Headhunter zum Rücktritt des Deutsche-Bank-Vorstands

Drei Gründe, warum Rainer Neske kein Karriereknick bevorsteht

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Rainer Neske, der als Vorstand das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank verantwortet, will um eine Auflösung seines ursprünglich bis 2017 laufenden Vertrags bieten. Die Gründe sind offensichtlich: Die Schrumpfkur, die die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen im Privatkundenbereich planen. Doch ist das ein Grund, gleich das Handtuch zu werfen? Ja, meinen Headhunter, die das Online-Portal Efinancialcareers befragt hat. Sie nennen sogar drei Gründe, warum sein Weggang für Neske alles andere als einen Karriereknick bedeutet.

1. Finanzielle Sicherheit: Vorstände fallen weich

Wer seinen Job kündigt, ohne bereits etwas Neues in Aussicht zu haben, bekommt es oft mit finanziellen Ängsten zu tun. Schließlich könnte die Jobsuche länger dauern als geplant - und diese Zeit muss überbrückt werden. Auf Vorstandsmitglieder trifft das allerdings kaum zu. „Sie fallen oft weich, wie zuletzt die Verkleinerung des Vorstands der Commerzbank gezeigt hat“, schreibt Efinancialcareers. Damit bezieht sich das Online-Portal auf den Weggang von Jochen Klösges, der eine hohe Abfindung eingestrichen hatte.

Bei einem Jahresgehalt von 4,35 Millionen Euro, davon 2,4 Millionen Euro Grundgehalt, und einer Vertragslaufzeit bis 2017 dürfte auch Neskes Abfindung alles andere als bescheiden ausfallen, vermutet Efinancialcareers.

2. Macht und Ansehen: Kein zahnloser Tiger sein

In der Auseinandersetzung um die künftige Strategie der Deutschen Bank konnte sich Neske nicht gegen die beiden Vorstandschefs durchsetzen. Und wenn ein Vorstand keinen adäquaten Einfluss mehr auf die Unternehmensstrategie nehmen kann, sollte er einen Weggang ernsthaft in Betracht ziehen. „Top-Manager, die nur zahnlose Tiger sind, sollten nach besseren Optionen Ausschau halten,“ rät Headhunter Andreas Jäger, Leiter des auf Managersuche spezialisierten Personaldienstleisters Korn Ferry International in Frankfurt, im Gespräch mit Efinancialcareers. 

3. Zukunftsperspektiven: Es gibt im Leben noch andere Werte

Neskes Chancen, einen Job zu finden, der ihm neue Zukunftsperspektiven eröffnet, seien gar nicht so schlecht, meint Jäger. „Ich würde mich nicht wundern, wenn Neske in den nächsten zwölf Monaten im Vorstand einer anderen Bank wieder auftaucht.“ An der richtigen Stelle könne Neske wieder etwas voranbringen. Entscheidend sei es, genau diese Stelle zu finden.

Allerdings dürfte die perfekte Stelle für Neske eine Nummer kleiner als sein derzeitiger Posten ausfallen. Denn es gibt in Deutschland nicht so viele große Banken mit Filialgeschäft. „Es handelt sich also schon um einen Abstieg aus der Champions League in die Bundesliga“, sagt Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim. Aber es gebe im Leben noch andere Werte, die zählen.

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