Herthas Finanzspritze

KKR will mitmischen

Mit 61,2 Millionen Euro steigt der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) beim Berliner Fußballclub Hertha BSC ein. In der Pressemitteilung des Clubs heißt es: „Die Zusammenarbeit ermöglicht eine umfangreiche Rückführung der Schulden sowie den Rückerwerb von Rechten.“

Inzwischen ist auch klar, dass KKR bei sportlichen Misserfolgen nicht zur Tatenlosigkeit verdammt ist. Nötigen Druck könnte KKR durch den Umstand erzeugen, dass Europachef Johannes P. Huth, in den sechsköpfigen Aufsichtsrat des Clubs einsteigt. Huth ist seit 1999 bei KKR und war unter anderem bereits in den Aufsichtsräten von Prosieben-Sat1-Media und WMF. Bei WMF räumte Huth ordentlich auf. So soll KKR nicht ganz unbeteiligt daran gewesen sein, dass WMF seinen damaligen Chef Thorsten Klapproth trotz erfolgreicher Jahre feuerte.

„Gelingt es Hertha, dauerhaft international mitzuspielen, geht der Deal für KKR auf. Gelingt es nicht, wird der Ton deutlich rauer. Hertha ist zum Erfolg verdammt – mehr als je zuvor“, warnt bereits Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz gegenüber der Bild am Sonntag.

Finanziell gab es in den vergangenen Jahren für den Fußballclub keine rosigen Zeiten. Die Ausgaben waren stets höher als die Einnahmen. Der Wechsel im Management 2009 von Dieter Hoeneß zu Michael Preetz brachte lange nicht die gewünschte Wende. Der erneute Abstieg 2012 in die zweite Liga kostete Hertha viel Geld. Mitte 2013 beliefen sich die Schulden auf 36,8 Millionen Euro, zum Saisonende 2012/2013 stand ein Minus von 7,8 Millionen Euro in den Büchern. Seit Jahren suchte der Club vergeblich einen Investor. Vor einer Woche dann die erlösende Pressekonferenz.

KKR kauft für 18 Millionen Euro eine Minderheitsbeteiligung von 9,7 Prozent an der ausgegliederten Fußball-Profiabteilung des Clubs. Hertha und KKR sprechen von einer langfristigen Zusammenarbeit. Nicht nur die Schulden sind auf einen Schlag weg, auch für Neuzugänge in der Mannschaft gibt es neuen Spielraum. Ein derartiges Engagement eines Finanzinvestors gab es bislang bei noch keinem Bundesligisten. Deshalb wundert es auch nicht, dass die Skepsis groß ist.

Der Verein versucht, die Zweifel zu zerstreuen. „Es ist jedoch klar geregelt, dass wir mit Hinblick auf sportliche Themen weiterhin eigenständig entscheiden werden, um unseren Verein dort zu verankern, wo wir ihn alle gerne sehen: nämlich als etabliertes Mitglied in der Bundesliga“, ist auf der Webseite von Hertha BSC zu lesen. Mal sehen, wie lange das so bleibt.

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