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Hochzinsanleihen: Viele Firmen sind besser als ihr Rating

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Der Hauptgrund für diese gewaltigen Renditeunterschiede liegt natürlich in der Benotung durch die großen Ratingagenturen. Oftmals ist das Rating deutscher Traditionsfirmen aus der Industrie im Sub-Investment-Bereich angesiedelt und signalisiert damit ein hohes Kreditrisiko. Ein wirkliches Ausfallrisiko besteht unseres Erachtens in der Regel allerdings dennoch nicht, sofern der Emittent Weltmarktführer ist und über ein funktionierendes Geschäftsmodell verfügt, das Gewinne erwirtschaftet und einen positiven Free Cash Flow generiert. So sind die relativ schlechten Benotungen zu einem erheblichen Teil auf die angewandte Ratingmethodik zurückzuführen. Hier wird teilweise auch noch das Rezessionsjahr 2009 mit berücksichtigt, dort sah die G+V vieler Firmen in der Tat sehr schwach aus. Außerdem  wirkt sich eine Bilanz, die von hoher Verschuldung gekennzeichnet ist, relativ stark bei der Rating-Vergabe aus und führt zu schlechten Einstufungen. Wichtiger sind aus unserer Sicht jedoch die Fragen nach dem Geschäftsmodell und die Relevanz der Firma im Allgemeinen.

Hohe Kupons und zusätzliche Sicherheit

Für Bondholder hat diese „Verzerrung“ neben den hohen Kupons den Vorteil, dass sie zum Teil zusätzliche Sicherheiten fordern können. Beispielsweise ist die ertragsstarke Schaeffler AG als Garantin der jüngsten Schaeffler-Anleihen vor dem Zugriff der Holding, die aus der Conti-Übernahme noch mit 4,7 Milliarden Euro verschuldet ist, weitestgehend geschützt. Zunächst dürfen nur 200 Millionen Euro pro Jahr abgezogen werden, später sind es 300 Millionen. Davon abgesehen dient der 36,1-Prozent-Anteil an Continental, den die Schaeffler AG über eine hundertprozentige Tochtergesellschaft hält, als Sicherheit. Allein dieses Aktienpaket deckt beim aktuellen Börsenwert von 4,9 Milliarden Euro mehr als das Doppelte des gesamten Anleihevolumens von 2 Milliarden Euro ab. Da relativiert sich das schlechte Rating von „B2“ (Moody’s) bzw. „B“ (S&P) doch erheblich.

Für Privatanleger besteht bei derartigen Anleihen allerdings oft das Problem, dass sie meist nur in einer Mindeststückelung von 50.000 oder sogar 100.000 Euro angeboten werden. Abhilfe kann hier der Weg über einen Vermögensverwalter schaffen. Bei entsprechender technischer Ausstattung ist er in der Lage, dieses Volumen in Zusammenarbeit mit der Depotbank auf mehrere seiner Kunden zu verteilen.
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