Nach dem jüngsten Hochwasser in Bayern und Baden-Württemberg flammt die Diskussion um eine Elementarschadenpflichtversicherung wieder auf. Viele Politiker beklagen die geringe Versicherungsdichte gegen Elementarschäden und fordern, diese künftig in Wohngebäudeversicherungen obligatorisch einzuschließen.
Justizminister gegen Elementarschadenpflichtversicherung
Der zuständige Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) lehnt die Idee weiterhin ab. Er befürchtet, dass eine Pflichtversicherung das Wohnen in Deutschland teurer machen, eine große Bürokratie nach sich ziehen und den Staat nicht aus der finanziellen Haftung nehmen würde. Buschmann schließt sich stattdessen der Forderung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) an. Der Lobbyverband will eine Pflicht zum einmaligen Angebot entsprechenden Versicherungsschutzes gegenüber den Kunden.
Doch wie hoch sind die Nachfrage nach der Elementarschadenversicherung und die Versicherungsdichte, insbesondere in den gefährdeten Regionen wirklich? Dieser Frage ging der Maklerpool Jung, DMS & Cie., in seinem jüngsten Trendbarometer nach. Der Untersuchung lagen die Daten des Analysehauses Morgen & Morgen zugrunde.
ZÜRS 1: 90 Prozent der Policen mit Elementarschutz
Laut Studie ging die Nachfrage nach Wohngebäudeversicherung ohne Elementarschaden-Baustein von 41 Prozent im Jahr 2022 auf aktuell rund 32 Prozent zurück. Dies gilt insbesondere für die kaum gefährdeten Gebiete der sogenannten ZÜRS-Zone 1: Hier kletterte der Anteil der Wohngebäudepolicen mit Elementarschutz von 86 Prozent in 2022 auf aktuell fast 90 Prozent.
Auch in der ZÜRS-Zone 2, in der das Hochwasser statistisch gesehen seltener als einmal in 100 Jahren vorkommt, zeigt sich ebenfalls ein leichter Anstieg der Nachfrage. Hier verfügen mittlerweile rund 10 Prozent aller Gebäudeversicherungen über einen Elementarschutz. In den Vorjahren waren es 9 beziehungsweise 8 Prozent.
ZÜRS 4: Nachfrage sinkt auf 0
Nicht so gut ist die Lage hingegen in den besonders gefährdeten Gebieten, wo ein Schutz gegen Hochwasser besonders wichtig wäre. Hier ging laut Studie die – ohnehin schon sehr verhaltene –Nachfrage nach Gebäudeversicherungen mit Elementarschutz in den vergangenen Jahren stetig zurück (siehe Grafik). Das liege aber weniger am mangelnden Risikobewusstsein, sondern vielmehr daran, dass für Gebäude in den ZÜRS-Zonen 3 und 4 entweder überhaupt kein Schutz gegen Elementargefahren angeboten werde oder nur zu sehr hohen Prämien, heißt es von Jung, DMS & Cie.

