Trägt ein Fonds den Zusatz „Value“ im Fondsnamen, so weiß man zumindest, welchen Anlagestil er verfolgt. Doch wenn der Fonds dann auch noch Hard Value Fund (ISIN: DE000A3D1ZP1) heißt, dann werden Anleger hellhöriger.
Der Portfoliomanager
Sein Name ist Patrick Grewe, und er ist ein erfahrener Portfoliomanager mit exzellentem Fachwissen. Nach seinem Studium im Bereich Corporate Finance begann er seine Laufbahn bei renommierten Vermögensverwaltern in Köln und Frankfurt. Dort fungierte er als Asset-Manager für verschiedene Strategien und verantwortete dabei den gesamten Anlageprozess mit, bis hin zum direkten Kundengespräch. Seit Auflage ist er als Asset-Manager und Strategieentwickler des Hard Value Fund für die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank tätig.
Die Idee
Die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank ist ein familiengeführtes Unternehmen mit einer über 45-jährigen Historie an der Frankfurter Wertpapierbörse. Eine value-fokussierte Anlagestrategie, die zur DNA der Bank passt, fehlte jedoch noch. So entstand schließlich im Jahr 2022 die Idee, einen Value-Fund aufzulegen. Der Hard Value Fund aus der hauseigenen Fondssparte van Grunsteyn verfolgt eine offene und konservative Strategie für finanzielle Nachhaltigkeit.
Die Ziele
Die Zielrendite liegt bei 6 bis 8 Prozent pro Jahr bei einer angestrebten jährlichen Volatilität in Höhe von 8 bis 12 Prozent. Derivate zur Portfolioabsicherung werden nicht eingesetzt, Fremdwährungen werden nicht abgesichert. Es wird bewusst auf keinen Sektor verzichtet. Dementsprechend gibt es auch keine Ausschlüsse, sodass der Fonds ein Artikel-6-Fonds ist. Das Ziel, das Portfolio mit relativ ruhiger Hand zu managen, wird seit Auflage umgesetzt; so befinden sich rund 65 Prozent der Positionen seit Auflage im Fonds.
Das Anlageuniversum
Dieses setzt sich zusammen aus rund 3.300 Dividendenwerten, aus verschiedenen Branchen und Regionen stammend, mit einer Marktkapitalisierung ab einer Milliarde Euro. Dividendenwerte bedeutet in dem Fall, dass es sich um Unternehmen handelt, die eine Dividende zahlen, gezahlt haben oder wieder zahlen werden. Unternehmen, die in der Vergangenheit keine Dividende ausgeschüttet haben und auch in Zukunft keine ausschütten werden, fallen von vorneherein raus.
Die Dividendenrendite wird in der Portfoliosteuerung abgebildet, da eine jährliche Ausschüttung in Höhe von 2 bis 4 Prozent angepeilt wird. Nicht jedes Unternehmen muss in dieser Spanne Dividende bezahlen, aber in Summe sollte die angestrebte Dividendenrendite als Durchschnittswert erreicht werden.
Der Investmentprozess
Schritt 1: quantitative und qualitative Analyse
Die Titel, die sich im Anlageuniversum befinden, durchlaufen eine quantitative und qualitative Analyse, die drei miteinander agierende Säulen zur Titelauswahl mit einbezieht. Hierbei werden fundamentale, charttechnische sowie geopolitische Faktoren berücksichtigt. Als Researchquellen dienen unter anderem Baha, Bloomberg und Marketscreener. Im ersten Schritt des Auswahlprozesses wird also das Anlageuniversum definiert.
Schritt 2: technische Analyse
Im zweiten Schritt erfolgt eine technische, auf Langfristigkeit ausgelegte Analyse der Titel. Hierbei werden unter anderem der Trend sowie die Volatilität unter die Lupe genommen. Das bedeutet, dass darauf geachtet wird, dass sich der Kurs einer Aktie im positiven Fall auf lange Sicht in einem positiven Trendkanal befindet und dabei gleichzeitig eine relativ niedrige Volatilität aufweist. Dies soll in Summe dem Portfolio eine gewisse Stabilität verleihen.
Schritt 3: Marktanalyse
Nun folgt eine Top-down-Sicht auf die Märkte. Analysiert werden hier geopolitische Situationen, verschiedene Aktien- und Bondmärkte aus der Vogelperspektive, die Verschuldungssituation diverser Länder, Edelmetallmärkte oder auch die Entwicklungen an der Zinsfront. Dann folgen außerdem Analysen unterschiedlicher Branchen: Wie ist es um die Auftragslage bestellt und welche Zukunftsaussichten bieten ausgewählte Sektoren? Wichtig ist im dritten Schritt, die Wechselwirkungen untereinander möglichst genau zu bestimmen.
Schritt 4: fundamentale Situation
Anhand von Fundamentaldaten eines Unternehmens soll der innere beziehungsweise faire Wert berechnet werden, und dieser wird dann mit dem verglichen, den der Markt widerspiegelt. Die Berechnung erfolgt anhand quantitativer und qualitativer Daten. Dazu zählen Gewinn, Umsatz, Cash Flow, Schuldenquote, KGV, KBV, Gewinn pro Aktie und so weiter, bei den quantitativen Kennzahlen sowie die Auftragslagen, Forschung & Entwicklung, Patente, Markenrechte, Absatzmärkte, Produktgruppen und so weiter bei den qualitativen Faktoren.
Schritt 5: Portfoliosteuerung
Darunter fallen wiederum drei Unterkategorien: Korrelationssteuerung, Dividendensteuerung und Beta-Steuerung. Bei der Steuerung der Korrelation geht es darum, durch entsprechende Gewichtungen von Sektoren, die sich unterschiedlich entwickeln und typischerweise keinen Gleichlauf aufweisen, die Schwankungsbreite und das Risiko des Portfolios insgesamt zu glätten. Bei der Dividendensteuerung kommt es darauf an, die angestrebte Dividendenrendite des Portfolios in Höhe von rund 4 Prozent zu erreichen. Und bei der Steuerung des Betas ist das Ziel, zum Gesamtmarkt einen Wert von unter eins zu erzielen.
Schritt 6: Aufnahme ins Portfolio
Und dann ist es soweit: Die Unternehmen, die es bis hierhin geschafft haben und die Anforderungen an ein potenzielles Investment erfüllen, können nun allokiert werden. Denn nach Durchlauf der aufwendigen Analysen wählt Grewe aus der Selektion diskretionär die seiner Meinung nach aussichtsreichsten Titel aus. Üblicherweise befinden sich zwischen 30 und 40 Unternehmen im Portfolio. „Weniger beziehungsweise mehr möchten wir nicht im Produkt haben, um einen klaren Mehrwert gegen den Markt zu bieten“, so der Portfoliomanager.
Nach welchen Kriterien richtet sich die Gewichtung? Grewe gewichtet die Positionen im ersten Schritt mit bis zu 1,5 Prozent und stockt das Unternehmen bis auf 3 Prozent auf, wenn es den Auswahlprozess nochmals erfolgreich durchlaufen hat. Eine höhere Anfangsposition als 3 Prozent ist nicht der Fall. Dennoch sind weitere Aufstockungen möglich, wenn die Position durch Mittelzuflüsse oder Performance des Fonds kleiner 3 Prozent wird. Größer als 3 Prozent werden aktiv keine Positionen aufgebaut. Größere Positionen als 3 Prozent sind nur durch Eigenentwicklung des Unternehmens möglich.
Das Risikomanagement
Das Risikomanagement bewertet jede veröffentlichte Unternehmensmeldung sowie die sich daraus ergebende Wertveränderung des Unternehmens. Diese Berechnung erfolgt jedes Mal, wenn eine neue Meldung zum Unternehmen veröffentlicht wird. „In der Berichtssaison liegen unsere Prognosen zu 87 Prozent in den Bewertungen des Marktes oder darüber“, so der Fondsmanager. Zur Risikosteuerung gehört auch das tägliche Auswerten aller Positionen und die tägliche Berechnung des Fair Values.
Keine Kursziele
Daher gibt es auch keine fixen Kursziele für jeden Titel, da die Kursziele im Rahmen der Fair-Value-Analyse laufend täglich angepasst werden. Sollte ein Unternehmen diesen Wert maßgeblich überschreiten, würde die Position verkauft werden. Diese Risikoparameter greifen ebenfalls, wenn sich die Unternehmensdaten deutlich verschlechtern. In diesem Fall wird ein Stopp-Loss zur Risikoabsicherung gesetzt und die Position verkauft, wenn sich die Kennzahlen nicht deutlich verbessern. Fremdwährungen werden nicht abgesichert.
Hohe Flexibilität
Grundsätzlich geht Grewe bei der Portfoliokonstruktion flexibel vor, lediglich auf Sektor-Ebene gibt es eine Beschränkung: Ein einzelner Sektor sollte nicht höher als 25 Prozent gewichtet werden, um zu vermeiden, einen bestimmten Bereich zu stark zu bespielen und somit eventuell die Stabilität des Portfolios zu gefährden. Ein Rebalancing der Positionen und die aktiv gesteuerte Kassenquote runden das Risikomanagement ab. Im letzten Monat lag die Kassequote zwischen 11 und 14 Prozent.
Was bedeutet Value?
Bekannte Namen wie Graham, Buffett, Lynch haben beziehungsweise hatten jeweils ihre ganz eigene Definition von „Value“. Wie beschreibt Patrick Grewe, was für ihn „Value“ im Zusammenhang mit dem Hard Value Fund bedeutet? „Value für den Hard Value Fund bedeutet, in solide und starke Unternehmen zu investieren, die aus ihrer Profitabilität weiterhin Werte erhalten und Werte schaffen können. Und dies unabhängig von Sektor und Branche genau dort, wo wir diese Unternehmen im globalen Aktienmarkt finden. Unser konservativer Value-Ansatz spiegelt Chancen wider, Unternehmen unter ihrem fairen Wert zu finden, und das immer im Hinblick auf das vorhandene Risiko.“
Das Portfolio per Ende August 2025
Per Ende August befanden sich Titel wie Kinross Gold und Newmont unter den größten Positionen, außerdem noch Saab, Rheinmetall sowie Rolls Royce. Nach der Goldrally der letzten Monate wuchs der Gold- und Goldmining-Sektor auf etwas mehr als 14 Prozent an und ist damit der zweitgrößte Sektor im Portfolio. Lediglich Luftfahrt & Verteidigung ist mit knapp 21 Prozent höher gewichtet. Die USA, Deutschland und Großbritannien sind in dieser Reihenfolge (absteigend) die drei Regionen, die im Portfolio am stärksten vertreten sind.
Fazit
Zunächst einmal scheint die Zeit gekommen, sich wieder mehr dem Value-Stil zu widmen. Der Hard Value Fund ist ein ausschüttender Value-Fonds, der zur Portfoliodiversifikation dient und sich als Value-Baustein für konservative und langfristig orientierte Investoren eignen kann.
Zum Zeitpunkt seiner Auflage war der Fonds übrigens der einzige aktive Value-Fonds in Deutschland, der Sektoren wie Defense nach einem Fair-Value-Ansatz bespielt und investiert. Anleger, die ihr Portfolio für die kommenden Jahre auf der Value-Seite qualitativ verstärken wollen, sollten sich die Strategie näher ansehen.
- Sektor: Aktienfonds All Cap Welt
- Auflegung: 19.01.2023
- Ertragsverwendung: ausschüttend
- Fondsgesellschaft: IP Concept (Luxemburg)
- ISIN: DE000A3D1ZP1
- Performance YTD: 24,22%
- Performance 1 Jahr: 29,57%
- Performance 3 Jahre: -
- Performance 5 Jahre: -
- Performance 10 Jahre: -
- Sharpe Ratio 1 Jahr: 2,12
- Sum. lfd. Kosten: 2,29%
- Volatilität 1 Jahr: 9,36%
- Volumen in Mio. EUR: 19,9
- Währung: EUR



