Makler und Branchenexperten lassen kein gutes Haar an der Hansemerkur
So schreibt Deutschlands wohl bekanntester Versicherungsblogger Tobias Bierl, der auch Experte bei DAS INVESTMENT ist: „Schlimm, wieder ein Bärendienst für die Branche. Anstatt eure Berichterstattung als kostenfreies Consulting zu sehen, möchte man euch mundtot machen. Aber das geht nach hinten los.“
Auch Klaus Herrmann, Makler und selbsternannter Versicherungsentertainer, stört sich an dem Vorgang. Er schreibt: „Das ist ein weiterer Fall der teilweise völlig veralteten Denkmuster innerhalb unserer Branche. Wer kritisiert, wird sanktioniert. Kritik heißt in erster Linie, dass man sich mit Inhalten auseinandersetzt. Dafür sollten die Unternehmen dankbar sein und hinhören. Stattdessen wird der Empörung durch Sanktionen Ausdruck verliehen (...).“
Blogger von Heymann kommentiert: „Ich fasse es nicht, dass so ein Verhalten eines Versicherers im 21. Jahrhundert immer noch möglich ist. Man sollte sofort zum kollektiven Boykott gegen die Hansemerkur aufrufen! Selbstverständlich ist Kritik nie angenehm und wenn sie in Teilen als ungerechtfertigt empfunden wird, kann man als Versicherer auch einfach mal in die Kommunikation eintreten und versuchen, Dinge klarzustellen.“
Ein weiterer Makler schreibt: „Starke Nummer! Aber nicht von der Hansemerkur. Über uns haben Sie hinter unseren Rücken auch schon schlecht gesprochen, weil wir trotz des großen MB-Köders keine PKV von ihnen vermittelt haben.“
Auch DAS INVESTMENT-Experte Florian D. Schulz geht hart mit den Hamburgern ins Gericht, dies betrifft aber mehr das Produktangebot in der PKV denn den Umgang mit Kritik. Er schreibt: „Wann lernt der Markt endlich, was die Hansemerkur für ein Laden ist, und dass billig final am teuersten ist. Es gibt keinen Versicherer, zu dem wir häufiger angefragt werden als die Hansemerkur. Es gibt keinen Versicherer, den wir seltener vermittelt haben.“
Auch alle weiteren Kommentatoren äußern sich in dem Post negativ über die Hansemerkur. Es fallen Begriffe wie „bodenlos“, „armselig“, „klassisches Eigentor“, „Merkur-Nostra“ oder „fragwürdiges Geschäftsgebaren“.
Harte Vorwürfe schon 2024
Es gibt zudem einen Fall aus der Vergangenheit, die aus Sicht der damals Beteiligten ähnlich gelagert ist wie der aktuelle und ein Muster im Verhalten der Hansemerkur im Umgang mit kritischen Vertriebspartnern deutlich macht. 2024 erhielt der Versicherungsmakler Marcus Knispel nach Veröffentlichung einer kritischen Analyse zum Hansemerkur-Tarif „KVS (Start Fit)“ nach seiner Darstellung zwei Anrufe von einem mutmaßlichen Hansemerkur-Mitarbeiter.
Im ersten Gespräch sei er aufgefordert worden, den Beitrag wegen angeblicher Unwahrheiten und drohender juristischer Konsequenzen zu löschen, was er zunächst auch tat, wie er DAS INVESTMENT gegenüber erzählt. Im zweiten Telefonat seien ihm Fragen zu seinen Kundenbeziehungen und Vertriebsanbindungen gestellt worden, woraufhin er das Gespräch abbrach. Nach Rücksprache mit Maklerkollege Sven Hennig stellte Knispel den Beitrag wieder online. Dieser ist bis heute auf LinkedIn unter seinem Profil abrufbar.
PKV-Blogger legt sich mit Hansemerkur an
Hennig ist der wohl bekannteste Blogger im Bereich der PKV in Deutschland. Er hat nach den aktuellen Vorgängen einem bestehenden Beitrag rund um die Hansemerkur ein Update verpasst. Der PKV-Spezialist fühlt sich erinnert an eigene Erfahrungen mit dem Versicherer im Februar 2024. Sie begannen mit den Geschehnissen rund um Knispel.
Zu dem geschilderten Telefonanruf vom „Hanse Merkur Vertriebsmanager Betrieb“ schreibt Hennig: „Herr R. F. forderte den Kollegen auf, den Beitrag bei LinkedIn zu löschen. Schließlich sei es diffamierend für die Hanse Merkur Krankenversicherung (...). Ich kann verstehen, dass bei einem so leistungsschwachen Tarif wie dem KVS, den man aber als guten Einstieg in die PKV-Tarifwelt verkaufen möchte, schlechte Berichterstattung eher kontraproduktiv ist. Aber vielleicht wäre es einfacher und für alle Kunden und Vertriebspartner sinnvoller, sich an die eigene Nase zu fassen und Lücken im Tarif zu schließen.“
Hennig kam in seiner Tarifbewertung zu einer ähnlich schlechten Einschätzung wie sein Maklerkollege. Er schickte der Pressestelle der Hansemerkur und Vertriebsvorstand Eric Bussert einen Fragenkatalog. Auf seiner Website veröffentlichte er die Mail-Antwort des Unternehmens. Darin ist von einem konstruktiven Austauschs mit Knispel die Rede, der die Zurücknahme seines Posts mitgeteilt habe.
Keine Fragen beantwortet
Hennig legte per Mail nach und fragte unter anderem: „Die Hansemerkur bestreitet also, dass es die Aussage des Mitarbeiters 'dieser Post ist diffamierend und wir werden Sie dann verklagen, wenn Sie den nicht löschen' gesagt hat?“ Der Blogger fragte unter anderem nach einem etwaigen Alleingang des Hansemerkur-Managers, der Rechtsgrundlage für die angebliche Löschungsaufforderung und Fällen aus der Vergangenheit, bei der es zur Kündigung der Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern gekommen sei.
Der Versicherer bestätigte in seiner zweiten Antwort ledigich erneut den fachlich, konstruktiven Austausch. Berechtigte Kritikpunkte begreife man als wertvollen Impuls. Hennig zog daraufhin ein vernichtendes Fazit: „Keine der Fragen wurde auch nur ansatzweise beantwortet. Mag sich jeder ein eigenes Bild machen und seine Konsequenzen daraus ziehen.“