Hüfners Wochenkommentar Der Kursaufschwung wird länger dauern

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In diesem und dem nächsten Jahr dreht sich die Situation. Die Industrieländer verlieren an Schwung. Ihr Wachstum verringert sich wieder auf 1,3 Prozent. In den Schwellen- und Entwicklungsländern geht es dagegen kräftig nach oben. Sie werden aller Voraussicht nach im nächsten Jahr wieder eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts von 4,6 Prozent erreichen.

Manche sehen das als eine neue zyklische Gesetzmäßigkeit. Wenn es in den Industrieländern nach oben geht, schwächen sich die Entwicklungsländer ab und umgekehrt. Mit so weitgehenden Schlussfolgerungen wäre ich jedoch vorsichtig. Das was die gegenwärtige Verschiebung der Zyklen ausgelöst hat war nämlich weitgehend ein einmaliger Vorgang: Die Krise in der Dritten Welt. In den Zeiten boomender Rohstoffpreise gab es dort eine Wachstums-Bonanza. Alles schien gut, und viele glaubten, der Boom könne nie zu Ende gehen. Daraus entwickelten sich Übertreibungen. Es kam zu Fehlinvestitionen. In Politik und Wirtschaft machten sich Schlendrian und Korruption breit. Bestes Beispiel ist Brasilien. Das musste mit einem schmerzhaften Wachstumseinbruch korrigiert werden. Jetzt nähert sich die Anpassung ihrem Ende. In einer Reihe von Ländern geht es wieder aufwärts.

Was bedeutet diese Verschiebung zwischen den Zyklen der einzelnen Ländergruppen? Die gute Nachricht: Die Weltwirtschaft ist stabiler. Die Schwäche des einen wird durch die Stärke des anderen kompensiert. Das erklärt, dass die globale Wachstumsrate in den letzten Jahren so stabil war. Sie bewegte sich sechs Jahre hintereinander in der engen Bandbreite zwischen 3 Prozent und 4 Prozent. So etwas hat es meines Wissens noch nicht gegeben.

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