DAS INVESTMENT: Der AB Sustainable US Thematic Portfolio (ISIN: LU0232464734) gehört auf Fünf-Jahres-Sicht zu den besten nachhaltigen Aktienfonds. Können Sie Ihre Strategie kurz beschreiben?

Dan Roarty: Unser Ziel ist es, durch Investitionen in Unternehmen, die zu positiven sozialen und ökologischen Ergebnissen beitragen, langfristig hohe finanzielle Erträge zu erzielen. Die Strategie kombiniert eine Top-Down-Methode, also beginnend auf der Makro-Ebene, mit einer detaillierten Bottom-Up-Aktienanalyse, bei der das einzelne Unternehmen im Mittelpunkt steht. Unsere Portfolios sind relativ konzentriert, unabhängig von Vergleichsgruppen und auf Wachstumsunternehmen mit hoher Qualität ausgerichtet. Unser Team legt in der Regel Kapital in 30 bis 60 internationale Unternehmen an und begrenzt einzelne Positionen auf höchstens 5 Prozent. Ende August 2022 befanden sich 48 Aktien im Portfolio.

Wie binden Sie Nachhaltigkeitskriterien ein?

Roarty: Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung sind der erste Schritt in unserem Anlageprozess. Wir investieren in Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen für die Verwirklichung eines oder mehrerer dieser Ziele relevant sind und mit unseren drei Hauptthemen Klima, Gesundheit und Selbstbestimmung übereinstimmen. Zu den wichtigsten Aspekten dieser Themen gehören finanzielle Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe, Zugang zu hochwertiger Gesundheitsversorgung, nachhaltiger Transport sowie Ernährungssicherheit und sauberes Wasser.

Wie sieht ihr Anlageprozess konkret aus?

Roarty: Mithilfe unserer Top-Down-Research-Methode identifizieren wir ungefähr 100 Produkte und Dienstleistungen, die zur Verwirklichung der genannten UN-Ziele beitragen. Dazu gehören etwa Windturbinenhersteller sowie die Bereiche Medikamente und Mikrofinanzkredite. Anschließend ermitteln wir die Unternehmen, die mit diesen Produkten und Dienstleistungen Umsätze generieren. Die etwa 2.500 Firmen weltweit, die diese Kriterien erfüllen, bilden unser Anlageuniversum. Im nächsten Schritt folgt der Bottom-up-Aktienauswahlprozess. Wir bevorzugen Unternehmen, die bei ESG-Praktiken bereits stark sind oder die sich gerade im Wandlungsprozess befinden. Diese Firmen liefern auch eine bessere finanzielle Performance bei geringerem Risiko.

 

Gibt es Branchen, die Sie ausschließen?

Roarty: Um in unser Portfolio aufgenommen zu werden, muss ein Unternehmen mindestens 25 Prozent seines Umsatzes mit Produkten oder Dienstleistungen erwirtschaften, die zur Erfüllung eines oder mehrerer Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beitragen. Zudem haben wir Ausschlusskriterien. Auf der Liste stehen unter anderem Erwachsenenunterhaltung, Alkohol, Kohle, kontroverse Waffen, Schusswaffen, Glücksspiel, gentechnisch veränderte Organismen, militärische Dienstleistungen, Gefängnisse und Tabak. Portfoliounternehmen dürfen keinen Umsatz mit einem dieser Geschäftsfelder erzielen. Auch Firmen, die Teil der Wertschöpfungskette entsprechender Hersteller sind, schließen wir aus.

Microsoft gehört zu Ihren Toppositionen. Warum sind Technologie-Aktien bei Nachhaltigkeitsfonds so beliebt?

Roarty: Nachhaltigkeit berührt alle Facetten der Gesellschaft. Technologieunternehmen helfen uns, Wissen zu vermitteln und auszutauschen, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, die Reichweite des Gesundheitswesens zu vergrößern, Menschen und kleine Unternehmen mit dem Finanzsystem zu verbinden und unser persönliches digitales Vermögen zu schützen. Jeder dieser Aspekte steht im Mittelpunkt der nachhaltigen Entwicklung.

Welche Top-Aktien haben Sie noch im Portfolio?

Roarty: Ich nenne Ihnen drei Beispiele. Das US-Unternehmen Waste Management bietet Dienstleistungen in den Bereichen Abfallsammlung, Recycling und Entsorgung an. Kunden können auf diese Weise Umweltverschmutzung reduzieren, die Abfallproduktion verringern und die Kreislaufwirtschaft verbessern.

Beispiel Nummer zwei, Becton Dickinson ist ein weltweit tätiges Medizintechnikunternehmen, das sich auf medizinischen Bedarf, Laborausrüstung und diagnostische Produkte spezialisiert hat und zu unserem Themenbereich Gesundheit gehört. Das Unternehmen, das eine große Präsenz in Schwellenländern hat, unterstützt mit seinen Produkten die Behandlung von Patienten mit chronischen Krankheiten.

Das dritte Unternehmen, das ich nennen möchte, ist Danaher, ein Gesundheits- und Industrieunternehmen. Die Firma liefert Ausrüstung für Krankheitsdiagnose und Arzneimittelentwicklung und trägt so zu einer hochwertigen Versorgung bei. Danaher erwirtschaftet 65 Prozent seines Umsatzes mit Verbrauchsgütern und Ersatzteilen für bereits installierte Geräte. Etwa 30 Prozent der Umsätze des Unternehmens entfallen auf wachstumsstarke Märkte wie China und Indien.

 

Einige Fondsgesellschaften waren in den vergangenen Monaten mit Greenwashing-Vorwürfen konfrontiert. Wie wirkt sich das auf die nachhaltige Geldanlage aus?

Roarty: In den vergangenen zwölf Monaten haben die US-Aufsichtsbehörden von Vermögensverwaltern immer öfter Nachweise für ihre Nachhaltigkeitsangaben gefordert. Manager, die behaupten, ESG in ihren Anlageprozess zu integrieren, müssen das nun auch belegen können. Gegen einige bekannte Asset-Management-Firmen wurden Untersuchungen eingeleitet, weil sie bei ihren ESG-Angaben übertrieben haben. Die entscheidende Frage ist nun, ob dadurch Vertrauen bei Anlegern verspielt und die Dynamik nachhaltiger Geldanlage gebremst wird. Wir sind der Ansicht, dass eine höhere Messlatte für Investoren dringend notwendig war. Die aktuellen Entwicklungen sind entscheidend, um die Glaubwürdigkeit des nachhaltigen Investierens für alle Anleger aufrechtzuerhalten.

Über den Interviewten:
Daniel Roarty wurde 2013 zum Investmentchef des thematischen und nachhaltigen Aktienteams von Alliance Bernstein ernannt. Er kam im Mai 2011 als Leiter des globalen Technologiesektors im internationalen Research Growth Team zum Unternehmen und wurde Anfang 2012 zum Teamleiter ernannt. Zuvor war Roarty bei Nuveen Investments, Morgan Stanley und Goldman Sachs tätig.