Hohe Ziele mit den alten Kunden 

Ziel der Helmsauer-Brüder dürfte sein, ganz bewusst auf die bestehenden Kunden der Helmsauer Gruppe zu setzen, damit diese ihre Bestände übertragen. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Gründer im „Procontra“-Bericht von einem angepeilten Beitragsvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich 2026 im Komposit-Geschäft und einer genauso hohen Bewertungssumme im Leben-Geschäft sprechen.

„Als echte Neugründung beginnen wir tatsächlich auf der ‚grünen Wiese‘, wobei sich die ersten Interessenten schon heute Nacht bei uns gemeldet haben“, hieß es von den neune Geschäftsführern in dem Medienbericht zu Jahresbeginn. 

Zahlreiche Mitarbeiter sollen bereits gewechselt sein 

Im Fokus von Bastian und Steffen Helmsauer stehen offensichtlich nicht nur die Kunden, sondern Beschäftigten des Unternehmens Arbeitsverträge bei den Brüdern abgeschlossen. Laut eigener Aussage liegen den beiden schon über 50 unterschriebene Arbeitsverträge vor und „täglich werden es mehr“, wie es in dem Bericht heißt. Man sei zudem weiterhin auf der Suche nach „leistungsbereiten und loyalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“.

Viele offene Fragen 

Mittelfristiges Ziel für das Jahr 2026 seien 100 Mitarbeiter. Bei der Helmsauer Gruppe dürften es 550 sein. Wie viele Mitarbeiter das Unternehmen tatsächlich schon verlassen oder ihre Arbeitsverträge bereits gekündigt haben, wollte DAS INVESTMENT Versicherungen von der Helmsauer Gruppe wissen. Auch, ob die Abgänge die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs und die Wachstumsziele gefährden? Interessant dürfte auch sein, wie das Unternehmen beziehungsweise der Investor das Vorgehen der Brüder aus wettbewerbsrechtlicher Sicht bewertet. Eine Antwort auf die Fragen erhielt unsere Redaktion bisher nicht. 

Derweil stellen sich auch viele Fragen an die Familie Helmsauer. Bekannt ist bisher nur, dass Bernd Helmsauer keine Anteile am neuen Unternehmen seiner Söhne übernommen hat. An der Helmsauer Gruppe hält er, soweit bekannt, eine Sperrminorität von 25,1 Prozent, Nordic Capital die restlichen 74,9 Prozent.

DAS INVESTMENT Versicherungen hat Bernd Helmsauer nach den Gründen für seinen Abgang, seinen beruflichen Plänen und den Umgang mit seinen Unternehmensanteilen bei der Helmsauer Gruppe befragt. Eine Antwort hat er für Donnerstag dieser Woche zugesichert. 

Bastian Helmsauer haben wir nach den Gründen für den Ausstieg seines Bruders und ihm aus der Helmsauer Gruppe gefragt und ob die Perspektive zur Übernahme der Geschäftsführung dort nicht mehr bestanden hat. Die Tatsache, dass ihr neues Unternehmen schon am 9. Dezember eingetragen wurde, wirft auch die Frage auf, seit wann der offensichtliche Streit mit dem Investor schon bestand.

Interessant sein dürfte auch zu erfahren, wie aktiv die Brüder Kunden und Mitarbeiter der Helmsauer Gruppe im Sinne eines Wechsels ansprechen und inwieweit man sich als direkter, zumal am gleichen Standort tätiger, Konkurrent im Maklermarkt versteht. Auch von Bastian Helmsauer wurde eine kurzfristige Beantwortung angekündigt.

Finanzinvestor könnte am Ende als Verlierer dastehen 

Über alldem steht noch eine viel grundsätzlichere Frage, die die Branche in nächster Zeit beschäftigen dürfte. Welche Risiken bieten Investoren-Einstiege, und wie belastbar sind mit ihnen getroffene Vereinbarungen?

Gleichzeitig könnte der aktuelle Fall auch ein Beispiel dafür sein, dass Finanzinvestoren mit ihrer Macht an Grenzen stoßen, weil es zu starke Loyalitäten in inhabergeführten Traditionsunternehmen gibt. Sollten tatsächlich Mandate und Mitarbeiter in relevanter Größenordnung zum Helmsauer Verbund abwandern, wäre der Verlierer am Ende vor allem Nordic Capital.