Am vergangenen Freitag ist der Zusammenschluss von Helvetia Holding und Baloise Holding rechtlich vollzogen worden. Seit dieser Woche werden die neu ausgegebenen Aktien der Helvetia Baloise Holding AG erstmals an der „Six Swiss Exchange“ in Zürich gehandelt. Parallel hat das Unternehmen seine Pläne für das Deutschlandgeschäft vorgestellt.
Neuer Name, aber vorerst keine neue Gesellschaftsform in Deutschland
Deutschland ist der einzige Auslandsmarkt, in dem die zusammengeschlossenen Unternehmen bislang beide vertreten sind. Laut eines Berichts des Fachportals „Versicherungsjournal“ stellt ein Sprecher auf Nachfrage jedoch klar, dass dies vorerst keine Änderung der Gesellschaftsform für die Tochterunternehmen in Deutschland bedeute.
Er sagt: „Insbesondere erfolgen am 5. Dezember keine solchen Zusammenführungen oder strukturellen Änderungen bei den deutschen Gesellschaften der neuen Helvetia Baloise Holding AG. Ab dem 8. Dezember 2025 werden wir unabhängig hiervon jedoch mit dem neuen Namen Helvetia Baloise in Deutschland sprechen.“ Wann Änderungen an der Gesellschaftsstruktur in Deutschland vorgenommen werden, ist derzeit noch unklar.
Der neue Markenauftritt von Helvetia Baloise soll am 15. April 2026 im Rahmen des „Capital Markets Day“ vorgestellt werden. Die Harmonisierung der Produktlandschaften soll ab Mai 2026 für Makler und ab Juli 2026 für den Exklusivvertrieb erfolgen.
Ziel: Deutlich mehr Marktpräsenz in Deutschland
Die neue Helvetia Baloise Deutschland hat nach eigenen Angaben hierzulande 2.000 Mitarbeiter, rund drei Millionen Kunden und verfügt über 700 Exklusivvermittler. Im Maklermarkt ist das erklärte Ziel, in Fokus-Sparten in die Top 10 aufsteigen, wie es der neue Vorstandsvorsitzende des fusionierten Unternehmens, Jürg Schiltknecht, sagt. Der Hauptsitz wird in Bad Homburg sein, dem bisherigen Sitz der Baloise Sachversicherung, weitere Standorte sind Frankfurt, Hamburg, Bremen, Karlsruhe und Nürnberg.
Die Helvetia Baloise will weiterhin mit den bestehenden Marken und Produktportfolien auftreten. Auch bleiben alle Kundenverträge unverändert bestehen. Kunden und Vertriebspartner sollen aber von einem erweiterten Produkt- und Dienstleistungsangebot sowie deutlich mehr Präsenz am Markt profitieren können, „denn Helvetia Baloise kann nun noch attraktivere Lösungen in den Bereichen Versicherung, Vorsorge und Vermögen aus einer Hand anbieten“, so Schiltknecht.
Wie der Sprecher gegenüber dem „Versicherungsjournal“ sagt, sei es derzeit noch nicht möglich, den Vertragsbestand in Deutschland nach Sparten aufzuschlüsseln. „Helvetia Deutschland und Baloise in Deutschland bringen beide ihren aktuellen Gesamtbestand mit in die Zusammenführung. Eine der Kernaufgaben der Integration besteht nun darin, diese Bestände zu analysieren und zusammenzubringen.“
Viele Personalabgänge – kein Wort zu Helvetia-Chef Steck
Im Zuge der Fusion kommt es zu erheblichen personellen Veränderungen. Im neuen Vorstand nicht mehr dabei sein wird der bisherige Hauptbevollmächtigte und Vorstandsvorsitzende der Helvetia Deutschland, Volker Steck. Nicht mehr Teil des fusionierten Unternehmens sind auch Baloise-Vorstand Christoph Wappler und die Helvetia-Manager Thomas Lanfermann und Markus Rehle. Auch in der Schweiz mussten zahlreiche Führungskräfte gehen.
Bemerkenswert ist, dass die Helvetia in einer eigenen Mitteilung kein Wort zu Steck verliert, sondern lediglich die Namen der neuen Spitzenmannschaft mitteilt. So besteht das Führungsteam neben Schiltknecht als Vorstandsvorsitzendem aus Barbara Ries, Vorständin Leben und Interne Dienste, Christoph Willi, Vorstand Nichtleben, Burkhard Gierse, Vorstand Finanzen und Kapitalanlagen, Matthias Hilgert, Vorstand IT und Integration, und Kirsten Granzer, Vorständin Personal.
Steck äußert sich derweil selbst auf Linkedin zu seinem Abgang, sagt aber nichts zu den Gründen. Er schreibt: „Im Zuge der Fusion zwischen Helvetia Deutschland und Baloise Deutschland habe ich mich nach mehr als elf Jahren dazu entschieden, Helvetia Versicherungen Deutschland im besten freundschaftlichen Einvernehmen zu verlassen.“
Personalabbau in Deutschland
Im Zuge der Fusionspläne waren bereits im Frühjahr Pläne über einen Stellenabbau bekannt geworden. Laut eines aktuellen Berichts der Nachrichtenagentur „Reuters“ mit Verweis auf interne Kreise sollen bis zum Jahr 2028 insgesamt 2.000 bis 2.600 Stellen gestrichen werden, der Großteil davon in der Schweiz. In Deutschland sollen demnach 260 bis 330 Stellen wegfallen. Ein Schweizer Sprecher des Unternehmens habe die Pläne bestätigt. Insgesamt zählt der Konzern mit Hauptsitz in Basel derzeit rund 22.000 Mitarbeiter.
Frankfurter Standort vakant
Zum Thema Stellenabbau sagt der Unternehmenssprecher in Deutschland gegenüber dem „Versicherungsjournal“: „Der Zusammenschluss wird auch Synergiepotenziale im Bereich der Personalstruktur mit sich bringen. Hierfür wurde zunächst ein Freiwilligenprogramm ins Leben gerufen. Hierzu und auch zu möglichen weiteren Modellen findet eine enge Zusammenarbeit mit den Betriebsräten statt. Perspektivisch werden die Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt nach Bad Homburg umziehen. Der Umzug befindet sich in der Planungsphase mit den zuständigen Mitbestimmungsgremien.“


