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in Kfz-VersicherungLesedauer: 6 Minuten

Bericht über Preiserhöhungen 50 Prozent und mehr – was die HDI in der Kfz-Sparte vorhat

HDI-Zentrale in Hannover
Aus der HDI-Zentrale in Hannover erhalten einige Kfz-Kunden derzeit Post, die sie nicht erfreuen dürfte. | Foto: Imago Images / Henning Scheffen

Die HDI Versicherung soll zum 1. Juli 2024 bei einem Teil ihrer Bestandskunden die Preise in der Kfz-Versicherung um 50 Prozent erhöht haben. Das berichtet aktuell das Branchenportal „Versicherungsmonitor“. Die Information stamme von Maklern und Konkurrenten. Laut des Berichts gilt die Maßnahme für Verträge mit Hauptfälligkeit 1. Juli 2024, die laut „Versicherungsmonitor“ weniger als 10 Prozent des Gesamtbestandes ausmachten, und hier wiederum auch nur für bestimmte Teile des Bestands. Somit ist unklar, wie viele Kunden tatsächlich betroffen sind.

HDI bestätigt Preiserhöhungen, ohne Details zu nennen

Der betroffene Versicherer bestätigte den Sachverhalt auf Nachfrage von DAS INVESTMENT teilweise. Ein Sprecher teilte mit: „Die massive Schadeninflation in Deutschland macht eine risikogerechte Anpassung der Preise für Versicherungsschutz unumgänglich. Tatsächlich gibt es dabei im Kfz-Bestand der HDI Versicherung einzelne, genau definierte Risiken, die sich als extrem schadenlastig erwiesen haben und auf die signifikante Preiserhöhungen zukommen. Zur Höhe von einzelnen Anpassungen äußern wir uns jedoch nicht.“ Und weiter: „Die Maßnahmen gelten für die Bestände mit Fälligkeitsdaten vom 1. Juli bis 30. September.“ 

Daniel Schulze Lammers
Daniel Schulze Lammers, © HDI

Neuer Vorstand mit neuer Strategie  

Als hausinternen Treiber der Entwicklung nennt der Bericht den neuen Vorstand der HDI Versicherung, Daniel Schulze Lammers. Der 44-Jährige war 2023 von der Axa gekommen und hatte den Posten zum Jahresbeginn übernommen. Nun ist er „offenbar fest entschlossen, die Verlustsituation in den Griff zu bekommen“. Mutig ist sein Ansatz allemal, denn derartige Preiserhöhungen hat der Markt bisher noch nicht gesehen. Ende 2023 hatten die Rückversicherer eine Anhebung um 20 Prozent empfohlen, marktweit kamen gerade mal 7 Prozent im Bestand heraus, die zum Teil durch Veränderungen bei Schadenfreiheitsrabatten und Regionalklassen aufgefressen wurde, so der „Versicherungsmonitor“.

Erste empörte Kundenreaktionen

Kundenmeinungen im Internet lassen sogar auf noch deutlich drastischere Prämienerhöhungen schließen, wobei auch der Kundenservice der HDI nicht gut wegkommt. So ist zu lesen: „Nach einem Jahr wird die monatliche Prämie um 70 Prozent erhöht ohne Angabe von Gründen. Ein Versuch, eines heutiges Telefonat, wurde nach zwei Stunden Warteschleife einfach ohne einen Ton abgebrochen.“

Ein anderer User schreibt: „Ich habe heute eine Rechnung für meine Kfz-Versicherung erhalten, was zukünftig abgebucht wird. Von 76 Euro steigt der Preis jetzt auf 130 Euro. Das kann ja wohl nur ein Scherz sein, ich entziehe jetzt erstmal sofort das Lastschriftmandat und melde das Auto ab – im August gibt es ohnehin ein neues – und dann bei einer seriösen Versicherung.“

Will die HDI das Kündigungsverhalten ihrer Kunden austesten?

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Dass Handlungsbedarf bestand, dürfte unstreitig sein. Die Schaden- und Kostenquote der HDI Versicherung im Kfz-Geschäft lag im Vorjahr bei 120,5 Prozent. Marktweit liegt die Quote bei 110 Prozent. Zudem hat sich die Kennzahl bei der HDI über die vergangenen Jahre deutlich verschlechtert. Der „Versicherungsmonitor“ behauptet, dass das Unternehmen allerdings nun nicht nur den 2023 eingefahrenen „herben technischen Verlust“ in der Sparte auffangen und den Bestand sanieren wolle. Vielmehr wolle die HDI mit der drastischen Erhöhung auch austesten, ab wann Preiserhöhungen zu einem deutlich veränderten Kündigungsverhalten der Kfz-Kunden führten.

Doch hier widerspricht der Konzern teilweise. Der HDI-Sprecher sagt: „Die Preisanpassungen erfolgen strikt datenbasiert auf der Grundlage von Schadenquoten und Schadenerwartungen. Und sie erfolgen in unterschiedlichen und auf das jeweilige Risiko ausgerichteten Höhen. Selbstverständlich beobachten wir auch, wie Anpassungen von unseren Kunden aufgenommen werden. Dies ist jedoch immer und bei allen Preisanpassungen der Fall und nicht der Hintergrund für die aktuellen Maßnahmen.“

 

Kfz-Sparte auf breiter Front in der Krise

Schon seit Monaten ist die schwierige Situation der Kfz-Sparte ein großes Thema der Branche. Fast alle Anbieter kämpfen mit einem deutlich gestiegenen Schadenaufkommen nach der Pandemie und der Schadeninflation, durch die Reparatur- und Ersatzteilpreise überdurchschnittlich gestiegen sind. Auch die HDI Versicherung hat 2023 laut des Medienberichts – wie viele Gesellschaften im Markt – unter hohen Rückständen bei der Schadenbearbeitung und im Betrieb gelitten. Vor allem die Huk-Coburg geriet dadurch unfreiwillig in die Schlagzeilen.

Doch bei den Hannoveranern, die rund 1,22 Millionen versicherte Fahrzeuge im Bestand haben, komme zur Kostenproblematik noch ein Sonderfaktor hinzu, so der „Versicherungsmonitor“. Die Gesellschaft habe ihre Policen sehr günstig angeboten, um zu wachsen oder zumindest einen Rückgang ihres Marktanteils zu verhindern. In Spezialsegmenten wie Wohnmobilen sei das auch gelungen. Allerdings hole die HDI hier jetzt ihre schlechte Kostenquote im Kfz-Geschäft von 23 Prozent ein. Die meisten Wettbewerber liegen bei 17 Prozent bis 18 Prozent. Marktführer Huk-Coburg weist über alle Gruppengesellschaften eine Kostenquote von 8,4 Prozent auf.

HDI sucht Lösungen

Der Versicherer selbst bestätigt zwar gegenüber DAS INVESTMENT die Probleme der Schadeninflation. Man sei sich der Notwendigkeit bewusst, die Kosten weiter zu senken. Dennoch befinde man sich auf dem richtigen Weg. So konnte die Brutto-Kostenquote seit 2020 bereits um mehr als 3 Prozentpunkte gesenkt werden. Und Automatisierungen und Prozessoptimierungen sowie die Integration von KI schafften hier weitere Möglichkeiten, so der HDI-Sprecher.

Bafin-Druck dürfte eine Rolle spielen

Handlungsdruck gibt es allemal. Im April hatte die neue Chefaufseherin Versicherungen der Bafin, Julia Wiens, die Kfz-Versicherer ins Visier genommen. Die Aufsicht werde dauerhaft defizitäre Versicherungssparten nicht akzeptieren, sagte sie in einem Interview. „Die klare Erwartungshaltung ist, dass die Versicherer im nächsten Jahr weiter nachbessern, wenn es erforderlich ist“, so Wiens. Dazu sagt die HDI auf Nachfrage: „Die Preiserhöhungen sind keine unmittelbare Reaktion auf die Ankündigung. Wir teilen jedoch die Ansicht der Bafin, dass das Preisniveau von Versicherungsschutz den tatsächlichen Risiken angemessen sein muss.“

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