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Hüfners Wochenkommentar „Anleger sollten sich auf eine Neujustierung der Geldpolitik vorbereiten“

Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner
Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner

In der europäischen Geldpolitik gab es in den letzten Wochen einige überraschende Gerüchte. Das wichtigste war, dass die EZB ihr Wertpapierankaufsprogramm im kommenden Jahr langsam auslaufen lassen könnte. Manche taten das ab als das übliche Marktgerede, das man nicht ernst nehmen muss. Andere waren etwas nachdenklicher mit dem Argument: Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Ich will noch einen Schritt weitergehen. Ich glaube, dass die Geldpolitik tatsächlich an dem berühmten „Inflection Point“ angekommen ist. Acht Jahre lang hat sie die Wirtschaft mit immer neuen Maßnahmen gestärkt. Sie hat alles getan, um zuerst die große Finanzkrise und dann die Eurokrise zu überwinden. Sie hat dabei auch erhebliche Erfolge erzielt. Ohne sie stünde Europa heute viel schlechter da.

Jetzt aber kommt die Zeit für den Exit aus dieser Politik. Der Grund ist, dass sich bei der Inflation erste Besserungszeichen zeigen. Im September ist die Preissteigerung im Euroraum zum ersten Mal wieder auf 0,4 Prozent gestiegen. Das war der höchste Satz seit zwei Jahren. Natürlich ist das noch weit von dem Ziel der EZB von „nahe, aber unter 2 Prozent“ entfernt.

Die Inflation steigt wieder an

Preissteigerung im Euroraum

Quelle: EZB

Aber alle Indizien deuten darauf hin, dass die Rate in den kommenden Monaten weiter anziehen wird. Die Energiepreise gehen wieder nach oben. Nahrungsmittel, Industriegüter und Dienstleistungen werden teurer. Die Löhne steigen in der Bundesrepublik um 2,5 Prozent, ohne dass die Produktivität entsprechend zunehmen würde. Die Konjunktur ist ordentlich. Die öffentlichen Defizite gehen nach oben. Natürlich gibt es noch Probleme. In einigen Euro-Ländern gehen die Preise noch zurück. Bei den Preiserwartungen zeigt sich noch keine große Bewegung. Aber der Anfang ist gemacht.

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