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„Mondlandung verhalf den USA zu einem Vorsprung im Technologiebereich verholfen. Doch inzwischen haben die Amerikaner vergessen, groß und langfristig zu denken“ sagt Lars Skovgaard Andersen, Investmentstratege bei Danske Invest. | © Getty Images

Handelsstreit zwischen den USA und China Technologievorsprung entscheidet den Kampf der Titanen

Wenn Sie schon einmal ein Loch im Dach hatten und es in Ihr Wohnzimmer tropfte, dann wissen Sie auch, dass das Loch im Dach selten genau über der Stelle ist, an der Sie den Eimer aufstellen. Das Gleiche gilt für den Handelskrieg zwischen den USA und China. Ja, die Amerikaner hätten gerne, dass die Chinesen mehr US-Waren kaufen, genauso wie sie auch gerne einen leichteren Zugang zum chinesischen Markt hätten. Doch das eigentliche Loch im Dach ist die Angst davor, dass die Chinesen die globale Vorherrschaft in der IT-Branche übernehmen werden.

Mondlandung verhalf den USA zu einem Vorsprung

Im Laufe der Zeit ist die Welt von verschiedenen Zivilisationen dominiert worden, die über kurz oder lang von neuen Technologien profitiert haben, die ihnen einen Vorteil verliehen – und in den letzten 50 bis 60 Jahren hatten die Amerikaner die globale Vorherrschaft im Technologiebereich. Einer der Gründe ist das Großprojekt der Amerikaner, 1969 den ersten Menschen zum Mond zu schicken. Acht Jahre zuvor hatte Präsident John F. Kennedy erklärt, dass eine bemannte Mondlandung im Interesse der ganzen Nation wäre, eine Frage des Nationalstolzes im Wettrennen um die Eroberung des Weltalls mit der Sowjetunion. Deshalb erhielt die Vision massive finanzielle Unterstützung und führte zu einem großen Umdenken und zahlreichen Versuchen mit neuen Technologien. Eine der Technologien, die davon profitierte, war die Entwicklung von Halbleitern, die in elektronischen Geräten Verwendung finden. Zudem war das Projekt ein Katalysator für eine Reihe von Entwicklungen im High-Tech-Bereich, die für die technologische Überlegenheit der USA entscheidend waren, sowohl auf ziviler als auch auf militärischer Seite.

Heute denken die Chinesen in großen Dimensionen

Doch in den letzten Jahren haben die USA und die restliche westliche Welt vergessen, groß und langfristig zu denken. Es werden zwar immer noch schöne Visionen formuliert, doch ohne Kapital im Rücken sind das nur Worte, die im Vergleich zu China verblassen. Hier hat die Vision, in der IT-Branche künftig Weltmarktführer zu werden, sowohl wirtschaftlich als auch politisch massive Unterstützung erfahren – und genau hier finden wir das Loch im Dach. Die Amerikaner machen sich Sorgen, dass Chinas massive Investitionen ihnen den technologischen Spitzenplatz einbringen, was ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer neuen globalen Supermacht wäre.

Ein Punkt, bei dem China bereits jetzt den Rest der Welt hinter sich lässt, ist 5G. Diese Technologie kann durch die viel höhere Datengeschwindigkeit einen Quantensprung bei der Internetnutzung hervorrufen. Doch dies bedarf sehr hoher Investitionen, die im Westen Privatunternehmen überlassen werden, die es oft schwer haben, die nötige Rendite einzufahren. In China betrachtet die Regierung 5G mittlerweile als nationale Angelegenheit im Rahmen der Bestrebungen, Weltmarktführer im Technologiebereich zu werden. Deshalb geht die Einführung in China viel schneller und systematischer vonstatten.

Die Amerikaner hüten ihr goldenes Ei

Doch was können die USA tun, um zu vermeiden, dass die Chinesen die technologische Weltherrschaft übernehmen? Zunächst können sie verhindern, dass China Zugang zum amerikanischen goldenen Ei bekommt, dem Erbe ihrer Raumfahrt, den Halbleitern. Das ist eine Megaindustrie, die in den USA 250.000 Menschen beschäftigt und viele weitere Arbeitsplätze schafft. Man könnte vielleicht denken, dass die Chinesen mit ihrem Geld und ihrem Willen einfach ihre eigenen Halbleiter entwickeln können. Dazu sind sie auch fähig, aber nur bis zu einer gewissen Grenze. Was die komplexeren Produkte von Unternehmen wie beispielsweise Qualcomm anbelangt, sind die chinesischen Produkte weiterhin Jahre im Rückstand.

Dass amerikanische Halbleiter für die Chinesen wichtig sind, wurde deutlich, als das US-Handelsministerium 2018 den Verkauf von Halbleitern von Qualcomm an den chinesischen Telekommunikationsausrüster ZTE verbot. Hier musste ZTE die Produktion in seinen chinesischen Fabriken stoppen, bis Donald Trump grünes Licht für die Wiederaufnahme des Handels gab.

Und die Amerikaner tun alles, um ihren Vorsprung im Halbleiterbereich zu bewahren. 2018 zogen Donald Trump und die amerikanischen Behörden die Notbremse und stoppten die Akquisition von Qualcomm durch Broadcoms mit Sitz in Singapur. Außerdem verbot Donald Trump die Übernahme des kleineren Unternehmens Lattice, wo der Käufer enge Verbindungen zur chinesischen Regierung unterhielt.

Haarfeiner Balanceakt zwischen Krieg und Frieden

Aus Anlegersicht ist es immer gut zu wissen, was zwischen den Zeilen passiert. Das gilt auch für den Handelskrieg zwischen den USA und China. Es kann gut sein, dass sich der Handelskrieg um amerikanische Arbeitsplätze dreht, doch unserer Ansicht nach geht es dabei eher um den IT-Sektor als um die Stahlindustrie.

Die Beziehung zwischen den Amerikanern und den Chinesen ist unterdessen ein haarfeiner Balanceakt, weil die Chinesen nicht nur Konkurrenten sind, sondern auch zu den größten Kunden der amerikanischen IT-Unternehmen zählen. Die Chinesen wollen andererseits nicht vom Wohlwollen der Amerikaner in Bezug auf den Verkauf von Halbleitern abhängig sein.

Unserer Meinung nach wird in den kommenden Quartalen ein Handelsabkommen getroffen, doch wir wären nicht überrascht, wenn das Abkommen den IT-Sektor gar nicht oder nur teilweise beinhaltet. Bis zum Beweis des Gegenteils setzt sich die globale Digitalisierung jedoch mit unverminderter Stärke fort. Das kommt IT-Unternehmen generell zugute, egal ob sie sich in den USA, China oder Europa befinden. Deshalb gewichten wir in unseren Aktienportfolios den IT-Sektor weiterhin über, ob Handelskrieg oder nicht.

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