Hannes Zipfel, Solit Kapital

Hannes Zipfel, Solit Kapital

Hannes Zipfel: „Wir beobachten Engpässe bei allen gängigen Bullionmünzen“

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DAS INVESTMENT.com: War das noch eine Korrektur oder schon ein Crash?

Hannes Zipfel: Bei einem Rückgang von fast 13 Prozent bei Gold und knapp 17 Prozent bei Silber in nur zwei Tagen kann man durchaus von einem Crash sprechen.

DAS INVESTMENT.com: Manche wiegeln ab, das Ganze sei ja nur Papiergold. Stimmt das? Wo ist dann der wahre Goldpreis? Wirkt sich der Papierpreis nicht auch auf den realen Markt aus?

Zipfel: Auffällig ist, dass die Kursbewegung vom Terminmarkt ausgelöst wurde. Das zeigen sowohl die Zeitpunkte des Kursverfalls als auch das Handelsvolumen. Beim Gold wurden beispielsweise allein in New York an der Comex während dieser zwei Handelstage Terminkontrakte im Gegenwert von 2.336 Tonnen gehandelt. Das entspricht 82 Prozent der gesamten Welt-Jahresproduktion. Dies zeigt, dass es sich um ein reines Terminmarkt-Phänomen handelt, zumal die physische Nachfrage nach Barren und Münzen parallel zum Preiseinbruch weltweit förmlich explodierte. So stiegen die Absatzzahlen der größten Münzprägeanstalt der Welt, der US Mint, bereits am 16. April auf das absolut höchste April-Volumen seit der Datenerfassung ab 1982. Derzeit sind bereits Produktengpässe bei nahezu allen gängigen Bullionmünzen zu beobachten, beispielsweise beim Krügerrand oder beim Maple Leaf. In dem von uns betriebenen Goldsilbershop.de konnten wir in den letzten Handelstagen die stärksten Tagesabsätze seit Unternehmensgründung verzeichnen.

DAS INVESTMENT.com: Wie tief kann die Panik den Goldpreis nach unten treiben?

Zipfel: Zunächst einmal gibt es nur unter den Haltern von Derivaten Panik und eben nicht unter den Haltern von physischen Metallen. Legt man nun das offene Interesse am Terminmarkt zugrunde, dürfte es auf diesem Niveau um jegliches spekulatives Engagement bereinigt sein. Vielmehr ist es so, dass bei steigenden Kursen schnell diejenigen Spekulanten unter Druck geraten können, die auf fallende Kurse setzen. Zwar haben beide Metalle unter charttechnischen Aspekten noch etwas Luft nach unten – zu bedenken ist aber, dass auf diesen Preisniveaus das Fördern von Gold für einige Minen und speziell in Südafrika schon nicht mehr rentabel ist.

DAS INVESTMENT.com: Wie kann etwas ein sicherer Hafen sein, das derart stark im Wert schwankt?

Zipfel: Genau diese Frage wollte das an den Terminmärkten agierende Banken-Oligopol aufwerfen – das ist ihnen offenbar gelungen. Was hierbei aber offensichtlich nicht kalkuliert war, ist, dass ein künstlich niedrig gedrückter Preis sofort eine explosionsartig ansteigende Nachfrage nach physischem Metall hervorruft, bei gleichzeitig schwindendem Angebot. Dieses Phänomen ist in Anbetracht der unveränderten Zuspitzung der Euro- und Bankenkrise ja nur verständlich und entspricht der klassischen Lehre von Angebot, Nachfrage und Preis.

DAS INVESTMENT.com: Hand aufs Herz: Haben Sie so einen Rutsch für möglich gehalten?

Zipfel: Uns war immer klar, dass das Banken-Oligopol vor dem Einsetzen der eigentlichen Preisschübe bei Gold und Silber einen nochmaligen Ausverkauf provozieren könnte, um die eigene Fehlpositionierung auf der Short-Seite abzubauen und an spekulative Marktteilnehmer wie regelbasierte Handelssysteme oder Hedgefonds weiter zu reichen. Wann und in welcher Dynamik dies geschehen würde war nicht vorhersehbar. Die Wahl des Zeitpunktes lässt jedoch darauf schließen, dass Zypern – entgegen der öffentlichen Verlautbarungen – eben doch kein Non-Event gewesen ist.

DAS INVESTMENT.com: Sollt man nicht doch sein Geld in Aktien arbeiten lassen, anstatt es in einem toten Stück Gold aufzubewahren?

Zipfel: Kürzlich hat der IWF vor einer durch eine Überschuldung des europäischen Firmensektors hervorgerufenen, chronischen Finanzkrise gewarnt. Zudem darf auch die immer deutlicher werdende Konjunkturabschwächung als erhebliches Risiko für die Aktienmärkte auf den aktuellen Bewertungsniveaus nicht unterschätzt werden. Demgegenüber existieren bei einem physischen Gold- oder Silberinvestment weder ein Inflations- noch ein Schuldenrisiko.

DAS INVESTMENT.com: Manche Zungen sprechen von Manipulation. Wäre das möglich? Wenn ja, wie? Und wo wäre dann der Unterschied zu den Aktienmärkten?

Zipfel: Der Aktienmarkt ist aufgrund seiner Liquidität weniger anfällig für manipulative Eingriffe als die vergleichsweise sehr engen Edelmetallmärkte. Zudem besteht bei den Aktienmärkten im Gegensatz zu den Märkten für Edelmetalle ein breites Interesse an steigenden Notierungen, wegen der Vermögenseffekte. Steigende Goldnotierungen werden dagegen als unwillkommener Krisenindikator wahrgenommen.

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