Harvard-Professor Kenneth Rogoff & Co. über den EZB-Entscheid

„Ein guter Anfang auf einem langen Weg”

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Mit einem Gesamtwert von 1,1 Billion Euro für mindestens anderthalb Jahre wurde das vom EZB-Präsidenten am Donnerstag vorgestellte Paket der quantitativen Lockerung von den Investoren begrüßt, obwohl gegenüber Kritikern Konzessionen gemacht wurden und es eine Reihe von Bedingungen gibt. Draghi hat zugesichert, weiter zu kaufen, bis eine “nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung” zu erkennen ist.

Der Euro gab nach und die Kurse von Aktien und Anleihen legten nach der lang ersehnten Einführung eines Stimulusprogramms zu, das Zentralbanken in den übrigen Industrieländern bereits vor Jahren eingeführt hatten. Draghi sagte, der Plan werde dazu beitragen, dass die Inflation wieder zum EZB-Zielwert zurückkehrt. Andererseits wurden auch die von Deutschland angeführten Bedenken berücksichtigt, die einen Großteil der Reaktion des Euroraums auf die Finanzkrise bestimmten.

“Es ist ein guter Anfang auf einem langen Weg”, sagte Kenneth Rogoff, Professor an der Harvard Universität. “Sie haben wohl eher die Markterwartungen übertroffen als verfehlt und das ist gut. Es ist klar, dass das Ende offen sein musste, um die Inflationserwartungen anzuheben.”

Investoren waren sich einig, dass das Programm erst einmal ausreiche, und eine Messgröße der Inflationserwartungen verzeichnete eine Rally. Der Stoxx Europe 600 Index kletterte um 1,7 Prozent und baute ein Sieben-Jahres-Hoch aus, die Renditen von Staatsanleihen von Deutschland bis Spanien sanken. Der Euro fiel bis auf ein 11-Jahres-Tief zum Dollar bei 1,1316 Dollar.


Die monatlichen Käufe von 60 Milliarden Euro bis September 2016 werden wohl etwa 45 Milliarden Euro an Staatsanleihen der Gütekategorie Investmentgrade, 5 Milliarden Euro an Anleihen von öffentlichen Euroraum-Institutionen und 10 Milliarden Euro unter bestehenden Programmen zum Kauf von forderungsbesicherten Wertpapieren und Covered Bonds umfassen, sagte ein Euroraum- Vertreter.

Berechnungen der EZB zeigten, dass das Programm die Inflation 2015 um 0,4 Prozentpunkte und 2016 um 0,3 Prozentpunkte erhöhen wird, sagte ein zweiter Euroraum- Vertreter, der wie der erste um Anonymität bat, weil die Einzelheiten vertraulich seien. Die Verbraucherpreise sind im Dezember mit einer Jahresrate von 0,2 Prozent gesunken, während das mittelfristige Inflationsziel der EZB bei knapp 2 Prozent liegt.

Diese Preiserwartungen signalisieren, dass das QE-Paket durch andere wachstumsfördernde Maßnahmen ergänzt werden muss. Draghi hat seit langem gesagt, die Euroraum-Regierungen müssten das EZB-Kaufprogramm mit Wirtschaftreformen zur Erhöhung von Produktivität, Arbeitsflexibilität und Investitionen ergänzen. Er wiederholte diese Forderung bei seiner QE-Ankündigung.

“Die EZB hat geliefert, hat es mit einer sehr expansiven Maßnahme vorangebracht”, sagte er gegenüber Journalisten in Frankfurt. “Aber nun sind die Regierungen an der Reihe.”

Er erhielt auch den Druck auf das ständige Sorgenkind der Euroraums aufrecht: Griechenland. Das Programm basiere auf der Bedingung, dass das Land nur von Anleihekäufen profitieren wird, wenn die neue Regierung, die am 25. Januar vom Volk gewählt wird, den vereinbarten Reformkurs fortsetzt.

“Draghi ist sich nur zu sehr bewusst, dass, was auch immer die EZB auf der geldpolitischen Seite tut, um ihr Mandat zu erfüllen, sie nicht erfolgreich sein wird, wenn die Regierungen nicht ihren Teil beitragen”, sagte Janet Henry, Chef-Europa- Ökonomin bei HSBC Holdings Plc in London. “Die Fiskalpolitik muss nach wie vor die Gesamtnachfrage anschieben, um einen weiteren Rückgang der Inflation zu verhindern.”

Die EZB ist an diesem Punkt angelangt - der Gefahr einer deflationären Konjunkturflaute wie in Japan - obwohl die Maßnahmen in den vergangenen fünf Jahren der Schuldenkrise sich darauf konzentrierten, einen Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung zu verhindern und die Konjunktur wieder anzukurbeln. Die Notenbank hat dafür auf Zinssenkungen, langfristige Kredite, Käufe von Verbriefungen und eine Säuberung des Bankensystems zurückgegriffen.