Mirko Kohlbrecher

Mirko Kohlbrecher

„Heißes Geld“ in den Schwellenländern: Globale Anleihen gehören ins Depot

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Globalisierung: Dieses Schlagwort ist der Inbegriff für die zunehmenden weltweiten Verflechtungen in allen Bereichen von Wirtschaft, Politik, Kultur und Umwelt bis hin zur Kommunikation. Folglich sollte eine globale Komponente bei der langfristigen Geldanlage unbedingt eine Rolle spielen.

Weltweit gibt es über 160 Währungen, die überwiegend frei gegenüber anderen Währungen schwanken. Dieses freie System führt zu Ergebnissen, die die Realität widerspiegeln. Der US-Dollar ist beispielsweise schwach, weil die US-Wirtschaft 2008 schwer getroffen wurde. Die Wechselkursentwicklung ist Teil des Anpassungsprozesses.

Länder wie China werden ihr Wachstum allerdings nicht mehr länger durch niedrige Wechselkurse und Zinsen schaffen können, da diese auf einen großen Mangel an Rohmaterialien zusteuern. Wir wären auf dem Weg in eine Ära mit weltweit geringerem Realwachstum, in der die Wechselkurse der Schwellenländer rapide im Wert steigen. Und obwohl heute unsere größte Angst der Deflation gilt, wird mittel- und langfristig das bedrohlichste Risiko die Inflation in den Industrieländern sein, da der Anstieg der Währungen der Schwellenländer die Inflation in den Westen exportiert.

Ein sehr konkretes Beispiel ist der chinesische Renminbi. Seit dem Ende der Präsidentschaft von Bill Clinton wurden für hohe Summen US-Staatsanleihen aufgelegt, die in den meisten Fällen von ausländischen Zentralbanken gekauft wurden. Die Peoples Bank of China (Zentralbank der Chinesen) beispielsweise druckt Renminbi und wechselt sie in US-Dollar, um damit US-Staatsanleihen zu erwerben.

Ähnlich machen es Länder wie Taiwan, Korea, Brasilien und bis vor kurzem sogar die Schweiz. Doch die Defizitfinanzierung durch die Zentralbanken hat ihren Höhepunkt erreicht. China finanziert mit der Unterbewertung seiner Währung die USA, die wiederum chinesische Güter kaufen. Ein Wechselkurs bleibt jedoch nicht ewig unterbewertet, weil die erhöhte Versorgung mit Renminbi die inländische Teuerung schürt und zu höheren Löhnen führt. Dies bewirkt zusammen mit demografischen Veränderungen eine Verminderung der Wettbewerbsfähigkeit sowie des Handelsbilanzüberschusses Chinas. Sobald China keinen Überschuss mehr hat, wird es auch keine US-Staatsanleihen mehr kaufen.

Eine weitere interessante Währung ist der mexikanische Peso. Bei dieser Währung handelt es sich um eine der liquidesten Währungen der Emerging Markets. Die mexikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Schwäche des Peso wurde ein Segen für den mexikanischen Markt. Autohersteller wie Nissan, Mazda, Toyota, GM und Chrysler haben stark in das Land investiert. Interessanterweise konnte Mexiko auch den Trend vieler Unternehmen nach China zu gehen, umkehren. Im Jahr 2001 waren mexikanische Löhne 250 Prozent höher als chinesische, sodass es sehr viel Sinn machte, die Produktion nach Asien zu verlegen. 2007 war dieser Unterschied bereits um 40 Prozent gefallen und nun liegt er lediglich noch bei 10-15 Prozent.

Aus der Sicht eines langfristig denkenden Investors ist es daher ratsam, diese kommenden Entwicklungen zu antizipieren. Global agierende Rentenfonds stellen daher eine sinnvolle Depotbeimischung dar, um an möglichen Währungsaufwertungen zu partizipieren. Doch dabei wird man eine wesentlich höhere Volatilität als bei herkömmlichen Rentenfonds einkalkulieren müssen. Zum einen stellen die frei schwankenden Währungen an sich ein Risiko dar und zum anderen zirkuliert sehr viel „heißes“ Geld in den Schwellenländern, welches in turbulenten Marktphasen auch schnell wieder abgezogen wird.

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