Christian Hilmes (Redakteur)Lesedauer: 5 Minuten

HDI-Vorstand Patrick Dahmen „Das ist wesentlich für vernünftige Online-Beratung“

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Wie schätzen Sie die Entwicklung bei diesen Versicherten bis zum Jahresende ein? Und was raten Sie Kunden, um Altersvorsorge und Risikoschutz aufrecht zu erhalten?

Die Corona-Krise hat das Bewusstsein über die eigene Verletzlichkeit geschärft. Wir sehen, wie ein unsichtbarer Virus ganze Gesellschaften sozusagen in ein künstliches Koma versetzt hat. Die eigene Gesundheit und Arbeitskraft, die die Existenz und den Lebensstandard sichern, haben bei den Kunden deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Das zeigt sich an der regen Nachfrage nach Vorsorgelösungen. Der Bedarf ist deutlich gestiegen, daher ist mein Rat an die Kunden: Halten Sie Ihre Verträge aufrecht und schließen Sie Ihre Versorgungslücken.
Eine Prognose für das Jahresende ist schwierig. Wir fahren derzeit alle auf Sicht und das gilt sicherlich auch für unsere Kunden. Mit der Corona-Pause nehmen wir ihnen einen Teil des finanziellen Drucks und das unter Beibehaltung des Versicherungsschutzes. Das ist viel wert. Der Schutz der eigenen Gesundheit und der der Mitmenschen hat oberste Priorität.

Inwiefern dürften die Liquiditätshilfen der Unternehmen sowie die absehbar anhaltende Niedrigzinsphase die Solvabilität deutscher Lebensversicherer beeinflussen?

Die Corona-Pandemie trifft die deutschen Lebensversicherer indirekt und vor allem über ihre Auswirkungen auf den Kapitalmarkt, insbesondere in Form länger anhaltender, noch tieferer oder sogar negativer Zinsen und stark steigendem Kreditrisiko. Die Liquiditätshilfen dienen in diesem Umfeld dazu, Insolvenzen zu vermeiden und dadurch Kreditrisiken zu senken beziehungsweise zeitlich zu strecken. Im Ergebnis wird die Solvenz-Position der deutschen Lebensversicherer belastet, aber sie zeigt sich widerstandsfähig - trotz der widrigen Rahmenbedingungen. Ich gehe davon aus, dass sich die Solvenzquoten tendenziell weiter verschlechtern und weniger vergleichbar sind. Wir haben bereits jetzt die Situation, dass die unterschiedlichen Modelle – wie das Standard- und das Interne Modell) und insbesondere die im Markt extrem unterschiedlich ausgeprägte Bewertung des Kreditrisikos zu kaum vergleichbaren Bewertungen und Quoten führen. Nach Corona wird diese Spreizung weiter zunehmen.

Zielke Research Consult berechnete für Ihr Unternehmen in einer aktuellen Studie eine reine Solvenzquote von unter 100 Prozent. Wie stehen Sie zu diesem Ergebnis?

Die Bedeckungsquote ohne Übergangsmaßnahmen und ohne Transitionals, die Zielke Research Consult für die HDI Lebensversicherung ausweist, entspricht nicht der offiziellen Berechnungslogik und ist somit aus meiner Sicht irreführend. Die Bedeckungsquote unserer Gesellschaft liegt bei 103 Prozent. Diesen Wert weisen wir auch in unserem Solvenzbericht für die HDI Leben aus. Die Veröffentlichung des Berichts ist für alle Gesellschaften verpflichtend und untersteht der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin. Erlauben Sie mir hier eine Einordung: Die HDI Lebensversicherung nimmt eine umfassende Modellierung von Zahlungsausfällen – also den Kreditrisiken – und damit auch Staatsanleihen vor, die weit über das Standardmodell hinausgeht. Vor diesem Hintergrund ist die reine Fokussierung auf die Solvency-II-Quote ohne Volatilitätsanpassung – wie sie Zielke vornimmt – eine sehr enge Sichtweise, die nicht umfassend die finanzielle Widerstandskraft erfasst. Zum Stichtag 31.12.2019 liegt die Solvency-II-Quote für die HDI Lebensversicherung mit Übergangsmaßnahmen bei robusten 473 Prozent; ohne liegt sie bei 223 Prozent. Damit verfügt unsere Gesellschaft über solide Bedeckungsquoten und erfüllt alle aufsichtsrechtlichen Anforderungen sehr deutlich über.

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