Aktualisiert am 27.01.2020 - 15:28 UhrLesedauer: 3 Minuten

„Hebelprodukte stehlen Anlagezertifikaten die Show“

Heiko Weyand, HSBC Trinkaus
Heiko Weyand, HSBC Trinkaus

DAS DERIVAT: Nicht alle Hebelprodukte verzeichnen – im Gegensatz zu Aktien – tägliche Umsätze. Dieser Umstand lässt immer wieder die Frage nach der Handelbarkeit von Hebelprodukten aufkommen. Ist diese Skepsis begründet? Heiko Weyand: Die sichtbaren Umsätze haben keinerlei Einfluss auf den Preis und die Handelbarkeit von Derivaten. Denn wir als Emittent stellen als sogenannter ‚Market Maker’ handelbare Kurse. Das hängt damit zusammen, dass Derivate letztlich immer mit dem Emittenten als Gegenpartei gehandelt werden und nicht – wie bei Aktien üblich – mit einem anderen Investor. DAS DERIVAT: Bis zu welchem Volumen lassen sich Hebelprodukte denn problemlos handeln? Weyand: Grundsätzlich rate ich Anlegern, größere Orders immer zu den Börsenhandelszeiten des jeweiligen Basiswertes aufzugeben. Anleger, die Derivate auf US-Werte handeln möchten, sollten also zu Handelszeiten der Heimatbörse der entsprechenden Aktie aktiv sein. Bei asiatischen Basiswerten gilt das genauso. DAS DERIVAT: Das in allen Zertifikatesegmenten angelegte Volumen ist in den vergangenen Monaten deutlich geschrumpft. Auch die Börsenumsätze zeigen eine spürbar  abnehmende Tendenz. Wie wirken sich die Kurskapriolen an den Aktienmärkten auf die Handelsaktivitäten bei Hebelprodukten aus? Weyand: Hebelprodukte stehlen den Anlagezertifikaten zurzeit die Show. Mit weitem Abstand machen die gehebelten Papiere derzeit das Gros der Kundenorders an den Börsen aus. Und sogar 46 Prozent des gehandelten Volumens entfallen zurzeit auf diese Produktkategorie. Allein Knock-out-Produkte konnten jüngst um gut 25 Prozent auf Basis des umgesetzten Volumens zulegen. DAS DERIVAT: Legen Sie Ihren Kunden aktuell auch Optionsscheine ans Herz? Weyand: Die hohen Volatilitäten machen Standard-Optionsscheine aktuell etwas tückisch. Denn fällt die Volatilität niedriger aus als erwartet, sinkt der Zeitwert der Option und damit auch ihr Preis. Das kann dazu führen, dass der Anleger zwar eine korrekte Richtungsentscheidung getroffen hat, aber dennoch keinen Gewinn realisiert. Insofern traue ich Knock-out-Produkten ein stärkeres Wachstum für die kommenden Monate zu. Denn bei ihnen hat die Volatilität fast keinen Einfluss auf die Preisbildung. DAS DERIVAT: Was halten Sie von CFDs als Konkurrenzprodukt zu verbrieften Hebelzertifikaten? Weyand: CFDs haben meiner Meinung nach einige Nachteile gegenüber verbrieften Hebelprodukten. So gibt es bei einigen Anbietern eine Nachschusspflicht. Das heißt, wenn die Verluste das Guthaben des Anlegers auf seinem Trading-Konto übersteigen, ist dieser gezwungen sein Konto bis zu einer bestimmten Sicherheitsleistung wieder aufzufüllen. Die möglichen Verluste bei CFDs im Gegensatz zu Hebelpapieren oder Optionsscheinen sind nicht auf das anfangs eingesetzte Kapital begrenzt. Wer die Nachschusspflicht nicht gegen Gebühr ausschließt, begibt sich auf extrem dünnes Eis. Das ist für Privatanleger absolut indiskutabel. Auch die Gebührenstruktur der Anbieter erscheint vereinzelt intransparent. Aber Anleger sollten ruhig verschiedene Produkte ausprobieren. Ich bin mir sicher, dass verbriefte Hebelprodukte am Ende überzeugen können. DAS DERIVAT: Dem Markt für CFDs werden sehr hohe Wachstumsraten vorausgesagt. Könnten die klassischen Hebelprodukte schon bald ausgedient haben? Weyand: Unsere Hebelprodukte sind sehr transparent. Zudem bieten wir die günstigsten Finanzierungskosten. Und inzwischen können wir mehrmals täglich je nach Marktbewegung neue X-Turbos auf den DAX emittieren, um auch während des Tages trotz heftiger Kursbewegungen extrem hohe Hebel anzubieten. Ich glaube, es ist der Markt für Hebelprodukte, der kräftig wachsen wird. DAS DERIVAT: An wen richten sich die neuen intraday-Emissionen? Weyand: Sie sind sicher nur für sehr aktive Trader interessant, die viel Zeit vor den Monitoren verbringen. Stellen Sie sich vor, der Dax bewegt sich nach einem Zinsentscheid um 100 Punkte nach oben. Dann sind nur noch Turbo-Calls mit verwässerten Hebeln erhältlich. Wir können dann in diese Handelsspanne beispielsweise einen oder mehrere neue X-Turbos emittieren und schon sind wieder richtig hohe Hebel am Markt. Diese Produkte eignen sich nur für Anleger mit guten Nerven und hohem Risikobewusstsein.

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