Für das kommende Jahr müssen sich Versicherungskunden der Huk-Coburg auf durchschnittlich 10 Prozent höhere Beiträge einstellen. Das berichtet Vorstandssprecher Klaus-Jürgen Heitmann in einem vergangene Woche erschienenen Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND).

Heitmann räumt die Verluste seines Hauses der vergangenen Jahre mit der Sparte ein. Allerdings stellt er im Interview für dieses Jahr schwarze Zahlen in Aussicht. Dabei macht er aber auch die Einschränkung, dass dies nur dank einer unterdurchschnittlichen Hagelsaison erreicht werden konnte.

Bekannte Aussagen des Huk-Coburg-Chefs

Als Hauptkostentreiber identifiziert Heitmann neben den gestiegenen Lohnkosten in den Werkstätten nicht zu ersten Mal die Preisentwicklung bei Autoersatzteilen. Nach Schätzungen des Versicherers sind die Preise für Ersatzteile dreimal so stark gestiegen wie die allgemeine Inflation. „Ersatzteile gehören zu den lukrativsten und stabilsten Geschäften der Autoindustrie“, sagt der Huk-Coburg-Chef. Es sei „wohl kein Zufall“, dass die Preise hochgingen, wenn die Autobauer an anderen Stellen Probleme hätten.

„Die Autohersteller haben immer noch ein Liefermonopol.“ Es gebe kaum andere Anbieter qualitativ vergleichbarer Teile, vor allem für Karosserieteile. Zudem traue sich kein Zulieferer, gegen seine großen Kunden anzutreten, so Heitmann. Die Versicherer seien daher gezwungen, Ersatzteile ausschließlich bei den Herstellern zu kaufen.

Einsatz gebrauchter Ersatzteile wird nicht thematisiert 

Heitmann hatte sich in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vor einem Jahr ähnlich geäußert. Viel passiert scheint seitdem also nicht zu sein. Tatsächlich zeichnet sich im Markt ein Trend zum Einsatz gebrauchter Ersatzteile ab. Vor allem Hauptkonkurrenz Allianz hatte schon 2024 angekündigt, darauf stärker zu setzen. Vergangenes Jahr sagte Heitmann noch, dass es an einem breiten Angebot gebrauchter Ersatzteile mangele. Im aktuellen Interview wird er zu diesem sicherlich für die Branche in Zukunft sehr wichtigen Thema nicht einmal gefragt. 

Telematiktarife weiterhin nur ein Nischenprodukt 

Als Sparoptionen für Kunden nennt Heitmann dafür die üblichen Verdächtigen:  Werkstattbindung bei Kaskoverträgen, Telematiktarife und die kritische Prüfung der Tarifmerkmale, insbesondere bei älteren Fahrzeugen. Mit Telematiktarifen könnten Versicherte maximal 30 Prozent, im Schnitt etwa 15 Prozent sparen. 

Warum sich Telematiktarife immer noch nicht im größeren Stil am Markt durchgesetzt haben, wird im RND-Interview nicht thematisiert. Befürchtungen, dass Fahrdaten nach einem Unfall zur Klärung der Schuldfrage genutzt werden, müssen Versicherte laut Heitmann jedenfalls nicht haben. Bei der Huk-Coburg nutzten das Angebot mittlerweile mehr als 700.000 Kunden nutzten, allerdings hat der Marktführer auch fast 14 Millionen Kunden.

Eine klare Absage erteilt der Versicherungsvorstand einmal mehr den großen Maklern Check 24 und Verivox, obwohl er gleichzeitig die Bedeutung des Preisvergleiches aus Kundensicht betont. „Auf Vergleichsplattformen müssten wir teurer werden“, begründet Heitmann die Haltung seines Konzerns. Die Vermittlungskosten pro Vertrag seien relativ hoch. 

Mehr White-Label-Angebot mit Unterstützung der Huk-Coburg 

Was die Konsolidierung im Markt angeht, denkt Heitmann für sein Haus eher an Partnerschaften als an Zukäufe, wie er sagt´, auch wenn Größe wichtiger werde. Man wolle eigene Leistungen den Versicherern anbieten, die diesen Aufwand nicht leisten könnten, zum Beispiel in der Tarifentwicklung. So könnte es vermehrt zu White-Lable-Angeboten kommen, bei den andere Gesellschaften Produkte unter ihrem Namen vermarkten.

Expansion in Neuwagengeschäft geplant

Zudem plant die Huk-Coburg eine Ausweitung ihres Automobilgeschäfts. Neben der bereits existierenden Huk-Autowelt als Gebrauchtwagenhändler will der Versicherer ab 2026 auch Neuwagenangebote machen. 

Heitmann glaubt, dass sein Unternehmen hierfür ideale Voraussetzungen mitbringt. Das liege unter anderem daran, dass man in mehr als jedem vierten deutschen Haushalt vertreten sei. Der Versicherer wisse, wann nach einem Unfall ein neues Auto benötigt werde, wann Leasingverträge ausliefen und welche Fahrzeugklasse infrage komme. Dies ermögliche Automobilherstellern eine „präzise Kundenansprache“, so Heitmann. „Wir sind ein guter Partner für jemanden, der Autos verkaufen möchte.“ 

Das Geschäftsmodell sieht laut Heitmann vor, dass der Coburger Versicherer Fahrzeuge bei Händlern kauft und online vermittelt. Die Übergabe könne dann auch bei einem anderen Händler erfolgen. Ein Pilotversuch in diesem Jahr sei gut gelaufen. 2026 solle das Angebot 2026 sukzessive ausgebaut werden.

Autonomes Fahren bedroht Geschäftsmodell

Als Hintergrund der Entscheidung nennt der Vorstandsvorsitzende den Erhalt der persönlichen Mobilität im Angesicht der absehbaren Veränderungen durch autonomes Fahren. Bei einem Besuch in San Francisco sei der Reifegrad der Robotaxis von Waymo für ihn „erschreckend“ gewesen. Autonomes Fahren bedeute weniger Schäden und damit weniger Arbeit für Versicherer. Gekoppelt mit der gesellschaftlichen Tendenz zu nachlassendem Pkw-Besitz führe dies zu selteneren Kundenkontakten. „Daher müssen wir das Auto als Anker für uns unbedingt erhalten“, erklärt der Vorstandssprecher. 

Das Kfz-Geschäft bleibe auch deshalb zentral, weil Kunden hier von sich aus interessiert seien – im Gegensatz zu anderen Versicherungsprodukten. „Niemand hat großen Spaß daran, sich mit einer Lebensversicherung zu befassen“, so Heitmann. Wolle die Huk bleiben, was sie sei, „müssen die Leute Lust haben, sich mit unseren Themen zu beschäftigen“.

Wohngebäude: Keine Produkte mehr ohne Elementarschutz 

Außer der Kfz-Sparte streift das Interview noch das Thema Gebäudeversicherungen. Hier hat die Huk-Coburg nach der Flutkatastrophe im Ahrtal die Produktpolitik grundlegend geändert. Der Versicherer verkauft Gebäudepolicen nicht mehr ohne Elementarschutz.

80 Prozent der Kunden wählten den vollumfänglichen Schutz mit einem Selbstbehalt von 500 Euro, berichtet Heitmann dem RND. Eine gesetzliche Pflichtversicherung für Elementarschäden sieht er jedoch wie der Großteil der Branche kritisch. Diese sei juristisch problematisch, zudem stelle sich die Frage nach zumutbaren Prämien. 

Angesichts versicherter Schäden von über acht Milliarden Euro allein im Ahrtal forderte Heitmann einen „riesigen Stützpfeiler in der Prävention“. Es würden immer noch Tausende Baugenehmigungen in Überschwemmungsgebieten erteilt, die Risikogebiete würden größer. „Und letztlich wird es ab einer gewissen Dimension auch einen Back-up des Staates geben müssen“, so der Huk-Coburg-Chef abschließend.