Aufregung um die deutsche Tochter des schweizerischen Versicherers Helvetia: Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf informierte Kreise plant das Unternehmen, sich von seiner deutschen Tochter zu trennen. Der Versicherer wolle in den kommenden Wochen unverbindliche Angebote dazu einholen. Für den Verkaufsprozess sei die Bank JPMorgan Chase engagiert worden. Der Deal könnte laut Bericht der Helvetia 500 Millionen bis 600 Millionen Franken (circa 532 bis 638 Millionen Euro) einbringen.

2023 Verluste in Deutschland

Ein Pressesprecher der Helvetia aus der Schweiz sagte auf Nachfrage von DAS INVESTMENT dazu lediglich, dass man Gerüchte nicht kommentiere. Klar ist, dass das Deutschlandgeschäft zuletzt defizitär war. 2023 lag der Jahresfehlbetrag bei 11,6 Millionen Euro. Grund der Verluste der Deutschland-Sparte sind laut Bloomberg die schwierige Wirtschaftslage und die eingeschränkte Bautätigkeit. Vorläufige Zahlen für das Gesamtjahr 2024 erfuhr DAS INVESTMENT auf Anfrage vom Unternehmen nicht.

Effizienzprogramm mit Stellenstreichungen

Erst im Dezember hatte die Schweizer Mutter bei einem Investorentag eine Reihe neuer Finanzziele für die Jahre 2025 bis 2027 ausgegeben und höhere Dividendenzahlungen in Aussicht gestellt. Konkret soll unter anderem die zugrundeliegende Eigenkapitalrendite von 13 auf 16 Prozent und die jährliche Wachstumsrate des bereinigten Gewinns pro Aktie von 9 auf 11 Prozent gesteigert werden.

Konzernchef Fabian Rupprecht kündigte im Zuge dessen ein 200 Millionen Franken (circa 213 Millionen Euro) schweres Effizienzprogramm an. Von den darin geplanten Maßnahmen seien konzernweit rund 500 Stellen betroffen, wie der Vorstandschef der Nachrichtenagentur Bloomberg im Nachgang gesagt haben soll.

Keine Aussage zur Zukunft in Deutschland

Vergangene Woche bestätigte die Helvetia die Aussagen von Rupprecht gegenüber der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage. Konkret betroffen vom Stellenabbau sind demnach das Geschäft in der Schweiz und in Spanien. Zur Zukunft des Deutschland-Teils des Unternehmens wurde aber auch an dieser Stelle kein Kommentar abgegeben.

 

Hierzulande hat die Helvetia nach eigenen Angaben knapp 800 Mitarbeiter am Hauptsitz in Frankfurt am Main und in vier Regionaldirektionen und betreut rund eine Million Kunden. Dabei arbeitet Helvetia Deutschland mit mehr als 11.000 Maklern, Mehrfachagenten und firmenverbundenen Vermittlern in den Sparten Lebens-, Sach- und Personenversicherung zusammen.   

Anteilseigner hält Verkauf für unwahrscheinlich

Dem Bloomberg-Bericht widerspricht die Zürcher Kantonalbank (ZKB), eine Anteilseignerin der Helvetia Gruppe. In einem Kommentar schreibt das Bankhaus: „Die Helvetia hat anlässlich ihres Kapitalmarkttags vom 12. Dezember 2024 ihre Geschäftsstrategie für die kommenden Jahre vorgestellt, bei der die Ländereinheiten Deutschland, Italien und Österreich eine separate Geschäftseinheit bilden, was es eher unwahrscheinlich erachten lässt, dass das Deutschland-Geschäft aktuell zur Disposition steht.“

Auch sei das Deutschlandgeschäft entgegen den Ausführungen von Bloomberg profitabel. „Per 1. Halbjahr 2024 wurde für die Nichtlebensversicherung in Deutschland eine Combined Ratio von 94,1 Prozent erzielt, womit eine vorteilhafte operative Gewinnmarge erreicht werden konnte.“ Dabei dürfte es sich aber allenfalls um eine zeitpunktbezogene Betrachtung handeln. Was auffällt, ist, dass laut Halbjahresbericht der Helvetia der Großteil der Gewinne in Deutschland aus dem Segment „Gewinne und Verluste auf Finanzanlagen“ kam.