In der Causa des Versicherungsmaklers Helmsauer kehrt keine Ruhe ein. Diese Woche wurde bekannt, dass am 5. Februar zwischen den Unternehmen des neu gegründeten Helmsauer Verbund und den Unternehmen der Helmsauer Gruppe ein Vergleich am Landgericht Nürnberg-Fürth geschlossen wurde. Eine Abschrift des Protokolls der mündlichen Verhandlung liegt DAS INVESTMENT Versicherungen exklusiv vor.

CEO-Verkündung einen Tag nach Gerichtsverhandlung  

Einen Tag danach hatte die Helmsauer Gruppe mit Marco Gerhardt einen neuen Vorstandsvorsitzenden präsentiert und vollmundige Ankündigungen zu den Geschäftsaussichten gemacht, sich aber über den Vergleich, die Vorgänge rund um die ausgeschiedene Familie Helmsauer und die Co-Existenz mit dem neu gegründeten Helmsauer Verbund in Schweigen gehüllt. Dafür gingen die Geschäftsführer des Helmsauer Verbund mit den Ergebnissen des Vergleichs öffentlichkeitswirksam in die Offensive.

Bastian und Steffen Helmsauer waren zum Jahresende beim Nürnberger Traditionsmakler ausgeschieden, nachdem ihr Vater Bernd Helmsauer sich nach einem mittlerweile bestätigten Streit mit dem Investor Nordic Capital schon Mitte Dezember von der operativen Führung des Maklergeschäfts zurückgezogen hatte, aber Minderheitsgesellschafter blieb. Bis dahin galten seine Söhne als seine designierten Nachfolger. Stattdessen übernahm für nicht mal zwei Monate der Frankfurter Rechtsanwalt Sven Tischendorf als Interims-Vorstandsvorsitzender. Die Helmsauer-Söhne gründeten wiederum mehrere Gesellschaften unter dem Dach des Helmsauer Verbund.

Helmsauer-Brüder stellen Vergleich als Erfolg dar 

Bei Linkedin feierten Bastian und Steffen Helmsauer den juristischen Vergleich als klaren Erfolg in der Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Arbeitgeber. Laut des Protokolls hatten sie einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt. Die Brüder und die vier Unternehmen ihres Helmsauer Verbund werden in dem Dokument folglich als Antragsteller bezeichnet, sieben Unternehmen der Helmsauer Gruppe und Tischendorf selbst als Antragsgegner. Pikant: Eine Anwältin aus Tischendorfs Kanzlei Act Legal fungierte für die Unternehmen der Helmsauer Gruppe als Prozessbevollmächtigte. 

In dem Vergleich wird unter anderem festgehalten, dass Bastian und Steffen Helmsauer nach dem 31. Dezember 2025 keinem Wettbewerbsverbot aus einem Arbeitsvertrag und nach § 60 Handelsgesetzbuch unterliegen. Tischendorf wiederum teilt laut Vergleich mit, dass er „persönlich zum jetzigen Zeitpunkt keine positive Kenntnis davon hat, dass Bernd Helmsauer gegen ein mögliches Wettbewerbsverbot verstößt“.

Keine Beschränlung bei der Mitarbeiter-Abwerbung 

Doch viel wichtiger für die naheliegende Zukunft und das operative Geschäft des Helmsauer Verbund dürfte sein, dass sich laut Vergleich beide Seiten einig sind, dass für die Mitarbeiter aller beteiligten Firmen kein Verbot besteht, neue Arbeitsverträge zu schließen. Zudem dürfen sich beide Seiten bemühen, eigene Mitarbeiter zu behalten oder Mitarbeiter der jeweils anderen Seite abzuwerben, soweit dies mit lauteren Mitteln erfolgt, wie es in dem Protokoll heißt.

Offenbar stand ein entsprechender Vorwurf im Raum, dass diese Spielregeln zuvor nicht eingehalten wurden. Dafür spricht, dass der Vergleich eine Klarstellung der Helmsauer Gruppe enthält. Demnach habe Tischendorf in zwei Mitarbeiterversammlungen im Dezember 2025 keine entsprechenden Äußerungen getätigt, die den Abschluss von Arbeitsverträgen mit Dritten, insbesondere den Unternehmen des Helmsauer Verbund, untersagen.

Doch jenseits dieser formalen Klarstellung bedeutet die Vereinbarung vor allem, dass es keine Hürden für Mitarbeiter gibt, von der Helmsauer Gruppe zum Helmsauer Verbund zu wechseln. Und genau das ist nach Darstellung der Helmsauer-Brüder in den vergangenen Wochen bereits in großer Zahl passiert. So hätten bereits über 90 Mitarbeiter Arbeitsverträge beim Helmsauer Verbund unterschrieben und man gehe bis Jahresende von einer Größenordnung von 120 Beschäftigten aus.

Ein Großteil von ihnen kommt nach Darstellung von Bastian und Steffen Helmsauer von der Helmsauer Gruppe. Wie groß die Abgänge wirklich sind und wie sie das Geschäft bei der Helmsauer Gruppe beeinträchtigen, wollte das Unternehmen bisher trotz mehrerer Anfragen von DAS INVESTMENT Versicherungen nicht beantworten.