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Mr. Aktie Henning Gebhardt: Sein neues Leben zwischen Fonds, Fintechs und Fairways

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Henning Gebhardt investiert nun auch in Fintechs und andere Start-ups
Henning Gebhardt investiert nun auch in Fintechs und andere Start-ups © Christoph Fröhlich

Gebhardt selbst zählte nie zu den hochgewachsenen Spielern der Mannschaft, von daher war er nicht für viele Positionen prädestiniert. Er war Aufbauspieler, „ich hatte den Ball in der Hand und musste dirigieren“. Eine Fähigkeit, die ihm später im Fondsmanagement ebenso nützte wie der Umgang mit Leistungsdruck.

„Ein Portfolio zu managen ist ein schöner Job, aber auch ein sehr verzehrender.“ Denn der Alltag des Fondsmanagers hat sich seit den Tagen in der Commerzbank, als Orders per Telefon durchgegeben wurden, grundlegend verändert. Computer hielten Einzug, das Internet, Smartphones mit Echtzeit-Trading. Erschien früher die Zeitung einmal am Tag, rauscht heute ein endloser Nachrichtenstrom durchs Netz, der Aktienkurse steigen, aber auch crashen lassen kann.

„Dieser Druck im Job geht nicht spurlos an einem vorbei. Viele Portfoliomanager leiden irgendwann unter Folgen wie zu hohen Cholesterinwerten oder Tinnitus. Ich bin davon bislang zum Glück verschont geblieben. Aber auch ich hatte eine Phase, die ich beinahe unerträglich fand. Ich brauchte ein Ventil, deshalb habe ich mit Golfspielen angefangen.“ 

Heute verbringt Gebhardt, 55 Jahre, zwei erwachsene Kinder, so viel Zeit auf dem Grün, wie er nur kann. Im Sommer schlägt er die Bälle bis zu dreimal pro Woche. „Man ist in der freien Natur und schaut hoffentlich nicht so viel aufs Smartphone. Das macht den Kopf frei.“ Wenn möglich zieht es ihn nach Schottland, genauer gesagt in die Gegend um Edinburgh. Ganz in der Nähe werden auch die Speyside Whiskys produziert, die er so schätzt. Wie praktisch. In Deutschland zählen der Budersand auf Sylt, der Niedersachsen Course bei Göttingen und der Frankfurter Golf Club zu Gebhardts Favoriten.

Millennium Global Opportunities: Fonds für die Welt im Wandel 

Nach 20 Jahren bei der DWS wechselte Gebhardt im Jahr 2017 als Chef für die Fonds- und Vermögensverwaltung zur Hamburger Privatbank Berenberg, nach drei Jahren folgte im Corona-März 2020 mit der Fondsboutique Hollyhedge Consult der Schritt in die Selbstständigkeit. Nun managt Gebhardt gemeinsam mit Christoph Lampert den Mischfonds Millennium Global Opportunities.

Und backt nun kleinere Brötchen: Das Fondsvolumen liegt bei knapp 36 Millionen Euro. Noch einmal 100 Milliarden zu managen reize ihn jedoch nicht. „Darum geht es mir nicht. Ich finde es schön, am Markt präsent zu sein und Kunden zu haben, zu denen das Produkt passt.“

Der Fonds mag nun kleiner sein, dafür kann Gebhardt seine Tage nun selbstbestimmt gestalten. Sein Büro habe er noch in Frankfurt, „aber eigentlich arbeite ich von überall“. Mal in Hamburg, mal im Zug nach München. Und das Wichtigste: „Ich verschwende keine Zeit mit endlosen Meetings und muss mir um die interne Hauspolitik keine Gedanken machen.“

Bildunterschrift © DAS INVESTMENT

Der Millennium Global Opportunities ist ein flexibler Mischfonds mit Fokus auf Wachstumswerten und Nachhaltigkeit, er ist klassifiziert nach Artikel 8 und hat drei Sterne bei Morningstar. Soweit die grauen Rahmendaten. Inhaltlich geht es um nicht weniger als die tiefgreifenden Veränderungen der nächsten Jahrzehnte: Digitalisierung, eine sich rapide verändernde Demografie und Wohlstandsentwicklung, den Klimawandel.

Die Aktienquote des Fonds liegt derzeit bei 65 Prozent. Wenn sich der Markt wieder normalisiere, werde er die Aktienquote höher schieben. Derzeit gebe es jedoch noch andere attraktive Opportunitäten, etwa Anleihen, Gold oder Rohstoffe. Und ohne Rohstoffe gehe nun einmal nichts im Kampf gegen den Klimawandel.

Überhaupt, der Klimawandel. Er ist Gebhardts zentrales Motiv. Schon 2007 lancierte die DWS nach einem viel zu warmen Winter den ersten Klimawandel-Fonds (der heute DWS Global Water heißt) mit einem Schwerpunkt auf Cleantech-Unternehmen. Mit seinem Fonds setzt er auf Unternehmen, die seiner Ansicht nach die Welt von morgen prägen werden. Und dass die Zukunft digitaler, sauberer und nachhaltiger ist, steht für ihn außer Frage. Zugleich ist Gebhardt Aufsichtsratsmitglied des S-Dax-Konzerns SFC Energy, eines Herstellers von Wasserstoff-Brennstoffzellen mit Sitz in Brunn- thal bei München. Das Thema hat eine enorme Brisanz, ist er überzeugt.

Wer Golf spielt, Mountainbike fährt und leidenschaftlicher Basketball-Fan ist, der liest am liebsten, na klar, Biografien über berühmte Sportler. „Ich lese gerne über Menschen, die sich gegen alle Widrigkeiten bis an die Spitze durchsetzen konnten. Diese Geschichten finde ich inspirierend. Man versteht dann erst, wie viel Leidenschaft, aber auch Aufopferung es braucht“, sagt Gebhardt. „Der Respekt vor solchen Leistungen wächst damit noch weiter.“ Seine Top 3 sind von John Daly, Andre Agassi und Brittney Griner
Wer Golf spielt, Mountainbike fährt und leidenschaftlicher Basketball-Fan ist, der liest am liebsten, na klar, Biografien über berühmte Sportler. „Ich lese gerne über Menschen, die sich gegen alle Widrigkeiten bis an die Spitze durchsetzen konnten. Diese Geschichten finde ich inspirierend. Man versteht dann erst, wie viel Leidenschaft, aber auch Aufopferung es braucht“, sagt Gebhardt. „Der Respekt vor solchen Leistungen wächst damit noch weiter.“ Seine Top 3 sind von John Daly, Andre Agassi und Brittney Griner © DAS INVESTMENT

Als Angel Investor steht Gebhardt zudem vier jungen Unternehmen finanziell und beratend zur Seite, darunter einem Fintech und einem Essenslieferanten. „Mit der Venture-Welt kam ich früher erst in Kontakt, wenn es zum Börsengang kam. Jetzt lerne ich noch einmal die andere Seite kennen. Zu sehen, wie sich eine Firma von ihren Gründungstagen an entwickelt, ist eine neue Erfahrung für mich. All das konnte ich früher nicht machen. Diese Freiheit schätze ich enorm.“

In seinem Haus im Taunus, nicht einmal eine halbe Stunde von Frankfurt entfernt, hängt ein Bild der Künstlerin Elvira Bach. Sie ist die Mutter des Basketball-Nationalspielers Maodo Lô, auf dem Bild spielt er in einem weißen Trikot, auf dem eine rote Zwölf prangt. Das war Gebhardts Rückennummer als Kind. 

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