Guido Komatsu von der Hesse Newman Zweitmarkt

Guido Komatsu von der Hesse Newman Zweitmarkt

Hesse Newman: „Wir haben Markowitz auf die Schiffsmärkte übertragen“

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DAS INVESTMENT.com: Das erste volle Geschäftsjahr des Zweitmarktfonds Hesse Newman Shipping Opportunity ist abgeschlossen. Wie läuft‘s?

Guido Komatsu: Wir sind zufrieden. Unsere Anleger erhielten 8 Prozent statt der angekündigten 7,5 Prozent Auszahlungen für 2010. Das antizyklische Konzept ist aufgegangen. Wir konnten gute Schiffsbeteiligungen am Zweitmarkt preiswert einkaufen.

DAS INVESTMENT.com: Wie preiswert?

Komatsu: Im Schnitt zahlten wir 34 Prozentpunkte unter den Höchstpreisen von 2008. Dabei haben wir ein Portfolio aufgebaut, das über alle relevanten Schiffssegmente breit streut. Und darin liegt der entscheidende Unterschied.

DAS INVESTMENT.com: Was hat der Anleger davon?

Komatsu: Der Ökonom Harry Markowitz bewies mathematisch, dass das Rendite-Risiko-Verhältnis einer Anlage durch Streuung verbessert werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass die unterschiedlichen Anlagen nicht miteinander korrelieren. Was Markowitz für die Aktienmärkte erkannte, haben wir auf die Schiffsmärkte übertragen. Daher sind Anleger mit gemanagten Zweitmarktfonds vergleichsweise auf der sicheren Seite.

DAS INVESTMENT.com: In der letzten Wirtschaftskrise brachen aber alle Schiffsmärkte ein. Die Korrelation zwischen Bulkern, Tankern und Containerschiffen müsste doch relativ hoch sein.

Komatsu: Grundsätzlich sind alle drei Schiffssegmente stark von der Weltwirtschaft abhängig. Sie bewegen sich jedoch in unterschiedlichen Zyklen, was sich in entsprechenden niedrigen Korrelationen zwischen den Veränderungen von Charterraten auf Monatsbasis der vergangenen zehn Jahre zeigt. Zwischen Tankern und Bulkern liegt diese bei 0,14, zwischen Tankern und Containerschiffen bei 0,01 und zwischen Bulkern und Containerschiffen bei 0,21. Da das größte Risiko einer Schiffsbeteiligung das Anschluss-Charterrisiko ist, ist es sinnvoll, sich die kurzfristigen Korrelationen anzuschauen.

DAS INVESTMENT.com: Sie haben jüngst  einen weiteren Zweitmarktfonds aufgelegt. Wofür steht das Wort ‚Balance‘ im Hesse Newman Shipping Balance?

Komatsu: Wir wollen Chance und Risiko erfolgreich ausbalancieren. Das versuchen wir, indem wir breit streuen, risikoarm einkaufen und professionell managen. Das soll bei gleicher Renditechance die Sicherheit steigern.

DAS INVESTMENT.com: Welche Schiffstypen sollen den Schwerpunkt bilden?

Komatsu: Ein Schwerpunkt werden Containerschiffe der Panamax- und Postpanamax-Klasse bis 7.000 TEU sein. Die Tendenz geht zu größeren Containerschiffen. Hier sehen wir gute Perspektiven.

DAS INVESTMENT.com: Warum gerade da?

Komatsu: Wir sehen deutlich unterschiedliche Entwicklungen in den drei genannten Hauptsegmenten. Während die Containerschifffahrt in der Krise am längsten brauchte, um sich zu erholen, ging es der Massengutschifffahrt vergleichsweise gut, Dieses Jahr ging es erneut bergab, ohne dass eine rasche Erholung erkennbar ist.

DAS INVESTMENT.com: Und bei Tankern…

Komatsu: …erleben wir eine Seitwärtsbewegung mit leichter Tendenz nach unten. Diese unterschiedlichen Entwicklungen sind natürlich sehr gut für den Einkauf und die Zusammenstellung eines Zweitmarktportfolios.

DAS INVESTMENT.com: Abschließend eine Frage zu Japan: Wie hat sich Fukushima rückblickend auf die internationale Schifffahrt und die Charterraten ausgewirkt?

Komatsu:
Größere Effekte auf die Charterraten sind nicht zu beobachten. Die großen Häfen für die Containerschiffe liegen im Süden Japans, sind also nicht betroffen, und wahrscheinlich wird die Nachfrage nach Tankern steigen, weil Japan seine Ölimporte erhöhen wird. Dies dürfte jedoch nur sehr geringfügige Folgen für die Tankercharterraten haben.

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