Es war eine Nachricht, die die Branche überraschte und Kunden und Mitarbeiter wahrscheinlich sogar schockierte: Mitte Dezember wurde bekannt, dass Bernd Helmsauer, Geschäftsführer und Gesicht des Nürnberger Maklerunternehmens Helmsauer Gruppe, alle Mandate im Unternehmen niederlegt.
Abgang von Bernd Helmsauer aus seinem Unternehmen
Laut eines Berichts des Branchendienstes „Versicherungsmonitor“ gab es Auseinandersetzungen mit dem schwedischen Private-Equity-Investor Nordic Capital, der die Mehrheit an Helmsauer hält. Zu den genauen Hintergründen wurde zunächst nichts bekannt.
Bei einem Interview hatte Bernd Helmsauer 2024 betont, dass sein Unternehmen inhabergeführt bleiben sollte und ein Exit, wie bei Private Equity-Beteiligungen üblich, nicht geplant sei. Der Investor sollte demnach fünf bis sieben Jahre an Bord bleiben und dann wieder rausgehen. Helmsauer sagte damals gegenüber dem Fachportal „Procontra“: „Wir haben ein Versprechen: Ich verkaufe nie weitere Anteile und wir bleiben auf Dauer ein eigentümergeführtes Unternehmen, welches langfristig an meine beiden Söhne als dritte Generation übergeben wird.“
Investor installierte schnell neue Geschäftsführung
Dazu wird es nicht mehr kommen. Die spektakuläre Nachricht des Helmsauer-Abgangs hielt Nordic Capital wenig überraschend klein. Eine Unternehmenssprecherin sagte laut eines Berichts von „Procontra“ lediglich: „Bernd Helmsauer hat sich entschieden, seine operative Rolle im Unternehmen niederzulegen. Wir respektieren diese Entscheidung und danken ihm für seinen Beitrag zum Aufbau des Unternehmens. Die Helmsauer Group entwickelt sich planmäßig und wächst weiterhin profitabel.“
Die Sprecherin teilte weiter mit, dass man einer dauerhaften Nachfolgeregelung arbeite und dass Sven Tischendorf am 16. Dezember die Position des Interims-CEO übernommen habe. Tischendorf ist laut Linkedin-Profil seit dem Jahr 2000 Partner der Wirtschaftskanzlei Act Legal Germany in Frankfurt. Unterstützt wird er in seiner neuen Rolle laut Nordic Capital von Tilman Kay als Vorsitzendem des Beirats.
Die Helmsauer Gruppe gehört zu den Top 20 im deutschen Maklermarkt, machte 2024 über 50 Millionen Euro Umsatz und fiel in der jüngeren Vergangenheit durch zahlreiche Übernahmen kleinerer Maklerhäuser auf. Schätzungen gehen für 2025 von einem Umsatz zwischen 75 und 85 Millionen Euro aus.
Helmsauer-Söhne gründen neu
Es kamen die Weihnachstage und aus Nürnberg hörte man nichts mehr zu dem Thema. Doch dann platzte zu Jahresbeginn die Bombe. Durch einen „Procontra“-Bericht wurde bekannt, dass die Brüder Bastian (28) und Steffen Helmsauer (25), Söhne und designierte Nachfolger von Bernd Helmsauer, beide bisher in leitenden Funktionen für die Helmsauer Gruppe tätig, ein eigenes Maklerunternehmen gegründet haben. Bei ihrem bisherigen Arbeitgeber schieden sie zum 31. Dezember aus.
Pikant daran sind mehrere Dinge: Die neue Helmsauer Versicherungsmakler GmbH wurde bereits am 9. Dezember 2025, also vor dem Abgang des Vaters, ins Handelsregister mit einem Stammkapital von 25.000 Euro eingetragen. Das Unternehmen, mit Sitz im Nürnberger Süden, tritt mit dem Markennamen Helmsauer Verbund auf. Eine entsprechende Website ist bereits online. Auch ist das Unternehmen bereits Mitglied im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) geworden.
Bewusste Nähe oder Verwechselungsgefahr zur Helmsauer Gruppe?
Die Brüder setzen offenbar auf den starken Namen ihrer Familie im Markt. Eine Verwechselungsgefahr mit der Helmsauer Gruppe wird dabei anscheinend in Kauf genommen. Gibt man den Unternehmensnamen Helmsauer Versicherungsmakler GmbH in einer bekannten Suchmaschine ein, so findet sich kein Hinweis auf das neue Unternehmen. Vielmehr kommt als erstes Sucherergebnis die Firmenwebsite der Helmsauer Gruppe.
Zudem steht auf der Website des Helmsauer Verbund: „Unsere Wurzeln liegen in Nürnberg und im fränkischen Unternehmertum. Was einst am Küchentisch unserer Großeltern 1963 begann, ist heute ein moderner Dienstleister mit 28 Standorten und zahlreichen Kooperationspartnern.“ Eine Aussage, die sich nur auf die Helmsauer Gruppe beziehen kann.
Für die Nähe zum alten Unternehmen sprechen auch die Zielgruppen. Die Co-Geschäftsführer wollen sich auf das Gesundheitswesen, Handwerk sowie Gewerbe und Mittelstand spezialisieren. Neben dem Gewerbekunden-Fokus sei man aber auch offen für das Privatkundengeschäft aus dem Umfeld der priorisierten Kundengruppen.





