Heidrun Heutzenröder

Heidrun Heutzenröder

Heidrun Heutzenröder: „Renten-Fan werde ich wohl nicht mehr“

DAS INVESTMENT.com: Strammes Wirtschaftswachstum, der Dax auf Jahreshoch – Deutschland ist wieder da und kommt weitaus besser aus der Finanzkrise als viele andere europäische Staaten. Blicken wir einige Monate zurück, sah das noch ganz anders aus. Waren Sie deshalb zwischenzeitlich zum Anleihen-Fan geworden? Heidrun Heutzenröder: Ganz so weit ging es nicht, doch war die Zeit der Krise natürlich eine Phase, in der man die eigenen Standpunkte intensiv prüft und das eine oder andere revidiert. Ich war aber schon zu Anfang 2009 überzeugt, dass wir eine Trendwende sehen würden, in der vor allem der deutsche Aktienmarkt einen starken Aufschwung erleben könnte. DAS INVESTMENT.com: Was machte Sie da so sicher? Heutzenröder: Die deutsche Wirtschaft war und ist im Kern gesund. Sie hat bereits nach dem Platzen der New-Economy-Blase durch umfangreiche Restrukturierungen viel Boden gutgemacht und ist im internationalen Wettbewerb bestens aufgestellt. Das konnte auch die Finanzkrise nicht ändern. Die Lohnstückkosten sind hierzulande moderat, der Exportanteil hat sich seit 1995 mehr als verdoppelt – andere wichtige Exportländer wie zum Beispiel Frankreich oder Italien konnten diesbezüglich nicht annähernd mitziehen. DAS INVESTMENT.com: Wobei für den deutschen Export die aufstrebenden Schwellenländer wie China, Indien & Co. eine zunehmend große Rolle spielen. Heutzenröder: Das stimmt natürlich. Deutschland zählt zu den Gewinnern der Globalisierung und profitiert stark vom chinesischen Güter-Nachfrageboom. China ist sehr gut über die Krise gekommen, und deutsche Aktiengesellschaften, die schon früh vor Ort präsent waren, haben ihre Chancen erkannt. An ihrem Wachstumspotenzial können auch Fondsanleger teilhaben. DAS INVESTMENT.com: „Made in Germany“ ist also keineswegs out. Heutzenröder: Aber ganz im Gegenteil. Deutschland wird global nach wie vor mit Innovationskraft und Technologievorsprung identifiziert. Wir haben mit dem Fondak darauf reagiert und sind aktuell stark in Industrietitel aus dem Dax und MDax investiert. Hinzu kommen Auto- und Rohstoffwerte, die durch die hohe Nachfrage der Emerging Markets und allgemein durch die konjunkturelle Erholung Aufwind haben. Im Gegenzug haben wir den Anteil binnenorientierter Konsumwerte sowie Finanz- und Gesundheitstitel zurückgefahren. Gleiches gilt für Versorger- und die Telekommunikationsunternehmen, deren Entwicklungsmöglichkeiten durch Reglementierungen und politische Interventionen nicht genau abzusehen sind. DAS INVESTMENT.com: Um konkret zu werden – welche Aktien mögen Sie? Heutzenröder: Uns gefällt zum Beispiel Siemens immer noch richtig gut. Das Unternehmen ist ein Global Player, der in vielen prosperierenden Märkten und vor allem auch in den Schwellenländern zu Hause ist. Von der Stahlnachfrage nicht zuletzt im Automobilbau profitiert Thyssen. Die Nutzfahrzeugbranche springt erst spät im Zyklus an, hier erwarten wir noch deutliches Wachstum. So sind etwa bei Volkswagen-Aktien unseres Erachtens weitere Zukäufe lohnend. Unter den Rohstoffwerten finden wir den Düngemittelhersteller K + S attraktiv, die Produkte des Unternehmens sind ebenfalls weltweit gefragt. DAS INVESTMENT.com: Und Sie bleiben dem Value-Ansatz treu. Heutzenröder: Auf jeden Fall, das ist seit nunmehr über zehn Jahren die zentrale Säule des Fondak- Konzepts. Sehen wir von der Anfangsphase in der Finanzkrise ab, in der Fundamentaldaten für die Bewertung einer Aktie nahezu bedeutungslos waren, hat unsere Value-Orientierung immer funktioniert. Das konnten wir über viele Jahre beweisen. Den Schwerpunkt auf Substanz zu legen kann allein schon aus Risikoerwägungen heraus nicht verkehrt sein. Im Langfristvergleich zeigt sich ohnehin, dass Value-Aktien besser als Growth-Aktien abschneiden, sie haben länger andauernde positive Entwicklungsphasen. Das heißt: Auch wenn Growth-Titel momentan leicht vorn liegen mögen – Value-Werte werden sie gesichert wieder überholen. DAS INVESTMENT.com: Deutsche Aktien sind also immer noch unterbewertet. Heutzenröder: Auf jeden Fall. Schauen wir auf das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax in den zurückliegenden 15 Jahren, errechnet sich ein Wert von rund 15,5. Aktuell liegt das KGV des Dax bei etwa 10 – da ist doch noch ordentlich Musik drin. Die Gewinnrendite deutscher Standardwerte liegt auch durch den starken Anstieg der Nachfrage aus den Emerging Markets bei mehr als 10 Prozent, während die Kurse nicht annähernd im gleichen Maß nachgezogen haben. Zudem sind die Dividendenrenditen ein gutes Argument für deutsche Aktien. Trotz der heftigsten Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen 60 Jahre liegen diese im Schnitt bei immer noch 3 Prozent. Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ein Renten-Fan kann ich angesichts dessen, dass deutsche Staatsanleihen derzeit extrem niedrige Renditen in Aussicht stellen, nicht werden. Und es sieht so aus, als ob ich es wohl auch nicht mehr werde. Zum Online-Booklet „DAS INVESTMENT THEMA: DEUTSCHLAND IM FONDS – das Fondak-Porträt“ kommen Sie hier.
 

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