bilateralen Verhandlungen und der Einschaltung der WTO als Vermittler und Schlichter wie in einem Ping-Pong-Spiel bestehende Zölle zu erhöhen oder neue Zölle einzuführen. Die Geschichte zeigt, dass solche Situationen durchaus in einer „Falle des Thukydides“ enden können – einer Ver- lust-Verlust-Situation. Schließlich sind die gegenseitigen Interdependenzen bei Produktion, Dienstleistungen und Handel in den letzten 30 Jahren enorm gestiegen. Vor diesem Hintergrund hat jede Nation „Schwachstellen“, aber auch ein „Waffenarsenal“, das sie im Trade War gegen die USA einsetzen kann.

Derweil nähern sich die US-Präsidentschaftswahlen. Käme Donald Trump, der Protagonist des Handelskriegs, zu dem Schluss, dass der Druck auf China deutlich erhöht werden müsse, falls es nicht die von ihm gewünschten Fortschritte geben sollte, mit denen er im Wahlkampf triumphieren kann, dann kann er z. B. das Finanzministerium anweisen, Dollars zu verkaufen und andere Währungen zu kaufen, um den Wert des Dollars zu drücken. Gleichzeitig dürfte Trump den Druck auf die Fed weiter erhöhen, um sie dazu zu bewegen, einen aggressiven Zinssenkungszyklus durchzuführen mit dem Ergebnis eines zusätzlichen Abwärtsdrucks auf den Dollar.

Global zunehmende Währungsschwankungen

Während Trump die Fed nur „drängen“ kann, untersteht Chinas Zentralbank direkt der Regierung. Sie sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, zuletzt den Wechselkurs der Heimatwährung gegenüber dem US-Dollar aktiv abgewertet zu haben, um China Vorteile beim Export zu sichern. Damit droht eine Ausweitung des Handelskonflikts um einen Währungskonflikt mit einer neuen Dimension. Andere Länder, etwa in Asien, könnten jetzt ebenfalls währungspolitisch aktiv werden. Dann würde durch letztlich global zunehmende Währungsschwankungen eine zusätzliche Belastung der Konjunktur entstehen.

Schließlich gibt es zu bedenken, dass die „Waffenarsenale“ auch damit noch lange nicht ausgeschöpft sind und eine weitere Eskalation die klassischen Rohstoffmärkte betreffen könnte.

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