Heuschrecke ist nicht gleich Heuschrecke

//
Wen hat Franz Müntefering denn eigentlich gemeint, als er im April 2005 Finanzinvestoren, die Unternehmen „abgrasen“, Arbeitsplätze vernichten und dann weiterziehen, als Heuschrecken bezeichnete und ihnen den Kampf ansagte? Geht es nach der aktuellen Studie „’Heuschrecke’ nicht gleich ’Heuschrecke’“ der Universität Bonn und der Technischen Universität München, dann sollte sich die Kritik eher an Hedge-Fonds und weniger an Private-Equity-Fonds richten.

In ihrer Studie versuchen die Ökonomen herauszufinden, ob die überwiegend kritische Haltung von Politik und Öffentlichkeit gegenüber Finanzinvestoren begründet ist. Hierfür analysierten sie 57 Private-Equity- und 96 Hedge-Fonds-Beteiligungen auf dem deutschen Kapitalmarkt.

Im Raum steht der Vorwurf, dass die Engagements von Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds nur auf kurzfristige Gewinnmitnahmen ihrer Anteilseigner ausgerichtet sind. Zudem soll das aktive Eingreifen in die Geschäftspolitik der Beteiligungen eher negative Folgen für den langfristigen Unternehmenserfolg und die Beschäftigungssituation haben.

Grundverschiedene Geschäftsmodelle
Zunächst einmal stellen die Autoren klar, dass Unternehmensbeteiligungen nur eine von vielen Aktivitäten von Hedge-Fonds sind, jedoch den Kern des Private-Equity-Geschäfts darstellen. Dass die Gruppe von Hedge-Fonds, die sich aktiv an Firmen beteiligt, in den vergangenen Jahren in Verruf geraten ist, liegt in ihrem Geschäftsmodell begründet, dass sich grundlegend gegenüber dem von Private-Equity-Fonds unterscheidet.

Während Private-Equity-Fonds als geschlossene Fonds konzipiert sind und die eingesammelten Gelder für durchschnittliche 10 Jahre fest angelegt sind, können Hedge-Fonds-Investoren ihr eingesetztes Kapital im Schnitt bereits nach 10 Monaten wieder abziehen.

„Wenn Hedge-Fonds in ein Unternehmen einsteigen, wollen sie daher binnen kurzer Zeit einen wahrnehmbaren Effekt erzielen“, erklärt Ann-Kristin Achleitner, eine der drei Autoren der Studie. „Sie setzen dazu vor allem auf Maßnahmen, die sich kurzfristig auf die Börsenkurse auswirken.“ Hierzu zählen Dividendensteigerungen oder spektakuläre Personalentscheidungen oder das Verhindern von schädlichen Entscheidungen wie beispielsweise unsinnige Firmenübernahmen.

Private Equity agiert nachhaltiger
Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass sich mit solchen kurzfristigen Einflussnahmen in einigen Fällen auch durchaus der langfristige Unternehmenserfolg steigern lässt.

Private-Equity-Fonds hingegen streben in der Regel Mehrheitsbeteiligungen an und haben in erster Linie die langfristigen Erfolgsaussichten ihrer Engagements im Blick. Zwar stehen bei ihnen am Ende ebenso die finanziellen Motive im Vordergrund,  erklärt Co-Autor André Betzer. „Sie haben aber länger Zeit, Gewinne zu realisieren, und ergreifen dazu in der Regel nachhaltigere Maßnahmen.“

Mehr zum Thema
nach oben