Einen Satz hört Heinz-Werner Rapp seit Jahrzehnten, und er ärgert ihn bis heute: „Politische Börsen haben kurze Beine.“ Für Rapp ist das Vergangenheit. „Politische Börsen haben heute dicke Fäuste“, sagt der Gründer des Feri Cognitive Finance Institute – und manchmal einen schrägen Kopf obendrauf.
Das klingt nach Polemik, ist aber ein Kernelement seiner Investmentphilosophie. Seit anderthalb Jahren fährt Feri mit dem Leitsatz „Politik treibt die Märkte“ – und der frühere Chief Investment Officer des Vermögensverwalters hat diese These schon fünf Jahre zuvor formuliert, als die meisten Marktteilnehmer noch von liberalisierten Kapitalmärkten träumten, die ihr eigenes Ding machen.
Dass er damit nicht falsch lag, zeigt das Jahr 2022. Als die Inflationswelle die Märkte traf, Anleihen und Aktien gleichzeitig einbrachen und das klassische 60/40-Portfolio sein schwärzstes Jahr seit Jahrzehnten erlebte, war Feri vorbereitet. „Jeder Erstsemester in Volkswirtschaft weiß, dass Staatsdefizite, die mit frisch gedrucktem Geld finanziert werden, ein sicheres Rezept für Inflation sind“, sagt Rapp nüchtern. Das Frühwarnsystem habe funktioniert. Nur: Kaum jemand hat hingehört.
Das ist der Kern des Problems, das Rapp vor zehn Jahren zur Gründung seines Instituts getrieben hat. Klassisches Finanzmarkt-Research deckt langfristige Trendbrüche nicht ab. Rapp analysiert deshalb sechs sogenannte Erkenntnisräume – von Geopolitik über Gesellschaft bis Umwelt und Technologie – und vernetzt sie zu einem „Big Picture“. Volatilität als Risikomaß? Für ihn überholt. „Die Dinge, die heute Risiken bedingen, misst man nicht in Volatilität."
Den Podcast „For Professional Investors Only“ gibt es auf
Derzeit sieht er die Welt in einer „chaotischen Übergangsphase“: Die Pax Americana endet – ausgerechnet auf eigenes Betreiben der USA. Was danach kommt, ob bipolare oder multipolare Welt, ist noch offen. Man befindet sich, wie Rapp es nennt, im Stadium der Liminalität: Die alte Ordnung ist vorbei, die neue noch nicht geboren. Für Investoren ist das die gefährlichste Phase überhaupt.
Und welches Risiko wird dabei am stärksten unterschätzt? Nicht Trump, nicht die geopolitischen Verwerfungen – sondern der Klimawandel. Konkret: die Klimakipppunkte. „Das ist ein Thema, das an den Kapitalmärkten massiv unterschätzt wird“, sagt Rapp, der dazu im vergangenen Jahr eine größere Studie veröffentlicht hat.
Ob seine Szenarien auch diesmal zu früh kommen, zu spät – oder genau rechtzeitig, welche Assetklassen er trotz aller Unsicherheit übergewichtet, und warum er seine Karriere am liebsten zehn Jahre früher begonnen hätte: Das erzählt Heinz-Werner Rapp im Podcast.

