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Baustelle in New York Foto: imago images / Norbert Schmidt
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US-Konjunktur, Greenback, Schwellenländer

Hilfspaket mit Nebenwirkungen

Carsten Roemheld, Fidelity

Lockdown, Schul- und Kitaschließungen, Ausgangssperren – und was macht der deutsche Leitindex? Er steigt und steigt. Mitte April erreichte der Dax mit mehr als 15.000 Zählern ein neues Allzeithoch. Auch der US-amerikanische Dow Jones jagt Rekorde. Treiber der Euphorie ist hier wie dort die Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung. In den USA fußt sie vor allem auf dem geplanten billionenschweren Konjunkturpaket „Build Back Better“. 2,3 Billionen US-Dollar (umgerechnet 1,9 Billionen Euro) will US-Präsident Joe Biden für den Umbau der heimischen Wirtschaft in die Hand nehmen. Das Geld soll in marode Brücken, Straßen und die Energieversorgung fließen – und damit nebenbei auch den Klimaschutz fördern. Es ist das größte Konjunkturpaket aller Zeiten für die wohl wichtigste Volkswirtschaft der Welt: Anleger gehen zurecht davon aus, dass es weltweit wirkt. Doch Art und Ausmaß der Effekte dürften manchen überraschen.

Der Reihe nach: Eigentlich war die US-Wirtschaft schon auf dem Weg der Besserung, bevor überhaupt der erste Dollar aus dem Hilfspaket an Unternehmen und Haushalte geflossen ist. Die US-Wirtschaft war bereits im Herbst 2020 stark gewachsen, um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Zu Beginn des Jahres 2021 war dann der Auftragseingang für langlebige Güter unerwartet stark gestiegen. Und schließlich überraschen die USA seit Monaten mit ihren rasanten Fortschritten beim Impfen. All das spricht dafür, dass sich der Aufschwung vielleicht sogar ohne derart große Hilfen fortgesetzt hätte.

Druck auf US-Dollar steigt

Das Mega-Konjunkturpaket birgt damit sogar die Gefahr einer Überstimulierung der Wirtschaft. Denn es könnte die Nachfrage derart befeuern, dass Lieferengpässe drohen und in der Folge die Verbraucherpreise stark steigen könnten. Nach und nach könnte so tatsächlich die ganze Welt die Nebenwirkungen des Biden-Pakets zu spüren bekommen. Die Historie zeigt nämlich: Wann immer die USA ihr Staatsdefizit stark ausweiteten, wertete danach der US-Dollar ab. Das wiederum erhöht das Leistungsbilanzdefizit der USA, weil der Handel mit dem Ausland für die heimische Wirtschaft tendenziell teurer wird.

Ein höheres Defizit aber könnte den US-Dollar noch stärker belasten. Dann käme es zu einem Teufelskreis, der die US-Unternehmen im schlimmsten Fall gar in Zahlungsschwierigkeiten bringen könnte. Ein solches Szenario ist zwar noch nicht in Sicht. Aber eine doppelte Defizit-Ausweitung wäre ein hohes Risiko, so dass Investoren die Lage genau beobachten sollten.

Wie so oft ist des einen Leid aber auch des anderen Freud: Die größten Profiteure einer fehlgeleiteten US-Hilfspolitik wären Schwellenländer, die tra­di­tionell stark in US-Dollar verschuldet sind. Denn mit einem schwächelnden Greenback schrumpfte auch ihre reale Schuldenlast. Damit könnten sie sich zu besseren Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren. Zu­gleich gewinnen ihre nationalen Währungen an Wert. Das hieße dann: Mehr Geld für Investitionen, was wiederum neuen Rückenwind für die Wirtschaft bedeutete. Der Teufelskreis verwandelt sich hier in sein Gegenteil.

Viele Schwellenländer-Währungen haben zudem im Zuge der Coronakrise stark abgewertet, einige notieren deutlich unter ihrem fairen Wert. Sobald den Staaten neue Liquidität zufließt, dürfte sich diese Bewertungslücke schließen. Die Chancen dafür stehen gut – und Joe Biden könnte tatkräftig mithelfen.

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