Wie hängen der Ölpreis und der Aktienmarkt zusammen? Das hat sich Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst beim Multi Family Office HQ Trust angesehen. Für seine Analyse ermittelte er den Zusammenhang zwischen dem Ölpreis und der Entwicklung des Aktienindex S&P 500. Dafür teilte Kielkopf die jährlichen Renditen des Ölpreises der Sorte Brent seit dem Jahr 1971 in zehn gleich große Bereiche, sogenannte Dezile ein. Diese 64 Zeiträume setzte er in Relation zur durchschnittlichen Rendite des US-Aktienindex in den darauffolgenden zwölf Monaten.

Fallende Ölpreise = guter Einstiegszeitpunkt für Aktien 

„In der Vergangenheit waren Zeiten mit fallenden Ölpreisen ein guter Einstiegszeitpunkt für Aktien“, fasst der Kapitalmarktanalyst das Ergebnis zusammen. Im schwächsten Dezil, in dem der Ölpreis auf Jahressicht mehr als 29,3 Prozent nachgab, legten die US-Aktien sogar am stärksten zu. „In diesen Fällen stieg der S&P 500 im Schnitt um 19 Prozent“, erklärt Kielkopf.

Verlor Brent – wie aktuell – zwischen 14,0 und 29,3 Prozent, lag das Plus des Aktienindex im Mittel bei 15 Prozent. „Beides liegt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt: Im Mittel hätten Anleger mit einem Index-Investment in den S&P 500 in zwölf Monaten ein Plus von 10 Prozent pro Jahr erwirtschaftet.“

© HQ Trust; Quelle: LSEG, HQ Trust Research

Im untersuchten Zeitraum, der mehr als 50 Jahre umfasst, gilt allerdings auch umgekehrt: Je stärker der Anstieg beim Ölpreis ausfiel, desto schlechter war das in der Vergangenheit für Aktienanleger. Kielkopf: „Legte Brent-Öl auf Jahressicht zwischen 41,3 und 62,7 Prozent zu, gewann der S&P 500 in den darauffolgenden zwölf Monaten im Schnitt nur 5 Prozent.“

Auch beim größten Ölplus, einem Zuwachs von mehr als 62,8 Prozent, habe die Aktienrendite von 6 Prozent deutlich unter dem langjährigen Schnitt des S&P 500 gelegen. Die gute Nachricht für Anleger sei aber, dass die Aktien im Mittel auch in diesen Zeiträumen an Wert gewannen.

 

Günstigere Energiepreise wirken wie ein Konjunkturprogramm

Wie lässt sich dieser Zusammenhang erklären? „Da Öl immer noch als einer der wichtigsten Inputfaktoren in der globalen Produktion und Logistik gilt, führen sinkende Ölpreise zu niedrigeren Produktions- und Transportkosten – insbesondere für energieintensive Branchen – was sich positiv auf deren Gewinnmargen auswirkt“, so Kielkopf.

Günstigere Energiepreise wirkten wie ein Konjunkturprogramm: Verbraucher haben mehr Geld zur Verfügung, das sie für Konsum ausgeben könnten – das stütze das Wirtschaftswachstum und könne die Börsen antreiben. „Allerdings hat eine abnehmende Dynamik in der Weltwirtschaft meist auch erst zu den sinkenden Ölpreisen geführt, wobei auch die Aktienkurse unter Druck gerieten und dann wieder ein günstiger Einstieg möglich ist“, erklärt der Kapitalmarktexperte.