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LBBW-Analyst meint Hauskauf zwecks Inflationsschutz – keine gute Idee

Wohnhäuser in Oberwesel
Wohnhäuser in Oberwesel: Ein Hauskauf, um der Inflation zu entfliehen, hält man bei der LBBW für eine schlechte Idee. | Foto: imago images/Jochen Tack

Sich mit einem schnellen Immobilienkauf jetzt gegen die Geldentwertung wappnen? Das ist keine gute Idee, warnt Martin Güth, Senior Ökonom bei der LBBW. Güth knüpft an die Beliebtheit von Immobilien an, die gemeinhin auch „Betongold“ genannt werden: Sie gelten als eine Anlage, die auch in Krisen nicht an Wert verlieren, ähnlich wie es dem Edelmetall Gold zugeschrieben wird

In der Tat habe sich in der Vergangenheit oft gezeigt: Bei hoher Inflation steigen auch die Hauspreise kräftig an, so Güth. Allerdings - und da lauert die Krux: Die Entwicklung geschieht nicht zeitglich. Denn üblicherweise steigen zunächst die Hauspreise, bevor die Inflation anzieht. 

 

Güth führt dieses Phänomen auf die Wirkungen der Geldpolitik der Notenbanken zurück: Die Vermögenspreise - und damit auch die Preise von Immobilien - reagierten auf Entscheidungen der Währungshüter sehr sensibel und schnell. Dagegen passten sich die Verbraucherpreise nur mit zeitlichem Abstand an.  

Im langen Zinssenkungszyklus der EZB etwa, der von 2011 bis 2022 dauerte, kletterten die Immobilienpreise zügig in die Höhe. Die Inflation dagegen ließ lange auf sich warten. Um 2022 umso heftiger zurückzukommen: Die Verbraucherpreise stiegen in den vergangenen Monaten um bis zu 9 Prozent, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat. 

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Kursänderung der Notenbanken 

Inzwischen ist das Pendel bei den Notenbanken deshalb umgeschlagen: Die EZB will die Inflation eindämmen und hat sich seit Jahresmitte 2022 auf geldpolitischen Straffungskurs begeben. Kurz vor dem Umschwung, in der zweiten Jahreshälfte 2021, erreichten die Hauspreise dementsprechend ihren Zenit. Seit dem dritten Jahresquartal 2022 sind sie wieder im Sinken begriffen. Bis zum ersten Quartal 2023 verbilligten sich Wohnimmobilien im Mittel um 8,7 Prozent. Auf eine baldige Wertsteigerung, quasi als Ausgleich zur Inflation, können Immobilienkäufer mithin aktuell kaum setzen.

Zusätzlich sind die Zinsen infolge des neuen Notenbankkurses ebenfalls gestiegen, was den Immobilienkauf auf Kredit zusätzlich teuer macht. 

Und die Immobilien selbst sind auch angesichts der jüngsten Preisabschläge weiterhin nicht günstig zu haben, im Gegenteil: „Viele Immobilien sind immer noch überbewertet“, schätzte jüngst die Vizepräsidentin der Bundesbank, Claudia Buch, in einem Interview

Research-Spezialist Güth fasst zusammen: „Die aktuell hohe Inflation ist kein Grund, gerade jetzt zu Immobilien als Kapitalanlage zu greifen.“ Stattdessen könne es sich lohnen, sich zwecks Inflationsausgleich bei Anleihen umzusehen, so sein Tipp. Denn dort locken, bedingt durch die Zentralbankmaßnahmen, insgesamt wieder attraktive Zinsen.

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