Student in Uni-Bibliothek: Das Humankapital eines 25-jährigen Hochschulabsolventen beträgt rund 2,5 Millionen Euro. Er muss es nur noch nutzen. | © Gerd Altmann / Pixabay.com Foto: Gerd Altmann / Pixabay.com

Humankapital, Bubble-Gebabbel, Recency Bias

Neun große Anlegerfehler, die immer wieder auftauchen

Bücher, Artikel, Blog-Beiträge und YouTube-Videos mit Titeln wie „Die zehn größten Anlegerfehler“ oder die „Die 20 schlimmsten Investmentirrtümer“ gibt es wie Sand am Meer. Vor der Abfassung dieses Blog-Beitrags fragten wir uns deshalb, ob wir zu diesem Publikationsberg tatsächlich noch eine weitere Veröffentlichung hinzufügen sollten.

Die Antwort: Ja, solche Anlegerfehler-Publikationen sind sehr zahlreich aber das von ihnen aufgegriffene Problem ist nun einmal allgegenwärtig und in der Tat für den Anlegererfolg oder -misserfolg enorm bedeutsam. Derjenige, der die gravierendsten Anlegerfehler nicht macht oder seltener macht, erhöht die Chance, sein persönliches Zielvermögen mit 30, 50 oder 70 Jahren zu erreichen oder zu übertreffen. Umgekehrt erhöht derjenige, der diese Fehler unnötig häufig macht, die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns an diesen Zielen.

Bevor wir gleich die aus unserer Sicht neun besonders schweren Anlegersünden präsentieren, sei noch angemerkt, dass diese Top-9 eine subjektive Auswahl darstellen. Genauso gut könnte man 50 oder 100 verbreitete Fehler auflisten und bliebe damit immer noch unvollständig. Insbesondere verzichten wir in diesem Beitrag auf die Erläuterung einiger ebenso wichtiger aber eben anderswo schon häufig thematisierten Fehler, wie z. B. das Tolerieren hoher Kosten oder den so genannten Home Bias.

Anlegerfehler 1: Die rentabelste aller Asset-Klassen nicht aktiv managen

Weder Aktien, noch Immobilien, noch Kryptowährungen, noch Gold ist die rentabelste aller Asset-Klassen, sondern Humankapital. Humankapital ist der „Barwert“ (Wert in heutigem Geld) aller zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht vereinnahmten, zukünftigen Nettoeinkommen eines Haushaltes oder einer Person. Der Amerikaner Gary Becker erhielt für seine Forschungen zum Humankapitalkonzept 1992 den Wirtschaftsnobelpreis.

Das Humankapital eines 25-jährigen Hochschulabsolventen in Deutschland beträgt rund 2,5 Millionen Euro in heutigem Geld, wenn er bis 65 arbeitet, ein durchschnittlich vermarktbares Studienfach gewählt und eine in dieser Kategorie normale Erwerbsbiographie hat. Arbeitet er fünf Jahre länger, steigt sein HK um 17 Prozent auf etwa 2,9 Millionen Euro. Geht er zehn Jahre früher in Rente, fällt es um 35 Prozent auf 1,55 Millionen Euro.

Wie kann man sein HK managen und erhöhen? Indem man sich ein im Markt attraktives „Skill Set“ (vulgo Ausbildung) aneignet, indem man dieses Skill Set sein Leben lang weiterentwickelt (sich lebenslang weiter- und fortbildet), indem man gesund lebt (Ernährung, Sport, wenig Alkohol, kein Rauchen) und natürlich, indem man den Anteil seines Lebens, den man als Couch Potato im Internet oder vor der Flimmerkiste verträumt, in Grenzen hält.

Mehr zum Thema
Professor für Entscheidungsfindung im Interview„Menschen überschätzen sich“Mit Scalable CapitalGerd Kommer startet Robo-AdvisorGerd Kommer und Alexander WeisAktienkauf: Einmalanlage oder Phaseninvestment?