Hermann Ebel

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Hansa-Treuhand-Chef Hermann Ebel: „Der Waffenschmuggel an Bord der ‚Hansa India’ hat keine Auswirkungen auf den Schiffsfonds“

Der Fall „Hansa India“ wird zumindest auf politischer Ebene heiß gekocht. Israel und die USA fordern von der Bundesregierung eine umfassende Aufklärung des Vorfalls. Großbritannien hat wegen verbotener Waffenlieferung ein Handelsverbot gegen den Charterer von „Hansa India“, die iranische Staatsreederei IRISL verhängt.

Hermann Ebel, Geschäftsführer von Hansa Treuhand, kann den Trubel nicht so recht nachvollziehen: IRISL ist für ihn eine Linie wie jede andere auch. Warum der Vorfall mit „Hansa India“ keine Folgen für den gleichnamigen Fonds haben wird und wie er zu der Überzeugung kommt, dass die iranische Staatsreederei nichts von der illegalen Ladung gewusst habe, erklärt er im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com.

DAS INVESTMENT.com: Durch den Munitionsschmuggel ist Hansa India, ein Schiff des gleichnamigen Fonds von Hansa Treuhand, nun in einen internationalen Skandal verwickelt. Welche Folgen wird der Vorfall für die Fondsinvestoren haben?

Hermann Ebel: Gar keine. Es passiert in der Branche doch alle paar Jahre, dass Ladung an Bord eines Schiffes ist, die gar nicht dorthin gehört. Bei Hansa Treuhand erlebe ich das bereits zum dritten Mal. Alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Transport illegaler Güter stehen, muss der Charterer tragen. Dem Fonds entstehen also keine monetären Ausfälle.

DAS INVESTMENT.com: Nun fordern die USA und Israel die Bundesregierung auf, aufzuklären, warum ein deutscher Frachter heimlich Munition aus dem Iran transportierte. Hat sich die Staatsanwaltschaft schon bei Ihnen gemeldet?

Ebel: Nein. Da wir keine Verantwortung für die Ladung tragen, haben wir mit der Staatsanwaltschaft nichts zu tun. Auch die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg konnte nachweisen, dass sie nichts von der illegalen Ladung wusste. Denn der Zeitchartervertrag mit der iranischen Staatsreederei Islamic Republic of Iran Shipping Lines (IRISL) verbietet dem Zeitcharter zwar, Ladung zu transportieren, die im Widerspruch zu UN-Resolutionen steht. Allerdings muss der Charterer laut Vertrag den Inhalt der zu transportierenden Container gegenüber Leonhardt & Blumberg nicht deklarieren.

DAS INVESTMENT.com: Die Verantwortung liegt also vor allem bei dem Charterer?

Ebel:  Ja. Allerdings gehe ich davon aus, dass auch IRISL selbst nichts von der illegalen Ladung gewusst hat.

DAS INVESTMENT.com: Ist das Ihr Ernst? Ebel: Ja. Schließlich wird die Ladung von dem Spediteur geliefert. Die Reederei transportiert sie nur von A nach B. Der Spediteur gibt den Inhalt der Container zwar an. Jedoch hat die Reederei keine Möglichkeit, in jeden einzelnen Container reinzuschauen, um die Angaben überprüfen zu können – sie muss dem Spediteur glauben. Die Munition war ja nicht in allen, sondern lediglich in acht Containern. Dabei hat CIA wohl sehr genaue Hinweise von dem israelischen Nachrichtendienst erhalten. Nach Aussagen der Crew wussten die Amerikaner nämlich ganz genau, in welchen Containern sie suchen mussten und wo diese standen.

DAS INVESTMENT.com: Auch wenn aufgrund des Chartervertrags keine monetäre Ausfälle zu erwarten sind: Befürchten Sie keine Image-Schäden durch den Vorfall?

Ebel: Nein. Wir sind für den Vorfall nicht verantwortlich und werden dafür auch von niemandem verantwortlich gemacht. Schließlich würde ja auch niemand die Leitung des Frankfurter Flughafens beschuldigen, wenn jemand dort einen gefährlich aussehenden Koffer abstellt, so dass das gesamte Gelände deswegen evakuiert werden muss.

DAS INVESTMENT.com: Bleibt der Chartervertrag mit IRISL bestehen?

Ebel: Ja, der Vertrag bleibt, wie vorgesehen, bis Ende 2010 in Kraft. Schließlich ist die iranische Staatsreederei eine Linie wie alle anderen auch. Üblicherweise hält sie sich an die Regeln: Es ist das erste Mal, dass es bei IRISL etwas in der Art passiert.

DAS INVESTMENT.com: Sehen Sie bei IRISL kein erhöhtes Risiko, dass sich der Vorfall nochmals wiederholt?

Ebel: Nein, überhaupt nicht. Ich habe auch schon bei europäischen Charterern erlebt, dass illegale Ladung an Bord war. Erst vor ein paar Jahren ist eine sehr große europäische Linie mit einer illegalen Waffenlieferung vor Westafrika gestoppt worden. Man darf auch nicht vergessen, dass IRISL eine Staatsreederei ist. Sie erzielt sehr gute Ergebnisse und hat eine hervorragende Zahlungsmoral, was man nicht von allen privaten Linien behaupten kann.

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