Und welche Länder sehen Sie in Lateinamerika als besonders chancenreich?
Windischbauer: Mexiko als direktes Nachbarland der USA ist sehr interessant. Hier werden die wirtschaftlichen Beziehungen als Handelspartner auch wieder klar ausgebaut. Mexiko gilt aktuell als relativ niedrig bewertet, und wir haben den Eindruck, dass viele Investoren das Land noch nicht so richtig entdeckt haben. Positiv ist der erkennbare Versuch, wieder näher an die USA zu rücken. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt aber die Wahl im kommenden Jahr.
Brasilien ist vor allem aufgrund der Rohstoffe interessant, aber natürlich auch in der Gesamtbetrachtung. Das Land hat zwar schon lange relativ hohe Leitzinsen, aber wir gehen davon aus, dass diese im ersten Halbjahr 2024 um mindestens 200 Basispunkte gesenkt werden. Das hätte dann natürlich einen sehr positiven Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung.
Geben Sie uns bitte eine Einschätzung zu verschiedenen Anlageformen - wie sieht es beispielsweise bei Anleihen aus, haben diese wieder mehr an Attraktivität gewonnen?
Windischbauer: Ja, Anleihen sind wieder attraktiv. Ebenso kurzfristige Anlagen sowie Geldmarktfonds. Grund ist hier die inverse Zinskurve, die dafür sorgt, dass am vorderen Ende der Kurve, also bei den kürzeren Laufzeiten, die Zinsen höher sind. Mittlerweile verschiebt sich die Zinskurve, und die mittleren und längeren Laufzeiten kommen wieder in den Fokus.
Spannend ist in diesem Zusammenhang die Frage, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um beim Investieren die Aktienquote zu erhöhen. Aktuell sind wir auf einem Zinsplateau und erwarten im nächsten Halbjahr eine milde Rezession und eine gewisse Volatilität. Ende des ersten Halbjahres 2024 gehen wir von einer Zinssenkung aus. Spätestens dann sind Aktien auch wieder in der Breite interessant.
Wie kann denn die Widerstandsfähigkeit eines Aktien-Portfolios gestärkt werden?
Windischbauer: Wie gesagt, sind wir bei Aktien noch zurückhaltend. Natürlich gehören sie in ein Portfolio, aber nur mit Qualitätsaktien, gerne aus dem Bereich Value. Bei den Wachstumstiteln in den USA sind wir aktuell vorsichtig, weil die Bewertungen sehr hoch sind.
Auch wenn wir eher neutral als positiv sind, stehen auch Japan und China im Fokus. Japan hat viele strukturelle Reformen auf den Weg gebracht und die wirtschaftliche Entwicklung ist besser als ihr derzeitiger Ruf. Bei China hatten wir nach dem Re-Opening einen stärkeren Push erwartet, der sich so nicht bewahrheitet hat. Wir prognostizieren für 2024 ein Wachstum von 3,9 Prozent und für 2025 von 3,4 Prozent. China ist regional betrachtet auf alle Fälle interessant, hat aber noch zu viele Probleme, um wieder die globale Wachstumslokomotive zu werden.
Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus?
Windischbauer: Was ich eingangs sagte – man muss die Risiken sehen und sie realistisch einschätzen. Die Welt ordnet sich gerade neu und das wird auch das Anlageverhalten beeinflussen. Um sich gut aufzustellen, ist ein Sicherheitspuffer und eine breite Diversifikation wichtig. Für Stabilität im Portfolio sorgen natürlich nach wie vor solide Anlageklassen wie Gold oder US-Staatsanleihen.

