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Helen Windischbauer von Amundi Deutschland „Geopolitische Risiken zeigen sich nicht immer mit einem großen Knall“

Helen Windischbauer im Gespräch mit DAS INVESTMENT-Redakteurin Birte Penshorn.
Helen Windischbauer im Gespräch mit DAS INVESTMENT-Redakteurin Birte Penshorn. | Foto: Matthias Oertel

Die Corona-Pandemie, der Einmarsch Russlands in die Ukraine, der Anschlag der Hamas auf Israel – die Welt befindet sich derzeit in einem ständigen Krisenmodus. Damit richtig umzugehen ist eine der Aufgaben von Helen Windischbauer. Sie verantwortet bei der Amundi Deutschland das Portfolio-Management im Bereich Multi Asset-Lösungen.

DAS INVESTMENT: Frau Windischbauer, in einem Vortrag sagten Sie zuletzt, dass Sie die zunehmenden Risiken der geopolitischen Krisenherde als eines der Themen sehen, das aktuell und zukünftig die Kapitalmärkte bewegt. Was genau meinen Sie damit?

Helen Windischbauer: Der Ukraine-Krieg und der Überfall der Hamas auf Israel haben überdeutlich gezeigt, was geopolitische Risiken sind. Und gerade der Nahostkonflikt untermauert, dass so etwas immer wieder passieren kann und leider auch wird. Aber geopolitische Risiken zeigen sich nicht immer mit einem großen Knall. Häufig haben sie einen schleichenden Verlauf und sind dann noch schwerer einzuschätzen. Da man diese Effekte schwer vorwegnehmen kann, neigen die Märkte dazu, diese Risiken zur Seite zu schieben. Mit der Folge, dass sie sich bisher zu wenig im Markt und damit auch in der Bewertung von Einzelwerten widerspiegeln. Während jede Zinsänderung sofort eingepreist wird, haben die geopolitischen Risiken weniger starke Auswirkungen. Natürlich zeigen sie sich global bei Öl- oder auch Nahrungsmittelpreisen, aber die starken Reaktionen bleiben meistens lokal. Das wird in der Zukunft mit Sicherheit so nicht bleiben.

Wenn das in Zukunft mit Sicherheit nicht so bleiben wird - wie können Anleger dann mit geopolitischen Risiken umgehen?

Windischbauer: Die Herausforderungen aktuell sind mit dem Ukraine-Krieg und den Nahostkonflikt natürlich groß, aber viele Punkte werden auch zu wenig in Betracht gezogen. Wie positioniert sich die Nato? Wird sich Iran in den Nahostkonflikt einschalten? Leider hat man immer den Eindruck, dass die Märkte nicht zu viele schlechte Nachrichten auf einmal verkraften können. Aktuell spricht zum Beispiel kaum jemand von China und Taiwan. Dieses Risiko scheint aus der Wahrnehmung gerutscht zu sein und reflektiert sich auch nicht in den Märkten.

 

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Welchen Einfluss hat dies auf Ihre Arbeit?

Windischbauer: Das Wichtigste ist, dass wir die möglichen Risiken frühzeitig erkennen. Dann geht es darum, diese möglichst gut einzuschätzen und mit Wahrscheinlichkeiten zu hinterlegen. Manche Entwicklungen lassen sich nicht prognostizieren, aber einige doch. In der aktuellen politischen Situation war zum Beispiel abzusehen, dass sich Länder und Regionen neu sortieren und Allianzen gestärkt werden. Und natürlich investieren wir lieber in einem demokratischen Umfeld und legen ein stärkeres Augenmerk auf die volkswirtschaftlichen Aspekte als auf die Politik.

Um diesen Ansatz weiter zu schärfen, haben wir bei Amundi seit mehr als einem Jahr Anna Rosenberg im Team, die als Expertin geopolitische Einschätzungen vornimmt. Mit ihr arbeiten wir die angesprochenen Szenarien und Wahrscheinlichkeiten aus.

Von Frau Rosenberg stammt dann auch ihre Einschätzung, dass zum Beispiel Lateinamerika ein potenzieller Wachstumsmarkt ist, also ein zukünftiger Gewinner?

Windischbauer: Ja, Lateinamerika kann man sicherlich als relativen Gewinner bezeichnen. Das liegt an der geographischen Nähe zu Nordamerika, aber auch an dem Reichtum an Rohstoffen und der Fähigkeit, diese verlässlich und mit verlässlichen Preisen zu liefern.

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