: Hedge-Fonds für alle

Hedge-Fonds für alle

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Immer mehr Manager nutzen das liberale europäische Fondsrecht und setzen Hedge-Fonds-Strategien in Publikumsfonds um. Damit werden die alternativen Investments zu Jedermann-Produkten.

Einen Schritt zu weit sind die Iren gegangen: Als die irische Finanzaufsicht Publikumsfonds im November 2007 ausdrücklich den Leerverkauf von Wertpapieren erlaubte, sorgte sie europaweit für teils erhebliche Empörung. Mehrere große Fondsgesellschaften beschwerten sich bei der Europäischen Kommission über den Vorstoß, meldet das Branchenblatt „Funds Europe“. Bis zur Klärung durch das europäische Komitee der Aufsichtsbehörden ruht die Regel nun.

Leerverkäufe, also Verkäufe geliehener Aktien mit dem Ziel, sie später günstiger zurückkaufen zu können, zählen zum Standardrepertoire von Hedge-Fonds. In Publikumsfonds, glauben viele Marktteilnehmer, hat eine solche Strategie nichts zu suchen. „Die Möglichkeiten von Publikumsfonds könnten dadurch sehr hedgefondsartig werden“, sagt etwa Adam Fairhead, Chefproduktentwickler bei HSBC Investments.

Zaghaft eingesetzt: Leerverkauf

Tatsächlich sind sie das längst. Über eine Vielzahl von Instrumenten können europäische Publikumsfonds heute eine große Zahl von Hedge-Fonds-Strategien umsetzen, inklusive dem Leerverkauf. Zwar ist der direkte Leerverkauf in fast allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nicht erlaubt, über Derivate lässt er sich aber nachahmen. Diese Möglichkeiten bieten sich dank der europäischen Richtlinie Ucits III.

Neu sind die Regeln nicht. Doch die meisten Publikumsfondsgesellschaften setzen die Möglichkeiten nur zaghaft um. Viel mehr als eine Handvoll 130/30-Fonds, eine Art Hedge-Fonds light, gibt es von ihnen bislang nicht. „Ich denke, es ist wichtig, die Grenzen zwischen Ucits-Publikumsfonds und den raffinierteren Fonds für Institutionelle und reiche Privatkunden nicht aufzulösen“, sagt Fairhead von HSBC.

Anderer Meinung sind offensichtlich die Verantwortlichen bei der Fondsgesellschaft Fidelity. Die Gesellschaft zählt neben Blackrock zu den wenigen großen Häusern, die die neuen Freiheiten bewusst ausschöpfen: Gerade hat Fidelity seine bereits 2004 aufgelegten Long- Short-Fonds Fast Europe und Fast Japan auf Ucits III umgestellt und plant nun europaweit den öffentlichen Vertrieb.

Die Manager der Fonds setzen sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse. „Es wird im kommenden Jahr eine Menge solcher Fonds geben, mit denen Investoren in die Fast-Palette noch mehr Möglichkeiten bekommen“, kündigt Alex Homan aus der Abteilung für alternative Investments bei Fidelity an.

Auf dem Weg nach Deutschland

Zwei weitere Fast-Fonds, darunter ein marktneutraler Fonds, sollen noch im laufenden Jahr dazukommen. Blackrock bietet in Großbritannien mit dem Blackrock UK Absolute Alpha bereits seit 2005 einen Long-Short-Fonds für britische Aktien öffentlich an.

Jetzt entdecken zunehmend Boutiquen mit Hedge-Fonds-Erfahrung den Charme des europäischen Regulariums. Für Häuser wie Cazenove, Gam und Polar Capi Capital, die aus dem Hedge-Fonds-Geschäft kommen, hat die Publikumsfonds-Hülle einen entscheidenden Vorteil: Anders als die Manager erstmals offen über ihre Produkte reden.

Mehr als ein Dutzend der alternativen Fonds hat kürzlich eine Zulassung bekommen oder erwartet sie für die nahe Zukunft. Eine Vertriebszulassung für Deutschland steht in den meisten Fällen noch aus.

Auch für Berater ergeben sich Vorteile aus der Ucits-III-Struktur: Sie bekommen ohne langes Registrierungsprozedere alle Informationen zum Fonds, ein nach europäischem Recht reguliertes Produkt, das in der Regel täglich oder zumindest wöchentlich gekauft und zurückgegeben werden kann, und dennoch eine Hedge-Fonds-Strategie.

Und Hedge-Fonds-Strategien zeigen im aktuellen Marktumfeld einmal mehr ihre Stärke. Denn die meisten von ihnen sind von den Märkten weniger abhängig als klassische Long-only-Produkte. So liegt der Fast European Fund von Fidelity über ein Jahr mit minus 9,1 Prozent gerade halb so schlecht wie der MSCI Europa (minus 18,2 Prozent).

Seit Auflage im Oktober 2004 kommt der Fonds auf ein durchschnittliches jährliches Plus von 18,6 Prozent pro Jahr. Er wurde einst von Ex-Fidelity-Star David Bavarez, anschließend vom heutigen Manager des Fidelity European Growth, Alexander Scurlock, gemanagt. Jetzt trägt Anas Chakra die Verantwortung.

Noch deutlich weniger vom Marktgeschehen beeinflusst ist der Blackrock UK Absolute Alpha. Manager David Lyttleton erwirtschaftete allein im laufenden Jahr ein Plus von 7,1 Prozent – gegenüber einem Minus von 6,7 Prozent des FTSE 100. Der in Deutschland nicht zugelassene Fonds ist in seinem Heimatland längst ein Kassenschlager und Liebling vieler unabhängiger Berater.

Hedge-Fonds fürs Publikum kopiert

Jetzt bekommt Lyttleton erstmals ernst zu nehmende Konkurrenz, die auch ihren Weg in deutsche Anlegerdepots finden kann: Die britischen Gesellschaften Cazenove und Polar Capital haben ebenfalls Long-Short-Fonds für den britischen Aktienmarkt aufgelegt.

Der Polar Capital UK Absolute Return ist ein nahezu exaktes Abbild des 2001 aufgelegten Hedge-Fonds Polar Capital UK und soll künftig auch in Deutschland vertrieben werden. Manager Philip Hardy hat mit seinem 2001 aufgelegten Fonds jedes Jahr im Plus geschlossen und gerade in schwachen Marktphasen gezeigt, was Short-Positionen im Portfolio bewirken können.

Metzler managt Nordea-Fonds

Ähnlich erfolgreich sind Tim Russell und Christopher Rice mit ihren Cazenove- Hedge-Fonds. Sowohl die britische als auch die europäische Variante werden aktuell in eine Ucits-III-Struktur verpackt. Zumindest den Europa-Fonds von Tim Russell will Cazenove auch außerhalb des Vereinten Königreichs vertreiben. „Die beiden haben einen guten Track Record“, sagt Robin Minter-Kemp, Fondsmanagement- Chef von Cazenove, „und mit den Ucits-III-Fonds können wir diese Hedge- Fonds-Kompetenzen einem breiteren Publikum anbieten.“

Das wollen auch Gam, Pioneer, Lupus Alpha und Metzler Asset Management: Metzler ist für den am 12. März aufgelegten Nordea Heracles Long/Short Fonds verantwortlich, der mit quantitativem Management an Aktien-, Rentenund Währungsmärkten investiert. Mit minus 2,6 Prozent fällt die Bilanz nach drei Monaten allerdings bescheiden aus.

Lupus Alpha hat mit dem LS Duration Invest und dem Premium Invest ein Long-Short-Produkt für die Rentenmärkte und ein Absolute-Return-Produkt im Angebot, das auf Prämien setzt, die bei Derivaten als Entschädigung für die Übernahme von Risiken gezahlt werden.

Der gerade aufgelegte Gam Star Absolute Euro Systematic richtet sich an europäische Anleger, heißt es von der Gesellschaft. In Luxemburg bereits zugelassen ist der Pioneer Absolute Return Equity. Beide Fonds sind europäische Long- Short-Fonds; mit Ross Holyman von Gam und Riccardo Cavo von Pioneer sind für beide Produkte erfahrene Long-Short- Manager verantwortlich.

Dass indes auch erfahrene Hedge-Fonds-Manager kein Garant für erfreuliche Ergebnisse sind, zeigen Gilles Meshaka und David Elms: Beide sind Hedge-Fonds- Manager und zudem für Publikumsvarianten ihrer alternativen Fonds verantwortlich. Meshaka kommt mit seinem Fortis Absolute Return Equity Europe über drei Jahre auf gerade 1,5 Prozent jährlich. Nicht besser sieht es bei Elms’ Henderson Pan European Alpha Plus aus: Seit Auflage am 1. Dezember 2006 hat der Fonds gut 12 Prozent verloren und liegt damit trotz Short-Positionen genauso schlecht wie sein Vergleichsindex MSCI Europa.

Neben Long-Short-Strategien verpacken Hedge-Fonds-Manager aktuell auch Rohstoffinvestments, Trendfolger und andere Strategien in die Jedermann-Hülle. Die Schweizer Harcourt und die amerikanische Castlestone bieten Rohstoff-Strategien in Ucits-III-Fonds an; die spanische Próxima Alfa Investments startet mit einem Global-Macro-Fonds im Ucits-III Mantel für institutionelle Investoren, und auch Merrill Lynch bietet Institutionellen mit dem MW Tops einen Hedge- Fonds als Publikumsfonds.

Auf Managed-Futures setzt der Esa Galaxy von der schwedischen RPM (ISIN: LU0149619255). Er investiert zu gleichen Teilen in die höchst erfolgreichen Managed- Futures-Fonds von Winton und Transtrend. Anteile können täglich gekauft und zurückgegeben werden, während Winton- und Transtrend-Anteile nur monatlich gehandelt werden.

Alternative für Privatanleger Ebenfalls täglich gibt es seit einiger Zeit einen der langfristig erfolgreichsten Absolute- Return-Fonds: Die Wiener Bank Medici hat den Herald Fund als Ucits-Variante aufgelegt (WKN: A0NFHW).
Die Produktvielfalt belegt, dass der Vorstoß der irischen Finanzaufsicht allenfalls Kosmetik an einem bereits liberalen europäischen Regelwerk ist – und Hedge- Fonds zunehmend eine Alternative für alle werden.

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